Euro unter Druck

Italienische und spanische Renditen steigen

6. Jänner 2012, 16:39

Frankfurt - Investoren gönnen den Anleihen der EU-Sorgenkinder Italien und Spanien keine Verschnaufpause. Die Renditen der zehnjährigen Papiere italienischer und spanischer Papiere kletterten am Freitag weiter in die Höhe - ein Ausdruck für wachsende Zweifel an der Zahlungsfähigkeit dieser hoch verschuldeten Länder. Die Nachrichtenlage in Sachen Euro-Krise habe sich eher verschlechtert als verbessert, sagte ein Händler.

Anfang der Woche war bekannt geworden, dass in Spaniens Haushalt ein noch größeres Loch klafft als bislang angenommen. "Die Anleger sind auf der Suche nach Sicherheit, und das dürfte die Risikoaufschläge vieler Anleihen zu den deutschen Papieren weiter nach oben treiben", erklärte Patrick Jacq, Stratege bei BNP Paribas. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten am Freitag bei 1,887 Prozent. Italienische und spanische Papiere lagen bei 7,173 beziehungsweise 5,720 Prozent.

Auch der Euro blieb zum Wochenschluss auf breiter Front unter Druck: Die Gemeinschaftswährung fiel in der Spitze auf 1,2760 Dollar zurück und war damit so billig wie seit September 2010 nicht mehr. Zum Yen dümpelte der Euro mit 98,67 Yen in der Nähe seines am Vortag erreichten Elf-Jahres-Tiefs von 98,45 Yen. Gegenüber dem Pfund sackte die Gemeinschaftswährung bis auf 82,35 Pence ab, den niedrigsten Stand seit 16 Monaten. Börsianern zufolge macht dem Euro weiterhin das Misstrauen der Anleger in das Management der Schuldenkrise zu schaffen.

Treffen

Das Treffen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem französischen Präsidenten Nicholas Sarkozy am Montag werde sich voraussichtlich vor allem um das Thema Haushaltsdisziplin drehen, sagte Volkswirt Daisuke Karakama von Mizuho Corporate Bank. "Das ist nicht das, worauf der Markt wartet." Er erhoffe sich Hinweise darauf, wie die Effektivität des permanenten Rettungsfonds ESM sichergestellt werden solle. Merkel und Sarkozy wollen bei dem Treffen ihre Marschroute für den Ende Januar geplanten EU-Gipfel festzurren.

Angesichts der anhaltenden Sorgen um die Zahlungsfähigkeit vieler europäischer Staaten sieht Commerzbank-Analystin Carolin Hecht wenig Erholungsspielraum für die Gemeinschaftswährung: Der Euro sei mehr als schwach auf der Brust, denn fundamental habe sich an den Problemen rund um das Thema Schuldenkrise nichts geändert, schrieb sie in einem Kommentar.

Wie verstimmt der Markt ist, dürfte auch die nächste Woche zeigen, wenn mit Spanien und Italien gleich zwei Schwergewichte der Peripherie den Kapitalmarkt anzapfen wollen. Die Emissionen gelten als Lackmus-Test für das Vertrauen der Investoren. Spanien und Italien sind 2011 ins Visier der Märkte geraten. Die Europäische Zentralbank (EZB) kauft bereits seit dem Sommer Staatsanleihen dieser Mittelmeerländer auf und drückt damit de facto deren Renditelast. Die EZB hat aber bereits angekündigt, dass sie diese Stützungskäufe nicht auf Dauer durchhalten will. (APA/Reuters)

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Nutze den Tag
00
Zinsen und Ausfallshaftung übernimmt der Steuerzahler!

Was muss passieren damit dieses Pyramidenspiel aufgelöst wird?
Der Staat gibt den Banken Geld für nchts, damit diese Anleihen zu Wucherzinsen aufnehmen, um damit Geld den Banken zu geben um nichts, damit ....

Christoph Karl Steininger
01
Der Markt generiert die Sorgen selbst,

um für höhere Renditen zu sorgen!
Staaten sind mit ihrer Möglichkeit Steuern einzunehmen eigentlich unsinkbare Schiffe. Besonders solche die hoch industrialisiert sind.
Aber die Händler des Finanzkapitals möchten diese Einkommensquelle für sich selbst erschließen. Bei Staaten unter der Kuratel der Finanzmafia möchte diese daß die Steuereinnahmen direkt fließen, ohne den Umweg der belasteten Budgets.
Irgendwann mal, bald, werden Staaten auf die Idee kommen Steuern zu verpachten, zu privatisieren. Ebenso wie die zerstörerische Idee der privatisierten öffentlichen Dienstleistungen wird dies das Ende der Nationalstaaten einläuten, so wie wir sie kennen!
Die Voraussetzungen werden soeben geschaffen.

meresi
00
14.1.2012, 18:18
DAS klingt mehr als bedrohlich...

und dieses szenario..scheint wirklichkeit zu werden..
was tun sprach zeus ?

zeitfuchs
00
unsinkbare Schiffe?

