Nur die volle Wahrheit gilt

Kommentar | Alexandra Föderl-Schmid, 6. Jänner 2012, 19:48

Wulff und Wrabetz haben sich selbst und ihre Institutionen schwer beschädigt

Für Christian Wulff und Alexander Wrabetz trifft das zu, was der Philosoph Ludwig Marcuse, in abgewandelter Form, festgestellt hat: Die Wahrheiten lägen oft nicht in dem, was man sage, sondern in dem, was man nicht sage.

Die Position des deutschen Bundespräsidenten lässt sich zwar mit jener des Chefs des Österreichischen Rundfunks nicht vergleichen: Der eine vertritt ein Land, der andere leitet das größte Medienunternehmen des Landes. Aber beide nehmen es mit der Wahrheit nicht so genau und haben damit dem Amt und ihrer eigenen Autorität Schaden zugefügt.

Dass ihr Wort nichts mehr gilt - oder zumindest angezweifelt werden kann -, daran sind beide selbst schuld. Wrabetz hat nach seiner von Nikolaus Pelinka organisierten Wiederwahl zum ORF-Generaldirektor mehrfach versichert: Dass Pelinka Kommunikationschef werde, basiere auf "völlig haltlosen Gerüchten, die jeder Grundlage entbehren". Er berief sich auf Pelinka, der "einen Wechsel in den ORF für sich ausgeschlossen" habe, weshalb "dem nichts hinzuzufügen ist" . Das war am 11. August. Zwei Tage davor hatte Wrabetz behauptet: "Im Gegensatz zu anderen Mitbewerbern habe ich nicht mit der Politik verhandelt."

Wrabetz kann nicht wie weiland Konrad Adenauer behaupten: Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern? Er muss sich vorhalten lassen, was er gesagt hat. Formal kann er argumentieren, die Frage habe sich nur auf einen Wechsel Pelinkas auf den Posten des Kommunikationschefs, nicht auf den ihm zugedachten Büroleiter-Sessel bezogen. Aber ob er nun diesen oder jenen Job im ORF bekommt, ist - nicht nur wegen der Ausschreibung, in der keine Qualifikationen und genauen Aufgaben beschrieben werden - zweitrangig. Es geht um die Absprachen dahinter und um die Tatsache, dass Wrabetz nicht die volle Wahrheit gesagt hat.

Auch Wulff hat formal die richtigen Antworten gegeben, als es im niedersächsischen Landtag um die Frage ging, wer ihm nun einen Kredit für sein Haus gegeben hat. Aber es war eben nicht die ganze Wahrheit. Und es tauchen immer mehr Unschärfen auf, auch durch seine Äußerungen in seinem letzten TV-Interview, das als Befreiungsschlag gedacht war. So widerspricht Wulffs Bank: Der Kreditvertrag zur Finanzierung seines Hauses sei - anders als vom deutschen Bundespräsident geschildert - nicht bereits im November besiegelt worden.

Gravierender sind die Vorwürfe der Bild-Journalisten: Wulff soll in dem Telefonat mit Bild-Chefredakteur Kai Diekmann nicht nur um eine Verschiebung des Berichts über seinen Kredit, wie vom Bundespräsidenten behauptet, gebeten haben. Vielmehr soll er gedroht haben, die Worte "Krieg führen" und "Strafantrag" sollen gefallen sein. Demnach hat Wulff nicht gelogen - aber auch nicht die volle Wahrheit gesagt. Den Wahrheitsbeweis - die Veröffentlichung des Mitschnitts - will der Bundespräsident aber nicht zulassen, was seine Glaubwürdigkeit weiter untergräbt.

