Frankfurt - Investoren gönnen den Anleihen der EU-Sorgenkinder
Italien und Spanien keine Verschnaufpause. Die Renditen der zehnjährigen Papiere
italienischer und spanischer Papiere kletterten am Freitag weiter in die Höhe -
ein Ausdruck für wachsende Zweifel an der Zahlungsfähigkeit dieser hoch
verschuldeten Länder. Die Nachrichtenlage in Sachen Euro-Krise habe sich eher
verschlechtert als verbessert, sagte ein Händler.
Anfang der Woche war bekannt geworden, dass in Spaniens Haushalt ein noch
größeres Loch klafft als bislang angenommen. "Die Anleger sind auf der Suche
nach Sicherheit, und das dürfte die Risikoaufschläge vieler Anleihen zu den
deutschen Papieren weiter nach oben treiben", erklärte Patrick Jacq, Stratege
bei BNP Paribas. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten am Freitag bei 1,887
Prozent. Italienische und spanische Papiere lagen bei 7,173 beziehungsweise
5,720 Prozent.
Auch der Euro blieb zum Wochenschluss auf breiter Front unter Druck: Die
Gemeinschaftswährung fiel in der Spitze auf 1,2760 Dollar zurück und war damit
so billig wie seit September 2010 nicht mehr. Zum Yen dümpelte der Euro mit
98,67 Yen in der Nähe seines am Vortag erreichten Elf-Jahres-Tiefs von 98,45
Yen. Gegenüber dem Pfund sackte die Gemeinschaftswährung bis auf 82,35 Pence ab,
den niedrigsten Stand seit 16 Monaten. Börsianern zufolge macht dem Euro
weiterhin das Misstrauen der Anleger in das Management der Schuldenkrise zu
schaffen.
Treffen
Das Treffen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem französischen
Präsidenten Nicholas Sarkozy am Montag werde sich voraussichtlich vor allem um
das Thema Haushaltsdisziplin drehen, sagte Volkswirt Daisuke Karakama von Mizuho
Corporate Bank. "Das ist nicht das, worauf der Markt wartet." Er erhoffe sich
Hinweise darauf, wie die Effektivität des permanenten Rettungsfonds ESM
sichergestellt werden solle. Merkel und Sarkozy wollen bei dem Treffen ihre
Marschroute für den Ende Januar geplanten EU-Gipfel festzurren.
Angesichts der anhaltenden Sorgen um die Zahlungsfähigkeit vieler
europäischer Staaten sieht Commerzbank-Analystin Carolin Hecht wenig
Erholungsspielraum für die Gemeinschaftswährung: Der Euro sei mehr als schwach
auf der Brust, denn fundamental habe sich an den Problemen rund um das Thema
Schuldenkrise nichts geändert, schrieb sie in einem Kommentar.
Wie verstimmt der Markt ist, dürfte auch die nächste Woche zeigen, wenn mit
Spanien und Italien gleich zwei Schwergewichte der Peripherie den Kapitalmarkt
anzapfen wollen. Die Emissionen gelten als Lackmus-Test für das Vertrauen der
Investoren. Spanien und Italien sind 2011 ins Visier der Märkte geraten. Die
Europäische Zentralbank (EZB) kauft bereits seit dem Sommer Staatsanleihen
dieser Mittelmeerländer auf und drückt damit de facto deren Renditelast. Die EZB
hat aber bereits angekündigt, dass sie diese Stützungskäufe nicht auf Dauer
durchhalten will. (APA/Reuters)