Fast 80 Todesstrafen im vergangenen Jahr vollstreckt
Genf - Das UNO-Hochkommissariat für Menschenrechte in
Genf hat sich besorgt über die im vergangenen Jahr deutlich
angestiegene Zahl von vollstreckten Todesstrafen in Saudi-Arabien
gezeigt. "Wir sind wegen des signifikanten Anstiegs der Anwendung der
Todesstrafe alarmiert", sagte der Sprecher des Kommissariats, Rupert
Colville, am Freitag vor Journalisten in Genf. Noch beunruhigender
als die hohe Zahl von Exekutionen sei aber die Tatsache, dass die
jeweiligen Gerichtsprozesse von internationalen Standards weit
entfernt seien.
"Folter als Mittel, um ein Geständnis zu erzwingen, scheint eine
breite Anwendung zu finden", kritisierte Colville. Das Kommissariat
rief die Behörden vor diesem Hintergrund zur Einhaltung der
UNO-Anti-Folterkonvention auf, die auch Saudi-Arabien unterzeichnet
hat.
Mindestens 76 Hinrichtungen
Einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP zufolge wurden im Jahr
2011 in dem Königreich mindestens 76 Menschen hingerichtet, die
Menschenrechtsorganisation Amnesty International beziffert die Zahl
der Exekutionen in diesem Zeitraum auf 79. Im Jahr zuvor waren nach
Angaben der UNO, die sich auf die Organisation Human Rights Watch
beruft, 27 Todesstrafen vollstreckt worden.
Saudi-Arabien, das strikt das islamische Recht (Scharia) anwendet,
sieht für eine Reihe von Verbrechen die Todesstrafe vor, unter
anderem für Mord, Vergewaltigung, Drogenhandel und den Abfall vom
islamischen Glauben. Für schwere Fälle von Raub wird laut UNO etwa
die sogenannte überkreuzte Amputation angewandt - das Abnehmen der
rechten Hand und des linken Fußes. Im vergangenen Monat wurde laut
Colville in Saudi-Arabien eine Frau wegen Vorwürfen der Hexerei
hingerichtet. (APA)