Krise

Sarkozy erwägt Alleingang bei Finanztransaktionssteuer

6. Jänner 2012, 16:15

Laut EU-Kommission könnte die Steuer bei EU-weiter Einführung den Staaten jährlich rund 55 Mrd. Euro einbringen

Paris/Berlin - Frankreich ist bei der Einführung einer Finanztransaktionssteuer zu einem Alleingang ohne Deutschland bereit. Präsidentenberater Henri Guaino sagte am Freitag in Paris, bis Ende des Monats werde die Regierung über eine Einführung der Abgabe entscheiden. Er hoffe auf einen gemeinsamen Vorstoß mit Berlin. Der Euro-Staat sei aber auch bereit, eine Vorreiterrolle zu übernehmen. Italiens Ministerpräsident Mario Monti sagte, sein Land sei für die Steuer. Das Vorpreschen eines Staates lehnte er allerdings ab.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel wollen am Montag bei einem Treffen in Berlin über das Thema beraten. Merkels Sprecher Steffen Seibert bekräftigte die Haltung der Bundesregierung, möglichst eine Einführung der Steuer in der gesamten EU zu erreichen. Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble hatte sich alternativ offen gezeigt für ein Modell nur im Kreis der Euro-Staaten. Der Koalitionspartner FDP steht einer solchen kleinen Lösung jedoch skeptisch gegenüber.

Bankenbeitrag

Begründet wird die Finanztransaktionssteuer mit dem Beitrag der Banken zur Bewältigung der Finanzkrise. Außerdem soll sie den superschnellen Computerhandel entschleunigen, den Kritiker für erratische Kursbewegungen an den Börsen verantwortlich machen. Vor allem Großbritannien lehnt eine solche Steuer vehement ab.

"Was Frankreich angeht, werden Entscheidungen bis Ende Januar fallen", sagte Guaino. Frankreichs Europaminister Jean Leonetti hatte am Mittwoch gesagt, die Steuer werde bis zum Ende dieses Jahres eingeführt.

Monti warnt

Monti sagte nach einem Gespräch mit Frankreichs Premierminister Francois Fillon in Paris, seine Regierung sei für die Steuer. Es müsse aber eine einheitliche Haltung geben: "Wir brauchen einen gemeinsamen europäischen Standpunkt." Kritiker der Steuer warnen, ein Alleingang würde nicht viel bringen, sondern lediglich zur Verlagerung von Geschäften an andere Börsenplätze - vor allem nach London - führen.

Die EU-Kommission hatte kürzlich einen Vorschlag gemacht, wonach kommerzielle Aktien- und Anleihengeschäfte mit einem Mindestsatz von 0,1 Prozent und Derivategeschäfte von 0,01 Prozent besteuert werden sollten. Sie verspricht sich davon Einnahmen von rund 57 Mrd. Euro pro Jahr in der EU, die sie zum Teil auf Kommissionsebene halten will. (APA)

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19 Postings
Peter Pichler
 
01
Wenn GB drausen bleibt,...

... müssten Hürden für Kapital aus GB eingezogen werden... Wenn sich die Euro-Zone das traut stehen die Chancen gut, dass die Briten nachziehen müssen...

Für die Finanzmärkte wird London an Bedeutung verlieren, wenn die produzierende europäische Wirtschaft sich vom britischen Finanzmarkt abkoppelt.

Wichtiger als GB wäre die Schweiz. Ich könnt mir sehr gut vorstellen, dass die EidgenossInnen dabei wären. (vor allem wenn sie dann weniger Hürden zum Euro-Raum hätten als London:-)

XYZ123
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Ich bin dafür

Wenn mehr und mehr Länder diese Steuer einführen würden, würde eben das Börsen"geschäft" kurzfristig in andere Länder verlagert - aber bald würden nicht mehr viele übrigbleiben. Und es würden sicher Mittel und Wege gefunden, bestimmte Konzerne zu überzeugen, dass sie in ihrem Heimatland and der Börse sein sollten.

a b1
01
Ich bin neutral,

und lache Sie trotzdem aus:

Denn ich wette, Sie wären davon nicht betroffen.

Das ist nämlich immer so: Die Betroffenen sind dagegen, alle anderen dafür.

Soviel zu einer objektiven Diskussion.

Norbert_Brandstätter
00
Verlogene feige Politiker

20 Regierungschefs (Alle €-Staaten und ein paar andere noch) behaupten also, sie alle seien für die Transaktionssteuer, "aber eben nicht im Alleingang".

Gut - also warum führen diese 20 Länder sie dann nicht SOFORT ein, nämlich GEMEINSAM??

inb4 "Ja aber London ist ja immer dagegen *heul*"

Martin Brunner
01
unsere politiker wären sowieso nicht dabei

bei der wöchentlichen befehlsausgabe beim hrn konrad bei der raika wird ihnen das nciht erlaubt!

byron sully
00

wenn's stimmt, wäre es sehr erfreulich.

seventy-seven
00
Sarkozy denkt in die ...

richtige Richtung! Die ganze EU muss folgen in eine Finanzmarktreform. Mit den USA weltweit.Aber einig werden ist aus Geiz nicht leicht. Sogar Merkel kneift. Stellt sich als williger Helfer Londons bei den Derivaten zur Verfügung. Das hunderte Milliarden von Euroländer in sogenannte Finaz-Oasen abfliessen und zurück in die EU mit horrenden Zinsen. Was macht das schon? Das Volk wird den Gürtel enger schnallen. Die armen Griechen sollen den Kitt von den Fenstern Fressen, das sie überleben...und wir werden es Ihnen bald gleich tun.

