Monster-Selbsthilfegruppe

6. Jänner 2012, 18:27
17 Postings

Die Warmduscher-Monster wollen wie Menschen sein und keinesfalls irgendjemandem wehtun

Eines der Hauptziele der TV-Serien-Produktion der vergangenen 15 Jahre scheint es zu sein, die Spezies klassischer Gruselstoffe zu domestizieren. Vampire, Dämonen und alles andere, was in unter- und überirdischen Welten kreucht und fleucht, bekommen eine menschliche Psyche verpasst, um fortan das Publikum mit hehren Zielen, schlechtem Gewissen und allerlei romantischen Verwirrungen zu langweilen.

Spitze der Evolution dieser Bewegung scheint die Serie "Being Human" zu sein, die Donnerstagabend auf ATV startete. Darin wollen die Twenty-Somethings Aidan, Josh und Sally nicht, wie es der Natur eines Vampirs, Werwolfs und Geistes entspricht, unschuldige Menschen beißen, fressen oder erschrecken, nein, die Warmduscher-Monster wollen wie Menschen sein und keinesfalls irgendjemandem wehtun, geschweige denn killen. Immerhin gelingt das dem Vampir nicht immer, auf die Todesbisse folgen dann Gewissensbisse. Um der schweren Bürde solch monströser Individualität zu begegnen, finden sich die drei in einer WG zusammen, einer Art Selbsthilfegruppe zum Normalsein.

Die auf ATV gezeigte Serie ist das zum Einheitsbrei vergorene, amerikanische Remake eines britischen Originals mit selben Namen. Being Human auf britisch bedeutet, dass bei ähnlicher Handlung der Vampir lässiger, der Super-Softie als "big bad wolf" lustiger, und das gefühlsduselige Gesülze nicht das Hauptthema ist. Die Charaktere sind plastischer, lebendiger, cooler. Überhaupt sollte es in unseren Breiten mehr britische Serien zu sehen geben. (Alois Pumhösel/DER STANDARD; Printausgabe, 7./8.1.2012)

  • Artikelbild
    foto: atv
Share if you care.