Anklage fordert Todesstrafe gegen Mubarak

6. Jänner 2012, 18:15

Neben Exstaatschef auch für Exinnenminister und sechs Offiziere

Drei Tage lang hatten im Prozess gegen den ehemaligen ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak die Ankläger dem Gericht ihre Beweise vorgetragen. Sie zitierten Auszüge aus den Schilderungen von mehr als 2000 Augenzeugen. Mubarak sei politisch und juristisch für den Tod von Demonstranten verantwortlich, erklärte der Chefankläger Mustafa Suleiman.

Es sei irrational anzunehmen, er habe nicht gewusst, was geschehe. "Wenn sie nicht selbst die Befehle gegeben haben, wo war dann ihr Aufschrei über die Toten unter ihrem Volk" , richtete sich Suleiman direkt an Mubarak. Am Donnerstag forderte er die Todesstrafe für den 83-Jährigen.

Einsatz scharfer Munition

Das gleiche Strafmaß wurde für Exinnenminister Habib el-Adli und sechs hochrangige Sicherheitsoffiziere verlangt. Adli soll während der Revolution unter anderem den Einsatz von scharfer Munition auf Befehl von Mubarak angeordnet haben. Ein Anwalt Adlis hatte am Vortrag erklärt, der Staatsanwaltschaft sei es nicht gelungen, einen direkten Beweis für die Verbrechen der Angeklagten zu erbringen.

Vor Gericht stehen auch die beiden Söhne Mubaraks, Alaa und Gamal. Sie müssen sich wegen Korruptionsvergehen verantworten. Ihnen droht eine maximale Gefängnisstrafe von 15 Jahren.

Mubarak, der am 11. Februar 2010 nach fast 30 Jahren im Amt zurücktreten musste, wird seit Anfang August der Prozess gemacht. Er folgt den Verhandlungen auf einem Bett liegend. Wie schlimm sein Gesundheitszustand wirklich ist, ist nicht bekannt. Die Tage zwischen den Gerichtsterminen verbringt er in einem unweit des Gerichtsgebäudes gelegenen Militärspital, von wo er jedes Mal mit dem Helikopter herangeflogen wird.

Nach monatelangen juristischen Querelen, weil die Anwälte den Vorsitzenden Richter auswechseln wollten, kam das Verfahren erst Ende Dezember richtig in Gang. Mubarak muss sich für den Tod von 850 Personen verantworten, die im Laufe der 18-tägigen Demonstrationen ums Leben gekommen sind.

Angeklagt ist er auch für mehrere Korruptionsvergehen. Darunter insbesondere den Gasvertrag mit Israel, den er zu schlechten Konditionen abgeschlossen und deshalb dem Land geschadet haben soll. Am kommenden Montag und Dienstag wird der Prozess fortgesetzt. (Astrid Frefel aus Kairo/DER STANDARD, Printausgabe, 7.1.2011)

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Lady Pyrra of Danubien
 
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Ich verstehe.

Er soll hingerichtet werden, weil er mit Israel eine Geschäftsbeziehung eingegangen ist; und jetzt die Moslimbrüder am längeren Hebel sitzen.

Die Toten, die Korruption und so weiter, das hätte man alles hingenommen, aber die Fraternisierung mit dem Feind kann natürlich nicht akzeptiert werden.

strolch25
10
Internationaler Gerichtshof

Die Aussage man sollte ihn vor den internationalen Gerichtshof bringen ist insofern unsinnig, weil dort wartet man einfach bis er stirbt. (z.B. Milosevic)

wiesengarten
20
Die Vorführung Mubaraks als schwerkranke Person ist mehr als lächerlich

Der Mann ist nicht krank, wird aber so vorgeführt.
Auf diese Weise werden die AgyterInnen nicht befreit werden.

Dodelbert Engfuss
71
Absurdes Theater in Kairo

Mubarak hat sicher nicht den Befehl gegeben, 850 Demonstanten zu töten, sondern höchstens den Befehl, die Demonstrationen aufzulösen, notfalls mit Gewalt. Wärn's halt ham gang'n. Ändern wird sich in dem Land ohnehin nix, allenfalls wird es schlechter werden.

woifee 0.0
00

Jo genau, deshalb erst gar nicht versuchen. /ironie

M. P.1
02

"Ändern wird sich in dem Land ohnehin nix, allenfalls wird es schlechter werden."

Möglicherweise haben Sie damit recht (und nicht nur für Ägypten, sondern den anderen arabischen Ländern auch).

Möglicherweise ist's mit einer Revolution nicht getan, dass sich diese Länder wirklich zu demokratischen Rechtsstaaten entwickeln. Vielleicht braucht's 2 Revolutionen, 3 Revolutionen, vielleicht mehr.

Aber wenigstens eine Revolution sind sie jetzt mal weiter.

Hans Vogel
23
In einem großen

Teil der Welt, würde, Odama wenn man ihm habhaft werden würde, als Kriegsverbrecher angeklagt und hingerichtet werden. Er hat mehr Menschen umbringen lassen als Mubarak!

Der Waehlerwille
 
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aso?

Sie wissen aber schon was ein Kriegsverbrechen ist?

BJ örk
00

und wieso obama?

günter55
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Wer ist Odama?

Steak vom Milchlamm
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War ja zu erwarten,

ist ja genau so ein rückständiges Land wie die USA.