Es geht in beiden Fällen nicht um Wortklauberei, sondern darum: Wem kann man was - noch - glauben? Lüge und Anstand sind ein Geschwisterpaar, heißt ein deutsches Sprichwort. Wulff wie Wrabetz haben es an Anstand vermissen lassen. Anstand und Glaubwürdigkeit sind aber Voraussetzung für die Arbeit in der Politik oder im Medienbereich. Beide haben ihre Glaubwürdigkeit und die Reputation ihrer Institutionen schwer beschädigt. (DER STANDARD, Printausgabe, 7.1.2012)

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Eco Economicus
00
12.1.2012, 21:56
Es gibt ein großes Problem der SPÖ

..und das ist die immer weitere Entfernung vom eigenen Volk. Wenn man bedenkt, dass unter Kreisky Menschen sich noch stundenlang anstellten, um ein signiertes Bild von ihm zu erhalten und heute aber hochrangige SPÖ-Funktionäre mehrfach Klagen androhen, statt Gespräche zu führen, wenn man ihre Meinung nicht teilt, dann zeigt das schon, welchen Weg diese SPÖ eingeschlagen hat.
Die Frage, die ich mir stelle, ist jene, wie diese FunktionärInnen gedenken, weiterzumachen. Wollen sie endgültig die Meinungsfreiheit hierzulande abschaffen oder doch wieder mehr zu den Menschen zurückkehren. Wählen sie weiterhin das Erstere, dann sehe ich für die Sozialdemokratie hierzulande sehr düstere Zeiten anbrechen.

Anaxagoras
00
Langsam wirds zum Skandal der BILD. Was die...

.sich leisten, ist ein Hinweis auf eine zu zu große Macht bestimmter Medien. Das solllte für das Schmierenblatt Konsequenzen haben.

Der Steuerzahler1
02

In dieser Minute sind es Wrabetz und der österreichische Kanzler Faimann, gestern waren es Strasser und Grasser und Gorbach, Scheibner, Westentaler und..... die Liste ist mittlerweile schon sehr lang wenn man auch jene hinzufügt in der Politik die zuschauen und gierig selbst am Kuchen mitnaschen wollen. Glaubwürdigkeit und Anstand sind in der österreichischen Politik Fremdwörter geworden.

BernhardLouise
01
Und das verdanken wir:

Wolfgang S. und seiner Dollfuß-Gang.
Und der burgeouisen Journaille, wie die Autorin dieses Beitrages trefflich zeigt.

bula sagt
00
was wrabetz und wulff gemeinsam haben

den initial für:
" ein weh", das in falscher einschätzung der eigenen position und funktion - in hybris - taten setzt, die mit eben diesem amt moralisch und ethisch nicht mehr übereinstimmen.

2pac
 
00
Bitte nicht alle in einen Topf werfen:))

Der Standard ist noch immer die redaktionell anspruchvollste Zeitung im ganzen Land, da bin ich mir sicher.
Dieser Artikel ist es allerdings bei weitem nicht, im Gegenteil grottenschlecht.
Lieber Standard, bitte nie wieder!!!

Nick Namenlos
00

Bitte, Bitte, Bitte! Ich, Ich, Ich weiss was!!!
Ich hab DIE richtige Antwort auf das alles in den letzen Tagen gelernt:

"Was soll die Aufregung! Es wissen alle, dass es immer schon so war."

NA?! Ist das nix! Fertig!

Wer danach noch weiterdenkt wird halt an den Grenzmoralischen-Turbo-Pragmatisten scheitern, die selbstverständlich Veränderungen heraus aus dieser Zustandslage nie in ihrem Zuständigkeitsbereich sehen...

Hlsebastian
13
Ich erinnere nur an die

Schlagseite dieses Blattes, das auf dem linken Auge so dermaßen blind ist, dass der vorliegende Kommentar nur als durchsichtiges Ablenkungsmanöver verstanden werden kann.

"Die Wahrheit wird euch frei machen" - diesem Satz kann ich nur zustimmen. Nur leider ist derStandard von dieser Wahrheit meilenweit entfernt.

