Londoner Moderne-Stars auf kurzer Stippvisite in Wien, darunter Exponate deutscher Provenienz
Die Bedingungen an der Akquisitionsfront dürften sich verschärft haben.
Noch vor drei Jahren trudelten die Avisos zu den Anfang Februar in
London zur Versteigerung gelangenden hochkarätigen Kunstwerken der
Sparte Impressionist & Modern Art bereits im November davor ein - stets
ein paar Tage nachdem sich Christie's und Sotheby's anlässlich der zu
dieser Zeit in New York verbuchten Erfolge sonnten. Das scheint
Geschichte, wie die zum Jahreswechsel recht spärlich verfügbaren
Informationen belegen.
Pessimisten, die eine Absage der renommierten Evening Sales
prophezeiten, seien vertröstet: Sie finden statt, am 7. (Christie's) und
8. (Sotheby's) Februar, gefolgt von den anderntags abgehaltenen
Tagesauktionen. Insgesamt mag das Angebot vielleicht etwas weniger
opulent bestückt sein als anno Wirtschaftskrise, aber immerhin noch in
einer vertretbaren Güteklasse, die den einen oder anderen
Millionenzuschlag zu generieren vermag. Eine elf Exponate umfassende
Vorhut der Londoner Offerte von Christie's gastiert kommende Woche für
zwei Tage in Wien.
Zu den wertvollsten Gemälden gehört jenes von Robert
Delaunay, für das die Experten ein Einspielergebnis von umgerechnet 1,81
bis 3,02 Millionen Euro erwarten: Der Eiffelturm, eines der wichtigsten
Motive im OEuvre Delaunays, das der damaligen künstlerischen Avantgarde
in Europa auch als Symbol der Modernität diente. In der Version von 1926
reduzierte der Hauptvertreter des orphistischen Kubismus (Orphismus) die
gegenständliche Form und schuf den charakteristischen Rhythmus und die
Bewegung allein aus der Farbe. Das Bild stammte aus der Sammlung des
2005 verstorbenen Hamburger Unternehmers Hubert Wald und wird wie 89
anderen Kunstwerken (u. a. Antiken, Altmeistergemälde etc.) dieser
Provenienz schrittweise bei Christie's versteigert. Der Erlös, taxiert
auf 15 bis 23 Millionen Euro, kommt der 1993 gegründeten Wald-Stiftung
(u. a. Förderung medizinischer Forschung) zugute.
Landschaft spiegelt Seele
Zu den weiteren Highlights der nach Wien entsandten Protagonisten gehört
neben Egon Schiele (Kirche zu Klosterneuburg, 1905; 24.200-36.300 Euro),
Max Pechstein (Waldweg, 1927, 181.500- 242.000) und Karl
Schmidt-Rottluff (Haus an der Straßenkurve; 242.000-363.000) auch Emil
Nolde: Einerseits über eine um die Mitte der 1920er-Jahre ausgeführte
Gouache (Frauenkopf, 72.600- 96.800) und andererseits über das aus einer
deutschen Privatsammlung stammende Frischer Tag am Meere von 1906:
Zwischen 1,2 und 1,8 Millionen Euro soll dieses kraftvolle Beispiel der
Nold'schen Vision einer Landschaft als natürlicher Spiegel der
künstlerischen Seele bringen. (Olga Kronsteiner/ DER STANDARD, Printausgabe, 7./8.1.2012)
Christie's Wien, Bankgasse 1, 1010 Wien: 10./11. 1. 2012, 11 bis
18 Uhr