Thomas turnbichler
31
Idee ist Marx, Umsetzung ist Murks

Vorneweg. Monsieur Sarkozy ist jetzt schon im Wahlkampf und versucht seinem sozialistischen Widersacher Holande das Wasser abzgugraben.

Hier versucht ein Staatspräsident die Eurokrise zu seinen Gunsten zu missbrauchen. In Haft nimmt er aber gleichzeitig jene Euroländer, die sich noch nicht für diesen Schritt entschieden haben. Dies ist jedoch Sarkozy völlig egal, entspricht es doch dem französischem Selbstverständnis, was gut für La France ist, ist gut für Europa.

Die Umsetzung der Steuer ist schon einmal in Schweden gescheitert. Ich fordere von unseren Politiker genau abzuwägen ob es für Österreich Sinn macht diese einzuführen.

Einfach zuzustimmen, um dem cholerischen Sarko einen gefallen zu tun ist auf das tunlichste zu vermeiden.

ichbinsofrei.net
01
Idee ist Marx

Bitte um die Quelle.

Pierre d´Aubusson
01

Manchmal frag ich mich bei unseren Politikern, warum der Scheuch sitzen soll, nur weil er gesagt hat, daß er was tät, wenn sich einer fänd, der seinerseits auch was tät.
Da hat sich einer gefunden, der was tut, konkret sogar tut unsere Politik so richtig ausdrücklich nix. Und die Gegenleistung fürs Nixtun wird doch irgendwo in den Parteifinanzen zu finden sein, doch keiner verlangt, daß da jemand sitzen soll.
Und das sollt der Sarkozi nachmachen?

Entweder man hat das Format, sowas durchzuziehen oder man hat es nicht. Sarkozi hat.
Bei unseren Politikern fehlt es am Willen, das Format zu haben. Und so schauns auch aus.

ganzsichernicht
 
03
...was ist mit den vielbeschworenen signal der gemeinsamkeit an "die märkte"??

entweder der sarko ist ein vollpfosten, oder er hat selbige als berater..
das wird garantiert wieder eine flutwelle der unsicherheit auf den märkten und den banken auslösen...dieser depperte franzos.

Bastibastibasti
31

bitte frankreich führt es als 2. ein.

schweden war schon 1.! war ein flop.
frankreich wird 2.! wird ein flop.
österreich wird xter ! und es trotzdem einführen. auch bei uns wird es ein flop!

schweden wurde sie 1985 eingeführt.

geplant war sie mit 165 millionen jährlich. gebracht hat sie nicht mal 9 millionen!
aber hey, wenn man die eigene wirtschaft verschlechtern möchte, bitte führt sie ein.

Toxo Logic
 
00

Wahlkampfpropaganda von Sarkozy.........mehr steckt nicht dahinter.

watzlilaus "walmoerder" wondratschek
 
43
"Capital is fungible"

Und wird dorthin wandern, wo es sich frei bewegen kann: Dann wird es in Europa keine Finanztransaktionen geben, der Handel wird sich eben nach New York, Hongkong, Singapur, Dubai verlagern
und die Steuer wird keine Einkuenfte bringen, Die Einkommens- und Mehrwertsteuereinnahmen werden zurueckgehen - weil die Einkommen der Haendler und der am Handel Beteiligten ausfallen.

Aber man hat etwas gegen den globalen Gapitalismus gemacht. Gratulation.

Bin ich froh, dass ich nicht mehr in Europa lebe!

mayflower2
10

Ich auch.

Hofzwerg
111
einer muss mit dieser steuer anfangen

ich hoffe,dass die steuer, natürlich auch in der ganzen eu kommt.

Bastibastibasti
11

ja so wie in schweden.

komplettes desaster.

die schweden waren 1985 erster mit dieser steuer. mit 165 millionen war sie geplant. nicht mal 9 millionen hat sie gebracht.

lesen sie selbst näheres nach, was dies für auswirkungen hatte in schweden und auch bei uns haben wird!

x-tron
01

Schweden hat die Steuerpflicht vom Ort der Transaktion abhängig gemacht, nicht vom Unternehmenssitz. Kein Mensch denkt daran das gescheiterte schwedische Modell einzuführen. Das britische, irische (Stempelsteuern) oder finnische (Kapitalverkehrssteuer) Modell hingegen funktioniert gut und leistet erhebliche Beiträge zum Budget. In Österreich gibt es seit 2001 keine derartigen Steuern mehr - weit verbreiteten Glaubensdogmen zufolge müsste der Wiener Kapitalmarkt einschließlich Börse den Londoner schon längst überholt haben. Die tatsächliche Lage ist bekannt, setze ich voraus?

xEurocent
01

Ganzen EU minus UK meinen sie natürlich.

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