Eingeschneit am Arlberg

Entschleunigt im Schnee

Reportage | 8. Jänner 2012, 11:16
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    foto: der standard/rottenberg

    Schneemassen am Arlberg: Die Urlauber sind eingeschneit.

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    "Ist das Unserer?" fragt die Urlauberin aus München ihren Mann.

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    Gesucht, gefunden.

Ein Meter Neuschnee über Nacht, Sturm auf den Berggipfeln und Lawinenwarnstufe 4: Am Arlberg sitzen Urlauber fest - Doch auch wenn einige nervös sind: Die meisten tragen das Eingeschneitsein mit Fassung und Humor

Stuben - "Peter, das ist unserer!" - "Bist du sicher?" - "Nein, aber immerhin ist er blau!" Aber um doch sicher zu gehen, stochert die Dame im Skianzug dann noch ein bisserl weiter in den Schneehaufen vor ihr - bis sie auch Teile einer Nummerntafel freigelegt hat: "Es IST unserer!" Peter, ihr Mann, lässt daraufhin die Schneehaufen, an denen er ebenso wie seine Frau Irene gestochert hat, Schneehaufen sein und eilt zur Hilfe: Das Münchner Ehepaar B. trat Freitagmorgen gegen die Naturgewalten an - und versuchte, jenen einen Meter Neuschnee, der über Nacht auf ihr Auto auf dem Parkplatz der kleinen Arlberggemeinde Stuben gefallen war, weg zu schaufeln.

Eine Sisyphusarbeit. Doch "wir wollen abreisen", betont Irene, "denn an Skifahren ist hier nicht zu denken." Während in Ostösterreich fast Frühling war, versank der Arlberg im Wortsinn im Schnee. "Hoffentlich kommt der Besitzer des Nachbarautos jetzt nicht" seufzte Peter B, als er auf den von ihm noch tiefer eingegrabenen Wagen neben seinem sah - und freute sich auf das Frühstuck. "Obwohl: Danach ist der Wagen ja wieder eingeschneit." Doch wirklich frustriert war der deutsche Gast erst, als ein Einheimischer, der seinen Labrador Gassi führte, kurz stehen blieb: "Jetzt hast dein Auto ausgeschaufelt - aber wie glaubst, dass du aus der Parklücke rauskommst?"

Plötzliche Sperre

Doch sogar dann, wenn der Parkplatz am Ortsende befahrbar gewesen wäre: Die B.s wären nicht weit gekommen: Schon Donnerstagabend war die Straße über den Arlberg geschlossen worden. In beide Richtungen: Der Pass - also die Strecke nach Lech oder Richtung Tirol nach St. Christoph und St. Anton - ebenso, wie die Straße ins Tal, nach Langen: Der kleine Ort am Arlberg war - wie etliche andere Bergdörfer der Region - von der Außenwelt abgeschnitten.
Angesichts der Wettervorhersagen war das nicht weiter überraschend oder unerwartet - dennoch kam die Sperre ein wenig plötzlich: Als Eva-Maria Walch, die Patronin des Hotels Mondschein, Donnerstagabend durch ihren Gasthof lief und an allen Tischen fragte, "ob heute noch jemand weg muss, sie machen die Straße gleich dicht", hatte sie die Info von einem Gast bekommen. Den hatte ein Bekannter angerufen.

Dennoch, betont Walch, sei eine schneebedingte Sperre am Arlberg im Winter nicht weiter ungewöhnlich: "Als ich ein Kind war, dauerte das oft fünf oder sechs Tage." Seit den 80er-Jahren, als eine Lawine einmal den ganzen Parkplatz vor dem Ort leer geräumt hatte, habe man zwar mit einem Tunnel bergab (Richtung Langen) und noch weiter verbesserten Lawinenverbauungen viel erreicht, aber "im Winter ist das eben so."

