Der türkische Außenminister Davutoglu hat einen schwierigen Balanceakt hingelegt: In Teheran mahnte er die Iraner, keine religiösen Konflikte zu schüren
Doch auch die Türkei hat regionale Ambitionen.
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Sie hat es schon öfter versucht und wird nicht müde, ihre Dienste anzubieten. In den nun rasch wachsenden neuen Spannungen zwischen dem Westen und dem Iran will die türkische Regierung ein weiteres Mal eine vermittelnde Rolle spielen. Damit sollen die Folgen des sich abzeichnenden Öl-Embargos von EU, USA und Verbündeten in Asien gemindert und ein drohender militärischer Konflikt in der Straße von Hormus abgewendet werden.
Außenminister Ahmet Davutoglu hat deshalb am Donnerstag einen schwierigen Besuch in Teheran absolviert. Ein Ergebnis ist das Angebot der Türkei für neue Verhandlungen in Istanbul über das Atomprogramm des Iran. Doch gleichzeitig hat die Türkei selbst eine Reihe von Problemen mit dem Nachbarland Iran. "Es gibt einige Kreise, die einen Kalten Krieg zwischen Sunniten und Schiiten beginnen wollen. Die Auswirkungen wären auf Jahrzehnte zu spüren" , sagte Davutoglu auf dem Flug nach Teheran. Damit spielte der Außenminister auf den Einfluss des schiitischen Iran auf den Fortgang der Ereignisse im Irak, in Syrien und im Libanon an.
Davutoglus Beschreibung ließ aber Raum genug für andere Auslegungen:etwa für die Idee eines sunnitisch inspirierten saudisch-amerikanischen Plans für einen "cordon sanitaire" , einen "Schutzgürtel" rund um den Iran.
Die wahre Absicht hinter Davutoglus Worten wird seinen Gesprächspartnern in Teheran aber nicht entgangen sein. Die Regionalmächte Türkei und Iran leben in stiller Rivalität miteinander, durchaus verbunden im Streben nach Unabhängigkeit von den Großmächten und einer unterschiedlich stark ausgeprägten Abneigung gegen die israelische Regierung, aber mit zunehmenden Zweifeln an den Plänen des anderen.
Davutoglu hat dies alles bei einem gemeinsamen Auftritt mit dem iranischen Außenminister Ali Akbar Salehi in Teheran schlicht in Abrede gestellt. Es war sein Weg, um die Iraner an Bord zu halten. Gleichzeitig schätzt auch die iranische Führung ihre Verbindungen zum Nato-Staat Türkei als einen der letzten verbliebenen Kanäle in den Westen.
"Wir haben Vertrauen in den Iran, und der Iran vertraut uns" , sagte Davutoglu etwa im Zusammenhang mit der Radaranlage für den Nato-Raketenschild, der im östlichen Taurusgebirge der Türkei aufgebaut wird. Ihre vorrangige Aufgabe ist jedoch die Abwehr künftiger iranischer Mittel- und Langstreckenraketen. Ankara hatte auch keinen substanziellen Kommentar zum jüngsten Bericht der Atombehörde IAEO zum iranischen Atomprogramm abgegeben, wiewohl türkische Diplomaten im Privaten sehr wohl an der friedlichen Natur der Urananreicherung im Iran zweifeln.
Von dem faktischen Öl-Embargo der USA will die Türkei, die ein Drittel ihres Bedarfs aus dem Iran deckt, ausgenommen werden. Während der Handel mit Teheran weitergehen wird, stellt der Arabische Frühling die Türkei und den Iran gegeneinander: Die konservativ-muslimische türkische Regierung empfiehlt die säkulare demokratische Verfassung als Modell. Das ist die eigentliche Gefahr für den theokratisch regierten Iran. (Markus Bernath aus Istanbul/DER STANDARD, Printausgabe, 7.1.2011)