Die Hohen Tauern vor übertriebenen Begehrlichkeiten von Touristikern und
E-Wirtschaft zu schützen ist ein Anliegen, das die Errichtung eines
Nationalparks gerechtfertigt hat, der von allen Österreichern mitfinanziert
wird, ob sie die Naturschönheiten nun selber besuchen oder nicht. Die ORF-Gebühr
muss zahlen, wer auch nur theoretisch in der Lage ist, Radio oder Fernsehen zu
empfangen - egal wie mies das Programm oder die Personalpolitik im ORF sein mag.
Und die regionalpolitisch wichtige natur- und landschaftsgerechte
Agrarproduktion ist sogar so wichtig, dass die EU kräftig mitfinanziert.
Es ist dieser umfassende Ansatz, aus dem heraus der oberösterreichische
Bauernbündler Max Hiegelsberger die Idee entwickelt hat, dass jene, die der
Kirche den Rücken gekehrt haben (oder auch ihr nie angehört haben), einen
Kulturbeitrag leisten sollen, um jene kirchlichen Leistungen zu finanzieren, die
jenseits der seelsorglichen Tätigkeit liegen. Schließlich profitiert ganz
Österreich davon, dass es Dome und Kirchen, Klöster und die Caritas gibt. Und es
profitiert in ähnlicher Weise von den weltlichen Werken anderer anerkannter
Religionsgemeinschaften, die aus dem Kulturbeitrag ebenfalls gespeist werden
könnten.
Ein praktikables - und erfolgreiches - Modell dafür gibt es längst, wenn auch
noch nicht flächendeckend: Schüler, die sich vom Religionsunterricht abmelden,
haben als alternativen Pflichtgegenstand Ethikunterricht. (DER STANDARD, Printausgabe, 7./8.1.2012)