Aufstand der Länder gegen VP-Sparideen bei Förderungen

6. Jänner 2012, 18:13

Pühringer und Dörfler strikt dagegen - Niessl sieht "Anschlag auf Föderalismus"

Wien - Die Pläne von ÖVP-Chef und Vizekanzler Michael Spindelegger, das Förderwesen mit den Bundesländern neu zu regeln, stoßen dort auf erbitterten Widerstand. Kärntens Landeshauptmann Gerhard Dörfler warnt vor einer „Entmündigung der Länder", er sieht den Föderalismus infrage gestellt. „Das findet bei uns sicher keine Zustimmung", sagt Dörfler im Standard-Gespräch. Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer kann der vorgeschlagenen Aufgabenaufteilung ebenfalls nichts abgewinnen, Burgenlands Landeshauptmann Hans Niessl spricht von einem „Anschlag auf den Föderalismus".

Vorarlberg will beim Sparpaket jede Verschiebung zulasten der Länder verhindern, auch Salzburgs SP-Landeshauptfrau Gabi Burgstaller ist skeptisch.
Spindelegger hatte vorgeschlagen, dass die Länder nur noch kleine Projekte bis zu 100.000 Euro selbst fördern dürfen, bei Summen darüber wäre der Bund zuständig. Eine Einsparung von 15 Prozent sei damit möglich. Österreich gilt im EU-Vergleich als Subventions-Spitzenreiter.

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Eine Neuordnung der Subventionen, wie das ÖVP-Chef und Vizekanzler Michael Spindelegger vorgeschlagen hat, kommt bei den Bundesländern nicht gut an. Sie fürchten um Einfluss und Selbstbestimmung.

Wien - Die Landeschefs, egal ob rot, schwarz oder blau, stehen den Reformplänen der ÖVP zu einer Neuordnung der Subventionen äußerst skeptisch gegenüber. Vizekanzler Michael Spindelegger möchte die Förderungen nach dem Vorbild der Tourismusförderung umstellen, die Länder sollen nur noch kleine Projekte bis zu 100.000 Euro selbst fördern dürfen, darüber wären sie allenfalls noch zur Kofinanzierung der Bundessubvention zuständig.

Oberösterreichs VP-Landeshauptmann Josef Pühringer lehnt eine derartige Aufgabenteilung ab, ebenso Burgenlands SP-Landeschef Hans Niessl. Vorarlberg will beim Sparpaket jede Verschiebung auf Kosten der Länder verhindern. Dessen neuer Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) sagt, es dürfe beim Sparpaket „keine Verschiebung zulasten der Länder" geben: „Hier werden wir sehr wachsam sein." Kärntens Landeshauptmann Gerhard Dörfler (FPK) sieht von Spindelegger den Föderalismus infrage gestellt. Eine Bescheidung der Eigenverantwortung der Länder lehnt Dörfler ab, wie er im Standard-Gespräch betont. Dürften Länder bei Subventionen über 100.000 Euro nicht mehr selbst entscheiden, würden sie entmündigt, sagt Dörfler. „Das wird niemals unsere Zustimmung finden."

Österreich gilt im EU-Vergleich als Subventionsspitzenreiter (siehe Wissen). Die ÖVP zählte zuletzt 44.000 unterschiedliche „Förderansätze" und vermutet auch Mehrfachförderungen von Bund, Ländern und Gemeinden. Spindelegger schlägt eine Entflechtung nach Vorbild der Tourismusförderung vor. Dort gilt seit Februar 2011, dass die Länder nur mehr kleine Investitionsprojekte mit förderbaren Kosten von bis zu 100.000 Euro allein unterstützen. Darüber ist allein der Bund zuständig, erst ab drei Millionen Euro Projektkosten sind die Länder im Rahmen einer Kofinanzierung wieder mit an Bord.

Für Pühringer ist „klar, dass der Förderbereich von der Schuldenbremse nicht unbehelligt bleiben wird", der vorgeschlagenen Aufgabenteilung kann er aber nichts abgewinnen: Eine Neuregelung sollte sich nicht an der Förderhöhe, sondern am Fördergegenstand orientieren. Als Beispiel nannte Pühringer die Pflichtschulen, die Ländersache sind.

Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) verwies darauf, dass die von Spindelegger vorgeschlagene Aufgabentrennung Auswirkungen bis hin zum Finanzausgleich hätte, weil damit viele Geldflüsse verschoben werden müssten. Klar abgelehnt wird der Vorstoß von Burgenlands Landeshauptmann Niessl: Dieses Ansinnen widerspreche einer zukunftsorientierten europäischen Regionalpolitik, das wäre „ein Anschlag auf den Föderalismus".

Insgesamt sind es vier Bereiche, in denen die ÖVP bei der Budgetkonsolidierung ansetzen will:

  • Förderungen Spindelegger hält eine Kürzung um 15 Prozent für möglich, auch der Agrarbereich sei davon betroffen.
  • Verwaltung Spindelegger stellte klar, dass sein Vorschlag eines Aufnahmestopps im öffentlichen Dienst aufrecht sei. Man werde sich von Ressort zu Ressort ansehen, wie man hier auf Personal verzichten könne.
  • ÖBB Die ÖVP plädiert für eine Redimensionierung der Infrastrukturprojekte im Bereich der Bahn. Welche Bauvorhaben er konkret meint, wollte Spindelegger nicht sagen. Bei Nebengebühren und Zulagen fordert er Kürzungen.
  • Pensionen Bis 2020 soll das Antrittsalter um vier Jahre erhöht werden. Ausgebaut werden soll das Bonus-Malus-System mit Ab- und Zuschlägen. Ferner kann sich die ÖVP eine frühere Angleichung des Frauenpensionsalters an jenes der Männer vorstellen. Zusätzlich sprach sich Spindelegger für einen höheren Sicherungsbetrag für Personen mit Sonderpensionsrechten aus. Das Einsparungspotenzial bei den Pensionen wird von der ÖVP mit 2,6 Milliarden Euro beziffert.

Insgesamt sehen die ÖVP-Sparpläne, die am Donnerstag bei einer Klausur erarbeitet wurden, bis 2016 Einsparungen von 14,5 Milliarden Euro vor. Steuerliche Maßnahmen kommen im Verhandlungspapier der ÖVP nicht vor. Spindelegger zeigte sich überzeugt, dass man das Sparvolumen auch so erreichen könne. (völ, APA/DER STANDARD, Printausgabe, 7./8.1.2012)

Wissen

Österreich ist bei Förderungen Europameister. Im Jahr 2010 flossen laut EU-Statistikamt Eurostat 6,5 Prozent der Wirtschaftsleistung (etwa 18 Milliarden Euro) in Subventionen, doppelt so viel wie im EU-Schnitt.

Zu den Subventionen zählen auch die Zuschüsse der Länder zu den großteils ausgegliederten Krankenhäusern, Zahlungen des Bundes an die ÖBB sowie Förderungen für Bauern und Unternehmen. Eingerechnet werden auch "Vermögenstransfers" wie etwa Investitionszuschüsse, schlagend gewordene Haftungen, aber auch Kunstrestitutionen.

Eine aufeinander abgestimmte Subventionsstrategie von Bund, Ländern und Gemeinden fehlt.

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Gaja Gamini
11
Sie werden's nie begreifen, die Politmeier, wie das Video zeigt. Die ÖVP als Pseudowirtschaftspartei am allerwenigsten!

Was die nämlich nur versteht, ist Betrug am Bürger zugunsten der Industrie und der Banken, was zum Untergang führen muss und auch wird. Der Verrat Schüssels, damit er seinen Posten kriegt, an der österr. Demokratie war erst der Anfang vom Ende.

http://www.youtube.com/watch?v=w-Kqp4Bm3qQ

stopmakingsense
02
10.1.2012, 22:11

Der Föderalismus hat (bei 8 Mio Einwohnern) nur einen Sinn: Jobs für die politische Kaste, für Bonzen und deren Kinder (= zukünftige Bonzen, Pelinkas aller Parteien).

Böotier
10
10.1.2012, 20:28

Dörfler sieht Entmündigung der Länder!? Da fällt mir ein: Ist für Dörfler nach dem freisprechenden Urteil in der Ortstafelcausa jetzt eigentlich schon ein Sachwalter bestellt?

Die Stimme des Marktes
11
Anschlag auf den Föderalismus?

ENDLICH!!!!
...kann man da nur sagen!

system1
01
Bonus-Malus-System mit Ab- und Zuschlägen bei pensionen:

wird so sein: 1 jahr früher minus 50%
1 jahr später plus 0,0001 promille zuschlag. das aber erst ab einem alter von 78 jahren. und nur für beamte mit ärmelschonern.

