Bernhard Heinzlmaier

Die Angst der Alten vor den jungen Aufsteigern

Kommentar der anderen | 06. Jänner 2012 19:34
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    Niko Pelinka soll aufsteigen: Die Kritik am Karriereschritt lässt vermuten, dass der Symbol der Bedrohung für viele Alte ist.

Was zu viel ist, ist zu viel: Österreich klagt über Geronto-Politik - und ereifert sich, wenn ein Junger Karriere machen will. Gehässigkeit, Sippenhaftung, Neid und Angst bestimmen die Diskussion - Von Bernhard Heinzlmaier

Österreich ist ein seltsames Land. Einerseits bejammert hier der demokratische "Common Sense", dass sich junge Leute nicht mehr politisch positionieren und engagieren, andererseits versucht man jene Jungen öffentlich hinzurichten, die sich politisch bekennen und die trotzdem in einem öffentlich-rechtlichen Medium eine durchschnittliche Berufsposition einnehmen wollen, und zwar auf eine Art und Weise, die dermaßen persönlich, gehässig, giftig und so weit unter der Gürtellinie ist, dass man schon glauben muss, die Kritiker hätten nicht nur jegliche Form des Anstands, sondern überhaupt den Verstand verloren.

Vorneweg die beiden Staatskünstler Jelinek und Weibel, die die Besetzung eines Büroleiterjobs mit einem 25-jährigen zum Symbol einer Parteien- und Demokratiekrise stilisieren. Nebst dem, dass Jelinek Niko Pelinka, indem sie ihn "zum kleinen Niko" macht, auf ein elternabhängiges Kleinkind reduziert, dem keine eigene Meinung, kein selbstständiges Wollen und kein eigenständiges Handeln zukommen darf, und damit ein reaktionäres Jugendbild offenbart, das junge Menschen als unselbstständig, untüchtig und ohne Berechtigung, selbstbewusst Ansprüche erheben zu dürfen, charakterisiert, zitiert Weibel zur Beschreibung der ORF-Personalpolitik gar die Lenin-Doktrin herbei, die wiederum Jelinek nicht so schockieren dürfte, war sie doch über Jahrzehnte Mitglied einer Partei, in der alle Spitzenpositionen gemäß der Lehre des demokratischen Zentralismus von der Parteispitze ohne Mitspracherechte der heute so viel gehuldigten "Basis" besetzt wurden. Aber das ist mit ihrem Demokratieverständnis wohl leichter unter einen Hut gegangen als die "undemokratische" Besetzung einer Stabstelle in der ORF-Generaldirektion.

Oder wird hier gar die Rede von der Demokratie nur dazu instrumentalisiert, um die eigenen enttäuschten Ansprüche nach öffentlicher Anerkennung und politischem Einfluss zu verschleiern? Sind die beiden vielleicht nur beleidigt, weil sie keiner aus der Politik, vor allem aber aus der Gruppe der jungen Aufsteiger, um Rat und Beistand bittet?

Das Klein- und Niedermachen von Pelinka ist aber noch lange nicht alles aus dem Repertoire des verbalen Psychoterrors. Es passt ins Bild, dass auch noch die "Sippen" von Pelinka und SP-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas thematisiert werden. Genüsslich werden Onkel Anton und Vater Peter bei Pelinka und Onkel Andreas bei Rudas mehr oder weniger subtil ins Spiel gebracht, um neben dem Vorwurf der politischen Klüngelei auch privaten Nepotismus zu insinuieren.

Was bei vielen Kommentatoren und Kommentatorinnen auffällt, ist, dass ihnen, um einen Vergleich aus dem Fußball heranzuziehen, die Technik fehlt, um ein sauberes Spiel zu spielen. Aus diesem Grund gehen sie direkt, bissig und boshaft auf den Mann oder die Frau, ohne sich überhaupt dafür zu interessieren oder wissen zu wollen, wo der Ball gerade läuft, worum es im Spiel überhaupt geht.