Max Merlin
00
Die volle Wahrheit

Die volle Wahrheit, kann die jemand überhaupt ertragen? So sieht sie nämlich aus - https://sites.google.com/site/maus... e-wahrheit

TOMORROW
00
Was geht uns der Wulff an - genau - gar nichts !

Tun's nicht ablenken Frau Föderl...!

Anaxagoras
02
Dass jeder Vergleich hinkt, ist schon klar, aber das ist schon kein Vergleich mehr.

Deutschland mit seiner ausgeprägten politischen Kultur und als tadellosem Rechtsstaat wird von Falll Wulff schon zu Ende bringen. Doch der Fall Wrabnetz ist für Österreich systemimmanent. Und unsere politische Kultur tendiert gegen Null. Wrabnetz ist ein illegales Kind der österreichischen Parteien-Liaison. Der Vergleich läßt mich am Verstand der Autorin zweifeln.

BernhardLouise
61
Was hat der Herr Wrabetz mit dem Deutschen zu tun.

Nix.

Ein seltsam verquerer Versuch, jemandem mit sozialdemokratischer Gesinnung schaden zu wollen.
Alleine die Headline schon geht in Richtung Verleumdung (Irreführung des flüchtigen Lesers).

der schwitzbär der schwitzt sehr
22
Es ist bezeichnend für den Standard

und seine Wandlung vom linksliberalen Qualitätsblatt für intelligente leser zu ... ja, was eigentlich ? ... hier wieder mal zu unterschlagen

- die Zeitleiste um den Kreditvertrag
- daß die Bank immer noch 1/2% dran verdient hat
- daß die Strafantragsdrohung gegenüber der Bild gerechtfertigt war

Wie witzig, sich immer gegen die Krone zu echauffieren, und nun zu dieser Schmutz- und Schlampenzeitung "Bild" zu halten

Wie's eben grad paßt, nicht wahr ?

Chefredakteurin Piranhamund
10

Was hat denn
der Wulff getan
wenn ihn die Transatlantikermedien
so unbedingt loswerden wollen ?

P Dempsey
73
Die Kampagne läuft

Der Standard verfolgt.

Die Vettern- und Freunderl-Wirtschaft der ÖVP und der Grünen ?

Egal.

Diese muss nur mit eine biblischen Selbstgerechtigkeit verfolgt werden, wenn damit die Standard-Führung die Sozialdemokratie attackieren kann.

Der Grund?
1. Faymann hat die Krone bevorzugt, auch mit Inseraten. Damit hat er nachhaltig den Hass des Standards auf sich gezogen.

2. Es gibt keine Bank im SPÖ-Einflussbereich mehr. Seit dem das so ist und der Standard keine Kreditlinien mehr dort hat, hat er sich von der SPÖ abgewendet. Seither gilt: "Wess Brot ich ess, dess Lied ich sing." Und die Banken sind in Österreich fast
durchwegs in ÖVP-Abhängikeit.

Seither haben wir im Standard eine 2 "Die Presse". Wobei das Original glaubwürdiger ist.

P Dempsey
43
Die Kampagne läuft

Der Standard verolgt.

Die Vettern- und Freunderl-Wirtschaft der ÖVP und der Grünen ?

Egal.

Diese muss nur mit eine biblischen Selbstgerechtigkeit verfolgt werden, wenn damit die Standard-Führung die Sozialdemokratie attackieren kann.

Der Grund?
1. Faymann hat die Krone bevorzugt, auch mit Inseraten. Damit hat er nachhaltig den Hass des Standards auf sich gezogen.

2. Es gibt keine Bank im SPÖ-Einflussbereich mehr. Seit dem das so ist und der Standard keine Kreditlinien mehr dort hat, hat er sich von der SPÖ abgewendet. Seither gilt: "Wess Brot ich ess, dess Lied ich sing." Und die Banken sind in Österreich fast
durchwegs in ÖVP-Abhängikeit.

