Zauberwort Globish

Auf der Evolutionsleiter der Sprache

19. Jänner 2012, 13:52

Eine neue Sprache soll das globale Dorf revolutionieren - Globish ist das Zauberwort, das es allen Menschen möglich machen soll, sich zu verständigen

Kommunikation ist in einer globalisierten Welt, in der es nur Sekunden dauert, bis eine Nachricht vom Absender zum Empfänger gelangt, wichtiger als je zuvor. Die Sprache dieses globalen Dorfs ist Englisch. Ohne Englisch ist weltweite Kommunikation heute kaum noch möglich. Ein Drittel der Weltbevölkerung kommt regelmäßig mit Englisch in Berührung, Englisch ermöglicht es Menschen miteinander zu verhandeln, Geschäfte abzuschließen und in Kontakt zu bleiben. Aber nur vier Prozent von allen, die Englisch verwenden, sind Muttersprachler.

Der Franzose Jean-Paul Nerrière vermutet, dass die Kommunikation unter Menschen, deren Muttersprache nicht Englisch ist, auf Englisch besser funktioniert, als wenn sich ein Muttersprachler mit einem Nicht-Muttersprachler unterhält. Der ehemalige Vizepräsident von IBM in USA, Europa, Afrika und dem Nahen Osten hat eine eigene Lösung für die Kommunikationsprobleme auf der Welt gefunden: Globish. Zusammen mit dem Amerikaner David Hon, Englisch-Dozent und Computerspezialist, hat er dazu ein Buch geschrieben, das international zum Bestseller wurde.

Es bestehen Befürchtungen von Sprachwissenschaftern, Globish könnte die englische Sprach verwässern. Jedoch bleiben bei Globish Aussprache und Rechtschreibung bestehen. Einzig die Grammatik ist vereinfacht und der Wortschatz wird auf das Wesentliche reduziert. Im Oxford English Dictionary findet man etwa 615.000 Wörter. Englische Muttersprachler benutzen davon nur 3.500 bis maximal 7.500 Wörter. Globish kommt mit nur 1.500 Wörtern aus. "Globish ist eine definierte Teilmenge der englischen Sprache. Es ist kein gebrochenes Englisch. Es ist eine andere Version der englischen Sprache. Auf der Grundlage von Globish sind alle Menschen im Bezug auf ihre Sprache gleich(berechtigt). Durch den begrenzten Umfang kann jeder dieselben englischen Wörter lernen und die Menschen können sich dann gegenseitig verstehen", schreiben Nerrière und Hon in ihrem Buch.

Laut Ben Mcintyre, Historiker und Kolumnist der Times, ist Globish "nicht das Ende der Sprache sondern ein wichtiger Schritt auf der Evolutionsleiter und für viele Menschen der Einstieg in die Welt." (red)

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14 Postings
Wolkengedanken
00
24.1.2012, 15:26

Sprachen entwickeln sich in einer Art, die eine Regelung durch irgendwelche Instanzen schwer bis unmöglich macht. Angestrebte weltweite Regelungen fallen sicher in den Bereich des Unmöglichen.

Im übrigen funktioniert doch Englisch als Weltsprache eh ganz gut. Auf jeden Fall sicher nicht schlechter als irgendeine andere natürliche Sprache. Und bis jetzt wurde keine einzige Kunstsprache auch nur von kleinen Gruppen angenommen und schon gar nicht weltweit.

Esperanto-clubs mit 25 Mitgliedern können da wohl nicht als Gegenbeweis dienen :)

widiwutsch
01
23.1.2012, 09:21
Esperanto 2.0

Globish wird wohl auch dessen Weg in die Versenkung gehen. Was soll denn sonst aus dem ganzen Sprachtourismus nach GB, IRL oder Malta werden?

Marie Sandoz
06
20.1.2012, 11:49
Ein uralter Hut!

Siehe: Basic English! Und der Erfolg von Basic English war gleich null, weil es vom Ansatz her nicht stimmt. Es gibt immer Leute, die besser Englisch können als andere. Und die kann man nicht dazu verpflichten in diesem Minimalcode zu kommunizieren. Damit wird es sinnlos.