Zum ORF. Wer in Österreich weiß nicht, dass in diesem Laden jeder Posten politisch besetzt wird? Wer weiß nicht, dass dort jeder Entscheidung ein penetrantes Geschiebe und Gezerre zwischen den Parteien vorangeht? Der unabhängige Journalismus im ORF ist eine Illusion, die ein paar Wichtigmacher aus dem ORF, die selbst auf Partei-Tickets in dieses Haus eingefahren sind, nun selbstgefällig im Interesse der eigenen Karriere und Eitelkeit öffentlich und anklagend vor sich her tragen.

Trugbild Unabhängigkeit

Wer unabhängig journalistisch tätig sein will, der soll nicht nur, der muss sich vom ORF fernhalten. Denn der ORF ist staatsnah und ein von der Politik abhängiger Ort. Und die Parteien mischen sich mit Recht in den ORF ein, denn in der Politik geht es um Macht und die Medien sind neben dem materiellen Reichtum gegenwärtig der relevanteste Machtfaktor. Jeden Parteigeschäftsführer, der sich nicht in den ORF einmischt, müsste man dementsprechend sofort zumindest politisch entmündigen lassen.

Konsequent weitergedacht bedeutet dies, dass der ORF nur dann entpolitisiert werden kann, wenn man ihn privatisiert. Die Folge wäre dann, dass Menschen mit materiellem Reichtum über Posten, Programm und Politikberichterstattung entscheiden. Vielleicht wird dann neben Dieter Mateschitz auch, Gott schütze uns davor, Frank Stronach einen Sender gründen. Und wie die Vergangenheit gezeigt hat, wird sich der wohl in erster Linie gescheiterte Politiker und Medienmacher einkaufen, und keiner der Retter des freien Journalismus hätte noch ein demokratisches oder moralisches Recht, gegen solche Postenbesetzungen zu wettern, weil es in der Sphäre der "Stronachs" nicht um Demokratie und Moral, sondern um Gewinn und Verlust geht.

Argumente vorgeschützt

Aber vielleicht geht es bei der ganzen Diskussion ja gar nicht um den ORF, den unabhängigen Journalismus und die Demokratie? Vielleicht geht es um etwas, das viel tiefer liegt, möglicherweise sogar im Unbewussten vieler Kritiker und Kritikerinnen. Vielleicht symbolisiert das Wettern gegen die Bestellung eines 25-jährigen jungen Aufsteigers zum Büroleiter des ORF-Generaldirektors, nur die latente Angst einer Gruppe alt gewordener Männer und Frauen, von forschen, selbstbewussten und pragmatischen jungen Karrieristen überrollt und ersetzt zu werden? Vielleicht geht es den Kritikern gar nicht um den demokratischen ORF, sondern um die Beschwichtigung der eigenen Ängste vor dem drohenden beruflichen und politischen Ausgedinge. Die sehr persönliche, teilweise gehässige Form der Kritik eröffnet genügend Raum für eine solche Vermutung.

Und noch einmal zurück zum Ausgangspunkt. In der österreichischen Politik gibt es kaum noch junge Menschen. Das wird zu Recht problematisiert. Politische Initiativen liegen mehr denn je in den Händen, man muss es so sagen, von alten Männern, und es ist nicht immer einfach zu ertragen, ihrer betulichen und paternalistischen Rhetorik zuzuhören. Was ist das für ein gesellschaftspolitisches Symbol, wenn ein Bildungsvolksbegehren von ein paar Pensionisten auf den Weg gebracht wird? Den Inhalten und der Kommunikation hat man es zumindest ein wenig angemerkt. Es kam eher altklug und inhaltlich nicht mehr ganz so richtig taufrisch daher.

