Dritter Saisonsieg für den für 22-jährigen Salzburger beim Slalom am Hausberg von Lokalmatador Kostelic, der Dritter wurde
Zagreb/Kroatien - Nach zuletzt drei sieglosen Antreten haben
Österreichs Skiherren den Bärenberg in Kroatien zurückerobert. Marcel
Hirscher verteidigte am Donnerstagabend bei schwierigen Verhältnissen
dank "Freerider"-Qualitäten seine Halbzeitführung und setzte sich vor
dem Deutschen Felix Neureuther (0,29 Sek. zurück) und dem Kroaten
Ivica Kostelic (0,48) durch. Für Hirscher war es der dritte
Saisonsieg sowie der sechste Erfolg im Weltcup überhaupt, er übernahm
wieder die Führung im Gesamtweltcup.
Startnummernrennen
Im ersten Duchgang auf weicher Piste ein absolutes
Startnummernrennen, waren die Verhältnisse im Finallauf eine Spur
besser. Hirscher hielt dem Sturmlauf der Konkurrenz stand. Ivica
Kostelic musste sich am 30. Geburtstag seiner Schwester Janica vor
den Augen des kroatischen Präsidenten Ivo Josipovic, Premierminister
Zoran Milanovic und 18.000 Zuschauern nach drei zweiten Plätzen
dieses Mal mit Rang drei begnügen.
Der 22-jährige Hischer setzte eine große Attacke - und die machte
sich bezahlt. "Es war ganz schön heftig zu fahren und am Limit zum
Ausfallen. Aber das Risiko hat sich gelohnt. Ich gehe gerne
Geländefahren und Tiefschneefahren, von dem her kommt mir das schon
ein bisschen zu Gute", sagte der Salzburger, der das Rennen mag. "Es
ist eine große Party, ich bin aber leider nie gut gefahren, das passt
jetzt auch. Mir war klar, dass ich Vollgas geben muss", meinte
Hirscher, der als Letzter am Start um die guten Leistungen von
Kostelic und Neureuther wusste.
Im Gesamtweltcup hat Hirscher als Erster 525 Punkte auf dem Konto,
der Norweger Aksel Lund Svindal folgt mit 456. Im Slalom ist Hirscher
(260) hinter Kostelic (305) Zweiter. "Ich wollte heute gewinnen, auch
die Pistenverhältnisse waren gut für mich. Aber heuer ist es schwer,
ganz oben zu sein. Es gibt drei, vier schnelle Läufer, die immer
vorne sind. Zum Gewinnen muss man diese Leute schlagen", sagte
Kostelic. Den Druck beim Heim-Event verglich er mit einem
Schladming-Rennen mit nur einem Österreicher am Start. Der
zweitplatzierte Neureuther kam nicht ohne Fehler ins Ziel: "Es waren
viele Löcher drinnen, da hat man lockere Haxn gebraucht. Marcel ist
ein verdienter Sieger."
Großes Loch
Hirschers Coolness verhinderte ein ÖSV-Debakel. Mario Matt schied
nach dem siebenten Halbzeitrang im Finale aus. Er hatte schon nach
dem ersten Lauf gehadert: "Es ist brutal weich, ein paar Mal bin ich
direkt eingebrochen. Nach Nummer drei hattest du nicht mehr viele
Chancen. Es ist schon komisch, wir haben jetzt auch zwei Tage bei
solchen Bedingungen trainiert, die Piste gespritzt und gesalzen, und
bei uns ging es gut."
Manfred Pranger (Halbzeit-13.) und Benjamin Raich (14.) fielen im
zweiten Durchgang noch weiter zurück, belegten ex aequo Rang 19.
Raich sah "keine Chance" bei diesen Bedingungen, er erreichte aber
die beste Platzierung in dieser Disziplin seit dem Comeback nach
seinem Kreuzbandriss im Februar. "Es ist, wenn du nicht ganz vorne
fährst, nicht so viel drinnen. So schlecht habe ich meine Fahrt nicht
gefunden, aber die Zeit stimmt einfach nicht", erklärte der
Pitztaler.
Beim den Damen-Rennen am Dienstag hatte die mit Salz behandelte
Piste erstaunlich gut gehalten, bei den Herren brach sie im ersten
Durchgang allerdings bereits mit Startnummer eins. Die Top-Vier nach
dem ersten Durchgang hatten auch die Startnummer eins bis vier, ein
Gewaltlauf gelang nur dem US-Amerikaner Ted Ligety, der mit 17 auf
Rang sechs brauste.
"Er muss abnormal gefahren sein. Mit einer Startnummer unter fünf
hat er Bestzeit", glaubte Reinfried Herbst, der nach Platz 15 im
ersten Lauf versuchte, "das Beste daraus zu machen". Am Ende wurde es
nach einem schweren Patzer im Finale unmittelbar hinter Christoph
Dreier der enttäuschende 27. Rang. Ligety fiel auf 14 zurück.
Nicht ins Finale geschafft hatten es von den Österreichern Patrick
Bechter (51.) und Marc Digruber (54.) sowie Rainer Schönfelder und
Wofgang Hörl (beide ausgeschieden). Der Herren-Weltcup-Tross
übersiedelt für Technikrennen nun nach Adelboden. (APA)