Schlanker, agiler, flexibler: Präsident Obama hat den Streitkräften striktes Sparen verordnet - Dem Rivalen China will man Paroli bieten
Die Aufgaben der Zukunft orten US-Strategen vor allem in Asien und im Pazifikraum.
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Es kommt nicht oft vor, dass sich ein US-Präsident in den bunkerähnlichen Presseraum des Pentagons begibt, um eine neue Militärstrategie vorzustellen. Barack Obama war am späten Donnerstagabend nach langer Pause der erste, ein Commander in Chief, der einen schwierigen Drahtseilakt zu meistern versuchte.
Einerseits müssen die Streitkräfte das Sparen lernen. Allein die prekäre Kassenlage diktiert Kürzungen, verbunden mit neuen strategischen Ansätzen. Andererseits will sich der Staatschef gerade in einem Wahljahr nicht nachsagen lassen, er setze Amerikas Vormachtstellung aufs Spiel.
"Ja, unser Militär wird schlanker werden" , sagte er. "Aber die Welt muss auch wissen: Die Vereinigten Staaten werden ihre militärische Überlegenheit wahren, mit Streitkräften, die agil und flexibel sind." Die nationalen Verteidigungsausgaben, betonte Obama, seien noch immer größer als jene der nachfolgenden zehn Länder zusammengenommen.
Nach Plänen von Verteidigungsminister Leon Panetta soll die Armeestärke von 570.000 auf 490.000 Soldaten sinken. Noch ist kein genauer Fahrplan bekannt, doch glaubt man Berichten, soll die Reduzierung bis 2020 vollzogen sein. Begleitet wird der Truppenabbau von einer veränderten Militärdoktrin. Demnach werden die USA in Zukunft nicht mehr in der Lage sein, über Jahre hinweg zwei Kriege zugleich zu führen - wie in Afghanistan und Irak.
Das neue Konzept läuft darauf hinaus, nur noch einen größeren Konflikt siegreich zu Ende zu bringen. Darüber hinaus soll es lediglich möglich sein, die Absichten eines zweiten Rivalen in einer anderen Weltgegend empfindlich zu stören. Dass die US-Strategen dabei in erster Linie an China denken, ist längst kein Geheimnis mehr. Auf der weltpolitischen Agenda des Weißen Hauses rangieren Asien und der Pazifik an erster Stelle. Folgt man dem, was hier und da durchsickert, konzentriert sich das Pentagon bei seinen Sandkastenspielen vor allem auf eventuelle Luft- und Seeschlachten im pazifischen Raum.
Um China Paroli zu bieten, verzichten die USA darauf, die Zahl ihrer Flugzeugträger von elf auf zehn zu verringern, wie es einmal angedacht worden war. Obama, schreibt die New York Times, soll diesen Plan abgelehnt haben, weil er dem wachsenden Einfluss Pekings eigene Stärke entgegensetzen wolle. Dafür soll das in Europa verbliebene US-Kontingent weiter ausgedünnt werden, zur Debatte steht offenbar ein Abzug von rund 4000 GIs.
Sicher ist dagegen, dass sich am Sparzwang auf absehbare Zeit nichts ändern wird. In den nächsten zehn Jahren muss das Pentagon im Vergleich zu den Hochrechnungen der Ära Bush mit 470 Milliarden Dollar weniger auskommen. Weitere 500 Milliarden an Einsparungen könnten folgen. (Frank Herrmann aus Washington/DER STANDARD, Printausgabe, 7.1.2012)