Und die Jungpolitiker und Jungpolitikerinnen? Viele haben sich vor den Karren der alten Männer spannen lassen, anstelle eigene Ideen und Initiativen zu präsentieren. Aber kann man es ihnen verdenken? Hätten sie etwas Eigenes gemacht, dann wären sie wahrscheinlich von den Alten mit dem Hinweis, dass sie im Leben zuerst einmal etwas leisten sollten, bevor sie Ansprüche und Forderungen erheben, und dass man sich als Junger in Österreich hinten anzustellen hat, aus der politischen Arena verwiesen worden. (DER STANDARD; Printausgabe, 7./8.1.2012)

BERNHARD HEINZLMAIER ist Mitbegründer des Österreichischen Instituts für Jugendkulturforschung. Er leitet die tfactory-Trendagentur in Hamburg.

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luzifux eh
16.01.2012 21:22
Herr Heinzelmaier

ist ihnen wirklich bewußt, was sie da absondern?
die angst der alten 'vor' den jungen .... ?
könnte es nicht sein, daß die (in ihrer diktion )'gerontos', das bildungsvollksbegehren eher aus angst und sorge 'um' ihre jugend angezettelt haben?
sind ihre studien soweit gediehen, zu wissen, daß einem jungen menschen in der regel fehlt, was man so landläufig 'lebenserfahrung' nennt? und lehrgeld üblicherweise vor der meisterschaft gezahlt wird? der meister zahlt es nicht mehr.
suchen sie sich einen job, der ihrem niveau entspricht. Bitte!

Jan Sommer
15.01.2012 11:00
Die alte Gschicht: man sollte die Leser nicht für dümmer halten

als man selber ist!
js

M.M
 
16.01.2012 20:51
nicht den kopf des nagels,

sondern ihren eigenen kopf duerften sie erwischt haben, als sie zu diesem wilden rundumschlag ausgeholt haben.

steve low
11.01.2012 09:29
Herr Heinzlmeier, Sie haben nichts verstanden!

Besserwisser
11.01.2012 19:29
Den Eindruck hab ich auch.

Mirabeau
10.01.2012 17:02
Hamburg ist knorke.

Bleib dort!

Seriöser Hütchenspieler
10.01.2012 09:51
Ein freundliches TSCHÜSS....

.....nach Hamburg !

Vseckojedno von Jednovsek
10.01.2012 09:47
Thema verfehlt!

wui1309
10.01.2012 13:05
welches Thema, bitteschön?

Da drischt ein Parteifreund des Niko Pelinka einfach auf alles ein, was nicht widerspruchslos diesem miesen Parteiendeal zustimmt.

Objektive Argumente gibt es offenbar für ihn keine - schon gar nicht von Menschen wie mir, die mit keiner der politischen Parteien auch nur das Geringste am Hut haben und die sich von dieser dreisten Besitznahme so gut wie aller öffentlichen Bereiche durch politische Figuren abgestossen fühlen.

Denn: Hern Heinzlmaier stört zwar, dass angeblich junge Aufsteiger nix werden dürfen. Dass aber kein einziger - noch so brillant qualifizierter - nicht-Parteigänger auch nur den Funken einer Chance auf diesen Job hat - damit kann er offensichtlich gut leben.

helm.helm
10.01.2012 09:11
lieber herr heinzelmaier,

wenn es ihr ernst ist, dass

- alle mitarbeiter des orf parteigünstlinge sind
- privatfernsehen viel objektiver ist als der böse "staatsfunk"
- jegliche kritik an herrn pelinka nur purer neid irgendwelcher "silberrücken" ist

... dann ist ihnen fürwahr nicht zu helfen.

wui1309
10.01.2012 08:16
Es ist schon entlarvend,

dass der 'Jugendforscher' mit keinem einzigen Wort die Qualifikation des 'Aufsteigers' Pelinka erwähnt. Weil sie ein Schwachpunkt seiner ganzen Argumentation ist?

Es stört Heinzlmaier auch überhaupt nicht, dass die gesetzliche Grundlage - eine ordnungsgemässe Ausschreibung - nonchalant beiseite geschoben wurde. Jugend darf alles - die Alten sind nur neidig?