Staatspleiten und kommunale Pleiten gibt es, wie private auch, seit Jahrhunderten - um nicht zu sagen, ewigen Zeiten:
http://www.foonds.com/article/6560

Christoph Karl Steininger
00
Ja,

und wieviele davon haben wegen der Pleite zu existieren aufgehört?

zeitfuchs
00
höre Sie zu existieren auf,

wenn Sie den Privatkonkurs anmelden müssen? Und dennoch hat jeder Konkurs bekanntlich sehr ernste Konsequenzen...

warp.faktor
58
Es zeigt sich immer deutlicher ...

... dass geistloses Sparen keine Probleme löst, sondern die Situation weiter verschärft.

Durch die ideologische Position Deutschlands (keine Eurobonds) ist der Euro weiter gefallen, als er das durch diese Eurobons der Fall gewesen wäre.

Was "den Märkten" fehlt ist ein kräftiger Tritt in den A...
Höchste Zeit die Banken zu verstaatlichen!

Es ist wirklich nicht einzusehen, warum der Staat das Recht Geld zu erfinden privaten Banken überlässt, um sich anschließend selbst dieses Geld zu leihen und sich bei der Rückzahlung (+ spekulativen Zinsen) erpressen zu lassen. Das ist ganz eindeutig zum Schaden der BürgerInnen!

zeitfuchs
23
...noch ein Hellseher und Kaffeesud-Leser mehr!

Wie kommen Sie zu dem Schluß, daß der Euro mit Eurobonds ein stärkerer wäre? Empfehle Ihnen sich genau anzuschauen, wie die Amerikaner zwischenstaatliche Bilanzdefizite (Target-Salden) ausgleichen, nämlich konträr zum europäischen System der Schuldensozialisierung. Dazu sehenswert der Vortrag von H.-W. Sinn vom 19.12.2011:
http://www.youtube.com/watch?v=y... ge#t=2530s

Andreas Prucha
10
Allerdings haben die USA auch ein wesentlich grösseres gemeinsames Budget. Im Gegensatz zu Europa findet daher ein Transfer zwischen den Staaten automatisch laufend statt.

No-Na fällt es den Staaten dadurch leichter Schulden zu vermeiden (die Schulden haben eben anstatt der Mitgliedsländer die Staaten gemeinsam). Dazu kommt noch, dass die USA als Ganzes leichter mit der FED kooperieren, und damit stabilisierend wirken. In Europa führt dagegen jeder Eingriff der Zentralbank zu Gunsten eines Mitgliedslandes zu Gegacker in den anderen Mitgliedsländern.

Kurzum: Die USA *haben* gemeinsame Bonds, also besteht auch nicht die Notwendigkeit so zu trickeseln wie es in Europa passiert. Und einzelnen Mitgliedsländer können nicht gegeneinander ausgespielt werden.

so so ....
01

Allenorts: Targetsalden, als Eselsbrücke ...

Hören Sie doch mal genau hin: am Beispiel Italiens erklärt Sinn, wann genau die Kapitalflucht dort eingesetzt hat: eindeuting nach der Merkel'schen Idiotie und ihrem wahlgeilem Getue, nämlich genau an dem Tag als beschlossen wurde, dass manche Griechenlandinvestoren werden bluten müssen. Und vor allem natürlich angefacht durch das ganze slapstickmäßige Politmanagement.

zeitfuchs
00
für eine Kapitalflucht

gibt es in der Regel immer mehr als einen Grund. In Italien könnte sie mit der Beauftragung der Regierungsgeschäfte an einen rigide steuereintreibenden Monti zusammenhängen, oder aber dem Dahinscheiden der Machthierarchie eines Berlusconi, aber auch mit der z.T. geschürten Angst der Italiener, eines Tages mit einem nicht mehr existierenden Euro, sondern einer stark abgewerteten Lire wieder aufzuwachen...

so so ....
00

nach 1,5 Jahren systematischer Ansteckung von aussen wird jeder Weltenbürger sein Kapital in Sicherheit bringen.

Ursache <-> Wirkung

und nochmal: die Kapitalflucht setzt in I. schlagartig Mitte Juli ein, da war von Regierungskrise noch keine Rede.

zeitfuchs
00
apapperlipapp

die italienische Krise ist doch schon wesentlich älter als der Sommer 2011.
http://www.fr-online.de/politik/r... 36398.html

warp.faktor
00
Nun ...

... Eurobonds würden verhindern, dass gegen einzelne Euro-Länder spekuliert wird, weil es nur noch einen "gemeinsamen Schuldner" gäbe.
Die Zinsen wären dann für alle EU Staaten gleich.

Zugegeben für Länder wie D, Ö und einige wenige würden damit die Zinsen steigen, aber der ESM kostet uns ein Vielfaches.

Mit den USA sind die EU kaum vergleichbar, einzig dass man dort keine Angst hat, die Notenpresse an zuwerfen.

