Web-Zensur

Weißrussland stuft Seiten von Menschenrechtsorganisationen "extremistisch" ein

6. Jänner 2012, 13:47

Gesetz für strenge Überwachung des Internets seit Freitag in Kraft

In Weißrussland ist am Freitag wie berichtet ein Gesetz zur schärferen Überwachung des Internets in Kraft getreten. Das Gesetz verpflichtet Netzanbieter, sich bei den Behörden zu registrieren und persönliche Daten von Nutzern und genutzten Diensten "zu erfassen und zu speichern".

Internetcafes müssen Nutzerdaten ein Jahr speichern

Zudem sehen die neuen Regelungen Geldstrafen für Händler vor, die ihre Waren über ausländische Websites anbieten. Staatliche Organisationen und Universitäten dürfen zudem keine Links zuseiten von als "extremistisch" eingestuften Gruppen anbieten und Internetcafes müssen ein Jahr lang Daten über Nutzer speichern, die diese Seiten aufgerufen haben.

Menschenrechtsorganisationen "extremistisch"

Zu den als "extremistisch" geltenden Seiten gehören auch die Internetauftritte von Menschenrechtsorganisationen wie Wjasna (Frühling) und Charter 97. Beide Organisationen haben ihren Sitz im Ausland, ihre Websites sind aber in Weißrussland abrufbar. Ein Mitarbeiter des staatlichen Internetanbieters Beltelecom sagte, es gebe jedoch noch keine offiziellen Anweisungen, "welche Seiten gefiltert" werden sollten und wer darüber entscheide.

Wichtigsten Seiten der Opposition kontrollieren

Das Nachrichtenportal "Belarusski Partisan" schrieb, gemäß "unabhängigen Experten" sei das Ziel der Behörden, die wichtigsten Seiten der Opposition zu kontrollieren. Das Informationszentrum von Präsident Alexander Lukaschenko erklärte indes, das Gesetz schränke Internetnutzer nicht ein. Der Zugang zu ausländischen Seiten sei nicht eingeschränkt. Auch Seiten wie Amazon könnten weiterhin in Weißrussland ihren Geschäften nachgehen, ohne sich für eine ".by"-Domaine zu registrieren, erklärten die Behörden.

"Überlebensreflex"

Die Organisation Reporter ohne Grenzen kritisierte die neuen Regeln als "Überlebensreflex" einer durch Proteste geschwächten Regierung. Die Organisation stuft Weißrussland auf Platz 154 von 178 in ihrer Rangliste der Medienfreiheit ein. Lukaschenko verschärfte seit seiner umstrittenen Wiederwahl im vergangenen Jahr das Vorgehen gegen die Opposition. Seither müssen etwa Demonstrationen von den Behörden genehmigt werden. (APA/AFP)

Kommentar posten
22 Postings
mulligan1
01
was sagt hubert gorbach dazu ?

Tante Herbert
00
Hey Chef, soll i heut wieder für dich zur Sitzung gehen oder zu deiner Frau?

Mein Grossvater hiess Israel Blank
02
Ab April startet die Ueberwachung in Oesterreich. Und DAS ist fuer mich ein Tema. Kein Weissrusland...

readymate
01
..."als" extremistisch ein -

sonst bedeutet es nämlich was anderes...!

.

Dagmar Rehak Wien
 
22

Mir sind auch manche Menschenrechtsorganisationen nicht ganz geheuer.
Die sind immer tiptop ausgestattet, reisen überall hin, steigen zu zehnt in einem feinen Hotel ab, sind medial immer präsent und erzählen dann zufällig immer genau das, was man von ihnen hören will.

another_stranger_me
00

das macht die seiten imfo aber nicht extremistisch...

Dagmar Rehak Wien
 
00

Na sicher haben die extrem eine Meinung!

another_stranger_me
00

Das deutsche Bundesamt für Verfassungsschutz definiert Extremismus in Form einer definitio ex negativo als „fundamentale Ablehnung des demokratischen Verfassungstaats“.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Extremistisch

Dagmar Rehak Wien
 
00

Wer immer auch dieses Bundesamt ist, diese Definition ist falsch, eigentlich selbst schon extremistisch.

another_stranger_me
00

irgendwie hab ich das gefühl, Sie haben nicht die geringste ahnung, um was es hier geht

aber egal, es ist die mühe nicht wert...

LostinSpacetime
01
OOOH, das ist guuut!

Die Weißrussen zeigens vor wozu solche Gesetze schließlich verwendet werden. Es wird jetzt deutlich schwieriger sein bei uns solche Gesetze durchzubringen, indem man mit dem Kampf gegen Kinderpornographie und Terrorismus argumentiert.

KL
02

sollte man meinen.

Niemand & Keiner
43

Warum erst nach Russland schauen. Ist doch bei uns auch nicht anders!

configsys
30
Da

liegen Welten dazwischen.....Gott sei Dank!

Onkel Gans
01

ach ja?

Magic
02
wirklich?

"Lukaschenko verschärfte seit seiner umstrittenen Wiederwahl im vergangenen Jahr das Vorgehen gegen die Opposition. Seither müssen etwa Demonstrationen von den Behörden genehmigt werden."

Standard Leser4
 
10

Muessen in Oesterreich Demonstration vor dem Rathaus oder Parlament nicht genehmigt werden ?

Peter Widzky
05

wen wunderts.

amerika ist am weg genau dorthin mit SOPA

Richard5253
00
Reporter ohne Grenzen

Bin ich der einzige, der mit dem Link, hm, Probleme hat?

Redaktion derStandard.at/Web
12
Scheint so

Die Verlinkung ist von unserem CMS automatisch gesetzt worden und die Website der österreichischen Reporter ohne Grenzen dürfte gerade Probleme haben.

Wir haben nun manuell zur internationalen Seite verlinkt.

Lumpenbourgeois
19
J'accuse!

Die österreichische Seite ist dem Webstandard wohl zu "extremistisch".

"Das CMS hat automatisch verlinkt..."
"dürfte gerade Probleme haben..."

Aber im Ernst. Der automatische Zensurmechanismus auf derstandard.at ist auch nicht freier als ein manueller, nur weil sich keiner direkt die Hände schmutzig macht.

In meiner Rangliste der Meinungsfreiheit stufe ich den Online Standard übrigens auf Platz 4 von 4 der heimischen Onlineauftritte selbsternannter Qualitätszeitungen ein.

Stoppt den ZENSURWAHN der Politiker - JETZT
01
wenn mal die infrastruktur steht

wen wunderts, dass alles, was irgendwie regierungskritisch sein könnte auf einmal verschwindet?

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