Alter ist kein Verdienst. Weder hohes noch niedriges. Das sollte gerade ein Jugendforscher wissen.

srinivasa
10.01.2012 05:51
Vielleicht, vielleicht, vielleicht

ein bisschen dünn und hahnebüchen argumentiert?

dia_lektik
09.01.2012 22:27
wurde der heinzlmaier von pelinka für dieses pro-pelinka-plädoyer bezahlt oder gehört er einfach nur zur "sippe" rund um rudas und co?

also ich bin auch unter 30, aber pelinka, rudas oder kurz seh ich sowas von gar nicht repräsentativ für jung, dynamisch, kreativ.

die haben ja mehr von der "geronto-politik" intus als die alten politiker selbst. im gegensatz zu den alt-politikern vertreten diese "jung-politiker" aber gar nichts (außer sich selbst vielleicht), nicht einmal die "werte" ihrer partei. die demontieren sich selbst und bemerken's nicht mal, sondern sehen jede noch so negative schlagzeile als bestätigung ihres "erfolgs"...

pelinkas rechtfertigung, er wolle ja nur karriere machen, ist ja lächerlich - schon mal was von integrität gehört? da redet er von sozialem verständnis und verschafft sich gleichzeitig jobs durch freunderlwirtschaft, ohne jedwede leistung.

Pro Freistaat Kärnten!
 
09.01.2012 14:27
man ist versucht zu fragen, was den autor des artikels

dazu verleitet, seine reputation mit einem schlag zu nichte zu machen, indem er klar am problem vorbeischreibt und ohne augenzwinkern kritikern der freunderlwirtschaft entgegentritt? mit haarsträubenden und falschen argumenten?

Rudi Refosk
09.01.2012 11:22
Aufwachen, Herr Heinzelmaier!

Das einzig Bemerkenswerte an diesem entbehrlichen Beitrag von Heinzelmaier ist der Umstand, dass er auf den eigentlichen Skandal nicht einmal eingeht oder diesen gar nicht als solchen erkennen will: Nämlich die Ankündigung Pelinkas als neuer Büroleiter durch den ORF weit vor Ablauf der Bewerbungsfrist. Für Heinzelmaier scheint diese Vorgangsweise so typisch österreichisch und so normal zu sein, dass keiner mehr das Recht hat, sich darüber aufzuregen.

Captain Oglu
09.01.2012 08:56
Wer ist B. Heinzlmaier, was treibt ihn an?

Die Pelinka-Causa ist deswegen so informativ, weil sie unbedachte Opinion Leader zu Selbstdemontagen verleitet ( zuletzt geschehen beim NEWS CR Walter Pohl). Oder liegt es daran, dass jetzt (Rück)Zahltag ist?

Und jetzt Heinzlmaier:
www.kurto.at/?p=167

janwillem
10.01.2012 12:55

danke für den Link.

srinivasa
10.01.2012 05:49

guter Link!

Besserwisser
11.01.2012 19:55
Ausgezeichneter link!

JazzPianist
09.01.2012 14:14

danke für den link - sehr gut !

BK W. Shoyssel
08.01.2012 22:55
http://tinyurl.com/8a85rux

jeder weitere Kommentar ist sozusagen überflüssig :)

Besserwisser
11.01.2012 19:59
Auch ein ausgezeichneter link!

Man sieht schon: auch die "Jugendforscher" sind nicht parteiunabhängig.

i weiß, dass i nix weiß
08.01.2012 20:28
Karriere ohne Lehre

Wahrlich ein lächerlicher Artikel eines "unabhängigen"??? Journalisten.
Wieviele 25jährige, lediglich mit Matura bestückt, ohne Studium und einflussreiche Verwandte können eine derartige Karriere vorweisen. Ich kenne sie nicht! Aber vielleicht gibt es hier Menschen, die mich eines besseren belehren?!

Poldi Schrumpl
08.01.2012 20:14
lustig.

ist das der gleiche heinzlmaier der über den övp-schnösel kurz abgelästert hat? sorry, aber gegen pelinka ist der kurz ja ein waserl.

welche verbindung zur spö hat der typ schon wieder?

Heinz Anderle
 
08.01.2012 17:29
Da verwechselt jemand Aufsteiger...

... mit Emporkömmling.

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

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