Das IFO und Herr Sinn sind natürlich alles andere als eine "unabhängige Quelle", obwohl er immer wieder Fakten weitergibt, die andere krampfhaft verheimlichen.

Übrigens: Ich persönlich bin kein Unterstützer der Eurobonds, aber wer den Euro will, wird darum langfristig nicht herum kommen.

zeitfuchs
00
Spekulation wird es immer geben,

die können Sie doch nicht auf Zuruf einfach "abdrehen". Darüber hinaus lösen Sie mit Eurobonds nicht die in Europa zweifelsfrei vorhandenen strukturellen Probleme.

warp.faktor
00
Mit "Strukturproblemen" ...

... meinen Sie wahrscheinlich die sog. "Budgetdisziplin".

Die Ursache dafür ist aber der Konstruktionsfehler des Euro. Eine Währung aber unterschiedliche Gesetze, Steuern, Löhne etc.

Wenn Sie die Menschen ehrlich abstimmen lassen und fragen, ob sie bereit sind für den Euro auf 30-50% ihres Gehaltes zu verzichten (PIIGS ...), wird sich das Problem von selbst lösen.

Totaler Durchblicksstrudel
01
Eine Währung aber unterschiedliche Gesetze, Steuern, Löhne etc.

Das ist falsch. Auch in der USA gibts verschieden Gesetze, Steuern und Löhne. Selbst in der Schweiz ist das so.

warp.faktor
00
Ja und ...

... in St. Pölten gibt es auch andere Jugendschutzbestimmungen als in Wien. Hier dafür eine U-Bahn-Steuer.

Aber um diese Marginalien geht es nicht!

Totaler Durchblicksstrudel
00

Du hast die Behauptung oben aufgestellt und ich habe sie widerlegt. Also wirst an der Eingangsbehauptung feilen müssen (Körperschaftssteuer, Ertragssteuer, Tarifverträge, Einkommensteuer oder was weiß ich, was du dir vorstellst) und dann...werde ich sie dir wieder widerlegen.

Ein Währungsraum muss nämlich tatsächlich ein gewisses Maß an Wettwerb bei Lohn- und Steuerkosten aushalten. Diese Maß ist u.a. von der Faktormobilität abhängig.

Andreas Prucha
00

Najo, allerdings wird in den USA auch sehr viel durch den Staat (also die US) finanziert. Und die Steuern der Mitgliedsländer sind zusätzliche Steuern.

In Europa haben wir beispielsweise keine EU-Einkommenssteuer.

Totaler Durchblicksstrudel
00

Was ja grundsätzlich stimmt, aber eben nicht Teil der Debatte ist.
(Aber vermutlich hast' es nicht verfolgt, ich persönlich bin grundsätzlich für eine einheitliche EU-Steuer, die bestenfalls von der EU direkt ein gehoben wird; gleich mit Vermögensanteil, genau so wie in der USA. Natürlich müssen dafür politischen Agenden unwiderruflich an die EU gehen. U.a. auch Außenpolitik und Verteidigung.)

Andreas Prucha
00

Worauf ich rauswill: Man kann sich nicht immer nur das rauspicken, was einem passt. Sinn meint, dass in den USA das Target-Salden-Equivalent jährlich auf 0 gesetzt werden muss und dass es keine Bailouts der Mitgliedsländer gibt, und die Staaten dadurch zur Sparsamkeit gezwungen werden. Gleichzeitig verschweigt er, dass eben laufend massive Transfers zwischen den Staaten stattfindet, da die Bürger und auch staatliche Institutionen Leistungen vom "Bund" beziehen, welcher sehr stark verschuldet ist.

zeitfuchs
00
kein privater Haushalt kann es sich auf Dauer leisten,

mehr auszugeben, als einzunehmen. Der Konsumrausch wurde den Griechen zum eigenen Verhängnis, weil die dadurch entstandenen Lohn- und Preissteigerungen zu einem Verlust der Wettbewerbsfähigkeit führten. Sie kauften beispielsweise die Tomaten von den Holländern, weil ihre im eigenen Land erzeugten beträchtlich teurer waren, als die Importware. Und die Oliven blieben auf den Bäumen hängen, weil die Erntekosten plötzlich höher waren, als der für Olivenöl zu erzielende Preis am Markt..

meresi
00
14.1.2012, 18:24
der unterschied zwischen griechenlands tomaten

und holländischen ist ganz einfach...die griechischen schmecken um klassen besser...

warp.faktor
23
Nicht schon wieder!

Ein Staat ist kein Privathaushalt und auch kein Unternehmen, aber wie viele Privatunternehmen kennen Sie, die ausschließlich mit Eigenkapital arbeiten?

Und unterlassen Sie Verallgemeinerungen!

"Die Griechen" gibt es nicht. Dass durch den Euro Kredite für Staatsschulden enorm billig waren und die damalige Regierung Karamanlis das genützt hat um absurde Rüstungsgeschäfte abzuschließen ist eine andere Sache.

Wer den gemeinsamen Euro will, muss auch mit den Konsequenzen leben!

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