Seither haben wir im Standard eine 2 "Die Presse". Wobei das Original glaubwürdiger ist.

Werner F, der Inserator
11
Wunderbar .....

So kann man wieder einmal alles der boesen oevp in die schuhe schieben.

Fuer dich scheint es ganz normal zu sein, dass 4 stiftungsraete, die alle fuer wrabetz gestimmt haben nun topjobs im orf bekommen.

Was wuerdest du sagen, wenn das nach einer vorstandsbestellung in einem unternehmen passieren wuerde ?

Wrabetz sollte im duden mal das wort corporate governance checken und schleunigst zuruecktreten mitsamt seinen stiftungsraetlichen erfuellungsgehilfen.

Btw: die boese kampagne eird ja von deklarierten oberschwarzen gefuehrt, armin wolf, jelinek, burgstaller, moitzi und auch foederl-schmid zaehlt ja zu eingetragenen partei,itgliedern der oevp

Los
03
Was für ein Unsinn!

Wenn die SPÖ ein Problem hat, dann weil sie in den letzten 15 Jahren zu viele soziale und demokratische Ideale über Bord warf und eine neoliberale Partei wurde, die sozial Benachteiligte kreierte, statt soziale Interessen zu vertreten.
Man sollte in einer Krise eben nicht nur Banken retten, sich selbst und die Lobbys der Privatwirtschaft bedienen, sondern auch Politik fürs Gemeinwohl und für Arbeitnehmer machen. Außer Verschärfungen bei Zumutbarkeitsbestimmungen, Fremdenrecht, Überwachungsstaat und Einsparungen in allen Sozialbereichen ist ihnen nicht viel eingefallen.
Es zeigen sich aber vereinzelt auch zaghafte Besserungsversuche. Das Vertrauen ging aber verloren. Es wäre ratsam mehr in Menschen und weniger in PR zu investieren.

Nutze den Tag
02
Vorsichtshalber die Götterjobs abschaffen.

Interessant wäre eine moderne Verwaltung zu erarbeiten, die möglichst ohne ständig neue Gesetzeslawinen auskommt (Rechtssicherheit) und die Anzahl der Gesetzgeber (die sich selten an das halten was sie beschließen) ordentlich reduziert.
Letztendes reichen etwas adptiert (z.B.: Du sollst nicht begehren Deines Nächsten Frau/Mann) die 10 Gebote.

consul
11

ein taktisches verhältnis zur Wahrheit haben die medien auch. die verkaufen ihre news als ware nicht als wahrheit. die sollen sich nicht aufschreien, wenn plötzlich jemand sich darüber aufregt, dass wiedermal aus einer mücke ein elefanten gemacht wird nur um die auflagen zu steigern. die pressefreiheit kann ja nicht als narrenfreiheit irgendwelcher dumben journalisten verstanden werden, die aus wirtschaftlichen gründen dauernd die wertigkeiten ihrer nachrichten dorthin verschieben wo ihre auflagen sind.

dass unsere politiker lügen ist doch nix neues: die wahrheit (oder einfacher: die faktenlage)will ein heutiger wähler gar nicht wissen.... diese wäre ja auch bar jeder ideologie

120 Jahre Karl Schranz
01
hans leyendecker hat es im morgenmagazin gut ausgedrückt:

"wulff lügt nicht und sagt nicht die wahrheit. (...) der bundespräsident hat ein taktisches verhältnis zu wahrheit."

http://mediathek.daserste.de/sendungen... erhaeltnis

wrdl brnft
100
gastkommentar von prof. hausjell

(leider nur) in news zum thema orf lesen. tut gut.

Grigio
02

Gastkommentar?! Eher Auftragskommentar.

Horst Adami
011
Frechheit

ich finde es nicht in ordnung, niko, dass du hier auch noch postest.
news-herausgeber ist bezeichnenderweise der papi von dir, lieber niko.

wrdl brnft
00
entzückend, wer bitte ist niko?????

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