Das soll aber nicht bedeuten, dass in der Realität nicht ein vereinfachtes Englisch als Lingua Franca existiert. Nur: es ist nicht normiert, Abweichungen nach unten und oben sind jederzeit möglich, wodurch sich sein praktischer Nutzen in Grenzen hält.

Es bleibt da nichts anderes übrig als Englisch zu lernen. Full-English, not Globish! Und das ist entsprechend aufwendig und zeitraubend.

TrickkisteX
09
20.1.2012, 10:26
Des glob isch nischt!

her wig
02
20.1.2012, 09:18
Bischt Globisch?

Neee, bin ausjetretn.

SterzinOz
03
19.1.2012, 23:46
Globish? Rubbish!

Das große Trara, mit dem die neueste Version einer aposteriorischen Hilfssprache auf der Basis des Englischen serviert wird, kann nicht davon ablenken, dass sie genauso erfolglos bleiben wird wie ihr Vorgänger Basic English. In dem Moment, wo eine Sprache von einer Sprachgemeinschaft als echtes Kommunikationsmittel über minimale Kommunikationsfelder hinaus verwendet wird, entwickelt sie sich und wird komplexer (Pidgins werden zu Kreolsprachen). Und wie bei allen Sprachen, die von räumlich und identitätsmäßig/kulturell getrennten Gemeinschaften geteilt werden, entwickeln sich plurizentrische Standards. - Fortsetzung -

SterzinOz
02
19.1.2012, 23:49
- Fortsetzung -

Schon jetzt kann man bei internationaler Globish-Kommunikaton höchstens von "Semi-Kommunikation" sprechen, wie sie zwischen Sprechern nordgermanischer Sprachen (Schwedisch/Norwegisch/Dänisch) in gewissen Domänen der Kommunikation einigermaßen funktioniert. Dazu genügen die bestehenden Varietäten der World Englishes.

Ben Hemmens
00
20.1.2012, 16:31
meine Rede.

anders and
 
10
19.1.2012, 23:01

Tatsächlich tritt Globish in der asiatischen, der afrikanischen und der europäisch-südamerikanischen Variante auf. Gegenseitiges Verständnis ist nicht immer so einfach.

Ben Hemmens
00
19.1.2012, 23:26
Englisch als Lingua Franca

(ich hab inzwischen nachgeschaut und gesehen, dass Globish a) eine geschützte Marke von Hrn. Nerriere ist und b) seine empirische Fundierung, falls vorhenden, nicht offengelegt wird, also ist es etwas anderes)

kommt in vielen Varianten vor und no na gibt es da Untergruppen. Sowohl was die Grammatik als auch den Wortschatz angeht stellt die Sprachwissenschaft aber einen recht konstanten Kern fest, also, mit ein bissl Mühe und aufeinander-zugehen sollte man sich auch über diese regionalen Varianten hinweg verständigen können (was ja auch offenbar gelingt).

Ben Hemmens
00
19.1.2012, 21:25
dass die Kommunikation unter Menschen, deren Muttersprache nicht Englisch ist, auf Englisch besser funktioniert, als wenn sich ein Muttersprachler mit einem Nicht-Muttersprachler unterhält.

Das gilt für viele Sprachen. Es hilft aber, wenn der Muttersprachler selbst die Erfahrung hat, eine Fremdsprache zu lernen. Damit steigt hoffentlich das Bewusstsein dafür, was für den anderen schwierig sein kann, zB viele Idiome.

Was den kleinen Kernwortschatz angeht, haben die Versuche, diesen zu definieren, eine lange Geschichte. Dank Korpusanalyse kann er jetzt empirisch bestimmt werden; da gibt es Listen wie die "Oxford 3000".

Dass nur 4% der Leute, die English sprechen, Native Speaker sind, ist eine sehr niedrige Schätzung, aber immerhin: die Entwicklung der Sprache bestimmen längst nicht mehr die Native Speaker (und schon gar nicht irgendeine zentrale Instanz), was eine interessante Situation ist.

Kahuna
00
19.1.2012, 20:47
Gorbach ist Globish Experte

SterzinOz
02
19.1.2012, 23:49
Gorbach schreibt Gorbish

(sprich: "garbage").

Miss Topisto
00
20.1.2012, 11:57
Gorbish - die neue Weltsprache

English is too small for me!

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