Was Trendforscher für die Arbeitswelt 2012 voraussagen
High-Speed-Studenten, künstliche Intelligenz und Manager als Trendsetter: Die Forscher des deutschen Zukunftsinstituts haben in ihrem neuen Trend-Report 2012 das soziokulturelle Stimmungsbild begutachtet und dabei auch aktuelle Trends in der Arbeitswelt gesammelt.
Künstliche Intelligenz bei Gehaltsverhandlungen
Ruft man heute in einem Callcenter an, muss man damit rechnen, dass der versteckte Ärger in der Stimme nicht verborgen bleibt. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass eine künstliche Intelligenz mithört und an der Art, wie wir sprechen, unseren emotionalen Zustand erkennt, schreiben die Forscher.
Die deutsche Fraunhofer-Gesellschaft hat sich die Anwendung einer ähnlichen Technologie zur Emotionswarnung bei Geschäftsbesprechungen patentrechtlich schützen lassen. Freilich noch Zukunftsmusik, aber nicht unmöglich: so könnte feinstes Zittern in der Stimme eines Verhandlungspartners bei Preis- oder Gehaltsverhandlung wahrgenommen und interpretiert werden.
Vom Individuum zum Digividuum
Die Autoren des Trend-Report fragen sich außerdem, ob sich aus dem "postmodern fragmentierten Individuum" über die elektronischen Datenbestände am Ende ein komplettes digitales Individuum, sozusagen das Digividium, errechnen lasse. Die Elemente der so genannten Me-Cloud wie E-Matching, E-Health oder E-Career mit Daten aus Recruiting- und Jobprofilen wie Lebenslauf oder Karrierewege könnten es möglich machen, ein ganzes Leben sichtbar zu machen. Ein Beispiel ist Facebooks Timeline. Smart Phones sorgen dafür, dass wir wandelnde Datenquellen sind. "Zunehmend werden wir das menschliche Sein erheben und erfassen", folgern die Forscher. Die Faszination laute "Self knowledge through numbers" mit der Konsequenz einer crowd-basierten Psychologie.
Generation Generosity in den Firmen
Laut Umfragen war die Bereitschaft Gutes zu tun, noch nie so hoch wie heute. Die erhöhte Engagementbereitschaft unterstreiche die Verbreitung von Idealen der "Generation Generosity", so die Trendforscher. Diese Entwicklung zeichne sich besonders unter Jungen ab.
Als neue Form des Ehrenamts identifizieren die Forscher das so genannte Mikro-Engagement: Online-Plattformen wie Sparked, Help From Home oder IfWeRanTheWorld decken verschiedene Interessen und Aufgaben ab. Damit können Menschen weltweit zusammenarbeiten und ihr Wissen für einen guten Zweck spenden - oder sich selbst ein Projekt ausdenken und andere dafür begeistern.
Auch für Firmen ist das interessant: 2011 ging mit Sparked Enterprise die erste Micro-Volunteer-Plattform für Firmen online und bietet diesen die Möglichkeit, Micro Volunteering für Corporate-Social-Responsibility-Programme, Marketing und PR-Zwecke sowie für Employee-Volunteer-Programme zu instrumentalisieren. Unternehmen wie Google, SAP und Kraft Foods nutzen dieses Tool bereits.
Manager als Trendsetter
Bis vor kurzen noch das Handy der Wahl bei Managern, wird das Blackberry unter Teenagern immer populärer. In den USA und England spricht man bereits von der "BB Generation". Dass ausgerechnet das Telefon gestandener Manager, steifer Banker und gestresster Meilenjäger zum neuen Statussymbol von 16-Jährigen werde, habe aber nur am Rande mit praktischen Vorteilen wie dem integrierten Messenger zu tun, mit dem man in Echtzeit gratis Chat-Nachrichten rund um den Globus schicken kann. Es sei vielmehr die professionelle Aura, die das Blackberry umgibt, meinen die Trendforscher.
Turbostudenten
Deutsche Studenten können schneller studieren: Das High-Speed-Programm der TU München ermöglicht es Studierenden, binnen eines Semesters den Lehrstoff des ersten und zweiten Fachsemesters zu absolvieren. Die meisten erhoffen sich vom schnellen Studium auch Vorteile bei späteren Bewerbungen um einen Job: Zügiger Start und Bachelorabschluss mit 22 Jahren gelte unter vielen Jugendlichen als Ausweis für Engagement und Leistungsbereitschaft.
Die Trendforscher glauben generell, dass es noch nie eine so ambitionierte Jugendgeneration wie heute gab und zitieren dazu ein Ergebnis des Trendmontors 2011: Auf die Frage "Wo werden Sie in zehn Jahren wohl am ehesten sein - im Chefsessel oder im Vorzimmer?" antworten immerhin 35 Prozent der 16- bis 25-Jährigen klar "im Chefsessel". (mat, derStandard.at, 9.1.2012)