Perplexe Touristen

Freilich - auch wenn das kein Hotelier je so sagen würde: Skitouristen, vor allem aus Deutschland und den Beneluxländern, sind reichlich perplex, wenn der Winter dann ein bisserl intensier ausfällt, als im Fremdenverkehrskatalog: "Wir wollen aber Skifahren", raunzt ein Familienvater an der Mondschein-Rezeption - und ist nur mit Geduld und ein wenig Mühe davon zu überzeugen, dass ihm Liftbetreiber und Hoteliers nicht aus Faulheit oder Böswilligkeit einen Streich spielen, wenn bei Lawinenwarnstufe 4 alle Lifte gesperrt sind: Die Entscheidung darüber trifft die lokale Lawinenkommission - und in der sitzen Experten, die zuerst an die Sicherheit und erst dann an den Umsatz denken. "Es hat schon einen Grund, dass ich da nicht drin bin - das wäre ein Interessenskonflikt" erklärt etwa Rudi Waldner, der Chef der Stubener Bergbahnen.

Manchen Gästen ist das aber nicht klar zu machen: Während schweres Räumgerät die einzige Straße Stubens zumindest begehbar machen soll, fragt ein Niederländer, ob "denn zumindest in St. Anton Lifte laufen". Schließlich könne man ja mit dem Zug durch den Berg von Langen nach St. Anton fahren. Dass die Straße nach Langen gesperrt ist, wischt der Mann beiseite: "Dann fahren wir eben mit den Skiern zum Bahnhof." Walch legt den Kopf schief: "Wenn sie lebensmüde sind, ist das eine Option." Der Mann stutzt.

Kein fehlender Räumwille

Hotelchef Markus Kegele erklärt ihm, dass es nicht am fehlendem Räumwillen oder -gerät läge, sondern daran, dass die Straße nach Langen im Auslauf einer potentiellen Lawine liegt: Der Graben, in dem sich der Schnee der Arlenmähder-Lawine normalerweise fange, sei zugeschneit - und bei der Galerie habe man in den 80er-Jahren jene paar letzten Meter eingespart, die dann alle paar Jahre doch einmal sinnvoll wären.
"Zwei bis drei Tage", weiß Walch, "nehmen die Gäste das mit Humor, dann werden sie nervös." Aber so lange, ist sie sicher, wird die Sperre nicht dauern - Richtung Klösterle könnte die Straße am Abend "für eine Stunde zum Abreisen" geöffnet werden.

Die meisten Gäste nehmen die Situation auch locker. In der Dorfstraße werden Erinnerungsfotos geschossen. Hunde und Kinder haben ihren Spaß - und die Ruhe, die nur vom gelegentlich vorbeifahrenden Radlader beim Schneeschippen gestört wird, ist nachgerade malerisch: "Wir sollten heute heim fahren - aber da niemand anreisen kann, ist unser Zimmer gesichert", lacht eine Touristin im "Dorfladen", dem einzigen Geschäft des Ortes. Und auch Peter B., der Auto-Freischaufler aus München, erkennt, dass es gerade in einem so kleinen, von Nightlife- und Dulliöh-Beschallung verschonten Ort, seine Vorteile haben kann, eingeschneit zu sein: "Alle reden ständig von Entschleunigung - aber wann hat man schon die Chance, die einmal wirklich zu genießen?" (Thomas Rottenberg, DER STANDARD, Printausgabe,  7/8.1.2012)

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schneefreundin
 
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Würde jeden einladen sich einmal an paar Stunden oder Tage hier einzusperren der dies noch romantisch findet. Spätestens bei der zweiten Sperre innerhalb weniger Stunden hört sich die Romantik auf.
Also noch schnell ab in die Täler - ein paar Stunden Abgeschiedenheit rufen.

Pogled
01

Lasse mich gerne einladen.