Gaja Gamini
01

Da haben Sie zum Glück um drei Jahre übertrieben: 75 sind im Gespräch.

Die Stimme des Marktes
10
-50% p.a....

...wär ok.

Sofia Expat
02
Anschlag auf Föderalismus

Liebe Landeshauptläute

JAAAAA das ist ein Anschlag auf den Föderalismus und hoffentlich NICHT der Letzte!!!

Wir sollten einen Volksabstimmung machen, Föderalismus aufrechterhalten - kostet X, Föderalismus auf ein Minimum reduzieren - kostet Y. Das Geld für X-Y muss via Steuern aufgebracht werden. JA oder NEIN.

Majestix
 
10
Abschaffung der Landesregierungen - jetzt!

multivitamin saft
 
03

wenn die länder keine förderungen mehr vergeben können, können sie auch niemanden mehr bestechen und in abhängigkeit zwingen. eigentlich positiv.

madman
02
sichert die pfründe!!!!

schallt es hell von allens seiten.
und da sind sich die politiker sogar farbübergreifend einig. soviel eintracht...

hannsib
 
01
Höchst bedenklich!!

Seit Jahren ist einem Großteil der ö. Bevölkerung bewusst, dass dieser Föderalismus Unmengen von Geld kostet. Obwohl wir uns der Tatsache bewusst sind, dass über die "Bundesländer" extrem viel Geld verbrannt wird, GESCHIEHT NICHTS!!!!!!!!

Warum?!?!?!

johannes mayer1
10
Weg mit dem Föderalismus Schei.. dreck!!

Das geht mir sowas auf die Nerven!

maus 14
10

9 föderalismen für ca.8,5mio ew.

vorteil fürs volk , keiner

nachteil fürs volk , sehr teuer

Mac McMack
10
der föderalismus

gehört besser heute als morgen abgeschafft.

Kremser
11
Lieber Herr Niessl,

der Föderalismus ist halt zum unbezahlbaren Luxus geworden!
Als Mensch mit eher spartanischer Lebensführung habe ich kein Verständnis für derartigen Luxus, noch dazu wo die Kosten dafür dem arbeitenden Menschen abgepresst werden!

freimann1
01
Der Armleuchter Niessl sieht einen "Anschlag auf den Föderalismus".

Dass ganz Österreich seinen Windkraftwahnsinn und die BEWAG subventionieren dürfen ist ihm aber schon recht.

Jo H
13
BUNDESLÄNDER ABSCHAFFEN!!!

Herzerzog Johann
04
Es ist verdammt hart ...

... wenn man nicht mehr das Geld anderer Leute gönnerhaft verteilen kann.

Kremser
10

da sind manche ganz plötzlich arbeitslos! wahrlich ein schweres schicksal!

Phaidros der Dritte
11
Schuldenbremse nach Florianiprinzip

Das Gewäsch der Politik (egal ob VP od. SP od. FP) in Punkto Schuldenbremse ist solange Makulatur, solange nicht ernsthaft daran gegangen wird ausgabeseitig Missstände abzuschaffen. Nachdem dies Machtverlust der Landesfürsten bedeutet, kommt es natürlich zu Widerständen.

Der derzeitige Föderalismus ist sowohl demokratiefeindlich wie auch kostenspieliges Machtdenken von einzelnen, die glauben für die "Eigenen" etwas austeilen zu müssen, was sich eigentlich nicht haben (bzw. selber erwirtschaftet haben).

Also bevor nicht konkrete Verwaltungsreformen am Tisch sind, ist jegliches Gewäsch zum Thema "Schuldenbremse" sinnlos.

Rudolpho der I
05
Einers muss unbedingt passieren.

Der selbst ernannte Kaiser von Niederösterreich muss
erst einmal weg,aber anscheinend gibt es in Nieder-
österreich nur Bauern und der Rest ist bei den
Strassenmeistereien und die sind einfach zu lenken.

Rudolpho der I
10
Es wäre schon etwas.

annea
10

Sparen schon, aber net bei mir. So wird das aber nicht funktionieren, liebe Landeshäuptlinge! "Föderalismus" verkommt durch Äußerungen wie jenen oben zum Schimpfwort.

GE
11

Für was brauchen wir Bundesländer, welchen dummen Vorteil hat es OÖer zu sein, KEINEN!

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