Zeit-Tarnmantel
Eine räumliche Tarnkappe, die - wenn auch mikrometerkleine - Strukturen in bestimmten Lichtwellenlängen optisch verschwinden lässt, gibt es bereits. Auch eine akustische Tarnkappe haben Forscher vor kurzem vorgestellt. Nun konnten US-Wissenschafter eine völlig andere Art von Tarnkappen-Technologie entwickeln: Die Physiker der Cornell University in Ithaca im Bundesstaat New York konstruierten eine Vorrichtung, die gleichsam eine Art Zeitloch entstehen lässt und dadurch Ereignisse so versteckt, als wären sie nie geschehen - wenn auch nur für etwa 40 Pikosekunden (40 Billionstel Sekunden).
Bei ihrem Experiment, das sie in der aktuellen Ausgabe von "Nature" beschreiben, zerteilten die Wissenschafter um Moti Fridman einen einzelnen grünen Laserstrahl mit einer sogenannten "Zeit-Linse". Ein Teil des Lichtstrahls wird mit dieser Linse gegen das rote Ende des Spektrums hin verschoben, der andere Teil in Richtung blau. Dann schickten die Physiker dieses Licht durch ein Glasfaserkabel, wobei sich der blaue Anteil schneller durch den Lichtleiter bewegte, der rote langsamer: es entstand eine Lücke zwischen den beiden Lichtbereichen. Schließlich kreuzten die Wissenschafter einen zweiten Lichtstrahl mit dem ersten, was unter normalen Umständen eine Beeinflussung zur Folge gehabt hätte. Der zweite Strahl traf allerdings nur die Lücke und als die Physiker den geteilten Lichtstrahl mit einer weiteren "Zeit-Linse" wieder zu einem grünen Strahl vereinten, war praktisch keine Beeinflussung messbar: Das Ereignis blieb in dem Zeitloch verborgen.
Was auf den ersten Blick nach reiner Grundlagenforschung aussieht, hat in absehbarer Zeit durchaus praktischen Nutzen. Zwar wird man wohl kaum einen Dieb beim Stehlen von Kunstwerken tarnen können, wie auf dieser Illustration der Cornell University, Fridman meint allerdings, dass die Technologie in Zukunft etwa in der Datenübertragung eingesetzt werden könnte: Informationen, die in einem solchen Zeitloch versteckt werden, seien praktisch nicht zu entdecken.