Neben Exstaatschef auch für Exinnenminister und sechs Offiziere
Drei Tage lang hatten im Prozess gegen den ehemaligen ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak die Ankläger dem Gericht ihre Beweise vorgetragen. Sie zitierten Auszüge aus den Schilderungen von mehr als 2000 Augenzeugen. Mubarak sei politisch und juristisch für den Tod von Demonstranten verantwortlich, erklärte der Chefankläger Mustafa Suleiman.
Es sei irrational anzunehmen, er habe nicht gewusst, was geschehe. "Wenn sie nicht selbst die Befehle gegeben haben, wo war dann ihr Aufschrei über die Toten unter ihrem Volk" , richtete sich Suleiman direkt an Mubarak. Am Donnerstag forderte er die Todesstrafe für den 83-Jährigen.
Einsatz scharfer Munition
Das gleiche Strafmaß wurde für Exinnenminister Habib el-Adli und sechs hochrangige Sicherheitsoffiziere verlangt. Adli soll während der Revolution unter anderem den Einsatz von scharfer Munition auf Befehl von Mubarak angeordnet haben. Ein Anwalt Adlis hatte am Vortrag erklärt, der Staatsanwaltschaft sei es nicht gelungen, einen direkten Beweis für die Verbrechen der Angeklagten zu erbringen.
Vor Gericht stehen auch die beiden Söhne Mubaraks, Alaa und Gamal. Sie müssen sich wegen Korruptionsvergehen verantworten. Ihnen droht eine maximale Gefängnisstrafe von 15 Jahren.
Mubarak, der am 11. Februar 2010 nach fast 30 Jahren im Amt zurücktreten musste, wird seit Anfang August der Prozess gemacht. Er folgt den Verhandlungen auf einem Bett liegend. Wie schlimm sein Gesundheitszustand wirklich ist, ist nicht bekannt. Die Tage zwischen den Gerichtsterminen verbringt er in einem unweit des Gerichtsgebäudes gelegenen Militärspital, von wo er jedes Mal mit dem Helikopter herangeflogen wird.
Nach monatelangen juristischen Querelen, weil die Anwälte den Vorsitzenden Richter auswechseln wollten, kam das Verfahren erst Ende Dezember richtig in Gang. Mubarak muss sich für den Tod von 850 Personen verantworten, die im Laufe der 18-tägigen Demonstrationen ums Leben gekommen sind.
Angeklagt ist er auch für mehrere Korruptionsvergehen. Darunter insbesondere den Gasvertrag mit Israel, den er zu schlechten Konditionen abgeschlossen und deshalb dem Land geschadet haben soll. Am kommenden Montag und Dienstag wird der Prozess fortgesetzt. (Astrid Frefel aus Kairo/DER STANDARD, Printausgabe, 7.1.2011)