Lectrice
06

Wir waren früher des öfteren ein paar Tage eingeschneit. Man war darauf eingestellt und es war normal. Wenn das jemand, der in die Alpen auf Schiurlaub fährt nicht in Kauf nehmen will soll er nach Dubai fliegen und dort in die Schihallenpiste gehen.

blip blup
01
Zwei Tage eingeschneit

Welche Katastrophe. Gut, mich hat es auch schon mal in Lech erwischt. Auf heutige Verhältnisse umgerechnet habe ich damals mit meiner Frau rund 50 Euro für die Übernachtung auf einer Matratze im Bügelraum bezahlt - allerdings mit Frühstück.
Wenn man aber merhere Tage abgesperrt ist, wird das nicht mehr lustig. Eigene Erfahrung im Februar 1999 in Galtür. Ich hätte liebend gern auf den Hubchrauberflug verzichtet. Spätestens nach vier Tagen kam nur noch Frust auf. Am 23.2. outete sich dann noch ein ehemals staatenloser Österreicher (Anwalt einer Witschaftskammer) am Tisch als Altnazi. Man muss das Leben halt so nehmen, wie es kommt - nicht nur das Leben, sondern auch seine Mitmenschen.

es lebe die revolution23
00

heute sonnig in der südsteiermark, kein niederschlag alles ist grün, bäume treiben aus. bin heute mit leiberl draussen herum so warm

dertschick
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rum, frauen und ein verschneiter ort. was will mann mehr?

Max Carlo
00

Gut, dass es mal ordentlich schneit.

Jürgen Schmücking
 
02
gibt es keine Lektoren mehr beim Standard?

msch
05
netter Artikel :)

So ein richtiger Samstagsartikel. Nur sehr übersät mit Fehlern. Aber wurscht

muppetbasher
02
Gnade! Gnade!

Die Rechtschreibfehler passieren dem Rotti, weil es im Schnee halt kein Kerrekturprogramm gibt!

Ausserdem werden sich sehr bald die Klimaapokalyptiker melden:
Am Arlberg soviel Schnee!
In der Steiermarkt kein Schnee!

Faeryl
00

der 6te war aber ein freitag :P

Der Österreicher
01

Interessant das Herr Thomas Rottenberg Skiurlaub macht. Hätte Ihn eher als Bücherwurm eingeschätzt. Oder ist er ein Einheimischer?

dorfkramer
03

Super, dann erleben diese Langweilertypen endlich mal ein Abenteuer.

Wenn das nix ist.

meinrad
02

haben diese menschen alle keine hubschrauber?

suboptimal
 
05
macht nix.

Dort hat jedes Haus ein paar hundert kilo Kartoffeln und ein paar hundert Liter Wein im Keller. Die müssen auch mal verputzt werden. Im schlimmsten Fall schmeißt der Hubi ein paar Säcke Mehl vom Himmel.

Jakob der Schwitzer
00
die fahten doch erst sonntag heim

Bis dahin wird sich das schon beruhigt haben

Krist79
00
... netter Artikel ...

... sorgte nämlich gerade für Schmunzeln am Samstagmorgen

Faeryl
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Einerseits ins tiefste Tiroler Tal fahren um dort skizufahren und dann wundern, dass dort auch mal so viel Schnee fällt, dass man eingeschneit ist.

Die Welt ist seltsam

giallo rosso
02

Es ist Vorarlberg.

Pierre d´Aubusson
02

Drum liegts ja hinterm Arlberg.

Faeryl
02

von mir aus kann es auch ein kärntner tal sein. im hochgebirge muss man damit rechnen eingeschneit zu werden. das begreifen die meisten winterrouris scheinbar nicht.

dieDritteGeneration
00

"Die meisten Gäste nehmen die Situation auch locker."

Faeryl
10

"Freilich - auch wenn das kein Hotelier je so sagen würde: Skitouristen, vor allem aus Deutschland und den Beneluxländern, sind reichlich perplex, wenn der Winter dann ein bisserl intensier ausfällt, als im Fremdenverkehrskatalog"

Der Österreicher
01

Naja, da scheints einmal einen Tag und schon ist alles wegen Lawinengefahr gesperrt.

giallo rosso
02

sind sie nicht. zumindest nicht in der mehrheit. bin gestern durchs von der außenwelt abgeschnittene lech spaziert. die menschen wandern durch den schnee. kinder hüpfen von schneehügeln.winterromantik statt panik. auch bei den deutschen. deine meinung bildet sich durch die medien. nicht durch eigenes erleben.

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