Alder
 
01

Erinnert sich noch jemand an Omar Suleiman, den folternden Geheimdienstchef? Von dem spricht niemand mehr. Hier soll doch nur der Kopf vom alten Mübareck rollen um die Köpfe im Hintergrund zu schützen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Omar_Suleiman

gebdensenfdazu
03

Ich verstehe das nicht, der Typ ist 83 Jahre alt, den schieben sie schon auf der Bahre rein, wollen sie den im liegen erhängen erschießen?
Zur Abschreckung für den kommenden Diktator?
Die Toten bringts auch nicht zurück.

karl radek1
08
Für die todesstrafe gibt es keine Rechtfertigung

Dennoch ist das gegenüber Libyen ein Fortschritt.
Den libyschen Revolutionsführer hat die Meute stante pede liquidiert.

Noch ist Mubarak nicht hingerichtet. Aus der Verantwortung für die Massenmorde kann das Tribunal den Expräsidenten jedoch nicht entlassen. Das wäre ein verhängnisvolles Signal.

02515151541
24
sicher und

wann werden die demonstraten die sich
zum sturm des präsidentenpalastes zusammengerottet haben angeklagt?

hat man die verantwortlihen für die zahlreichen piplineanschläge schon gefunden?

was ist eigentlich mit den leuten die polizeistationen
angezündet haben..? oder andere gebäude?

hmmm...

und die todestrafe fordern ist ja voll demokratisch....

Hans Klade2
41

Mubarak stand in der Gunst Amerikas und Israels. So geht Amerika mit jenen Regierungschefs um, wenn sie ihnen im Moment nicht mehr nützen. Sie werden fallen gelassen. Außerdem ist Mubarak ein Geheimnisträger, der besser zum Schweigen gebracht werden soll. Ein Schuldiger muss gefunden und geopfert werden, um den Hass des aufgehetzten Volkes zu kühlen.

Pele_2008
14
Wenn jetzt alle Leute, die im arabischen Frühling angeblich für tote verantwortlich sind

selbst zum Tode verurteilt werden sollen, werden die Henker dort viel zu tun haben und die bevoelkerungsdichte ziemlich minimiert werden.
In Aegypten müssen dann ja nach Mubarak und seinen Leuten gleich die jetzige Militärregierung dran sein, in Libyen nach den Gaddafi-Leuten gleich die "Rebellen" (vor allem natürlich jene, die Gaddafi abgeschlachtet haben), in Syrien kann man noch abwarten, ob sie sich nicht gegenseitig umbringen usw. Und dann muss man natürlich noch darüber diskutieren, wen man für die toten bei den Hilfseinsätzen in Libyen zum Tode verurteilt - sarkoezi zB.

Das ganze Theater dort wird von Tag zu Tag absurder.
Und die Todesstrafe ist jedenfalls abzulehnen!

Dark Angel
 
33

dass die Todesstrafe an sich (nicht nur in Ägypten) abzulehnen ist, da stimme ich Ihnen zu. Dennoch bin ich der Meinung, dass den Verantwortlichen für das Massaker an den Demonstranten die Höchststrafe aufgebrummt gehört.

Pele_2008
00
Ich glaube nicht an DEN Verantwortlichen.

Ich bin der Ansicht, dass es für Eskalationen immer mehrere verantwortliche gibt: jemanden, der Befehle gibt; jemanden, der sie weitergibt; jemanden, der sie ausführt. Und dann muss es ja auch noch jemanden geben, der den Menschen einredet, wenn sie ihr Staatsoberhaupt beseitigen, ändert sich ihre Situation - was, wie wir gerade in Ägypten sehen, ein Märchen ist. Eines der faszinierendsten Dingen an diesem arabischen Frühling ist für mich, dass man den Menschen tatsächlich einreden kann, wenn sie eine Person beseitigen, ändern sich ihre Lebensumstände. Was eben nicht so ist: wirtschaftliche Verhältnisse lassen sich nicht durch das beseitigen eines staatsoberhauptes ändern - auch wenn Karim el gawhary uns das einreden will.

Hört auf mich
14

Sie sind ein Scherzbold!
Sie lehnen die Todesstrafe ab, aber verlangen gleichzeitig die Höchststrafe (in Ägypten die Todesstrafe).

byron sully
22

man sollte solche leute vor den internationalen gerichtshof bringen. dort ist die gerechte strafe für derartige verbrechen lebenslang und nicht die barbarische todesstrafe.

Standard deviation
00
Nicht schlüssig!

Mubarak werden Verbrechen gegen das eigene Volk
vorgeworfen. Daher ist es nur folgerichtig, dass er
sich vor einem nationalen Gericht zu verantworten
hat. Lebenslänglich ist übrigens nicht weniger grausam als die Todesstrafe, wenn es tatsächlich
lebenslängliche Verwahrung bedeutet.

byron sully
00

es ist zwar richtig, daß der internationale strafgerichtshof der strafverfolgung auf nationaler ebene den vorrang gibt (sofern diese möglich ist), allerdings ist laut statuten natürlich auch erlaubt, verbrechen auf rein nationaler ebene zu verhandeln.

und nein, ich finde lebenslang auf jeden fall humaner und zivilisierter als die todesstrafe.

DuesselDoofer
00
andere Länder,...

andere Sitten.

Lg

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