Roamingvertrag von "3" mit A1 für ländliche Versorgung läuft voraussichtlich Anfang 2013 aus
Österreichs Mobilfunkmarkt gilt als einer der hartumkämpftesten der Welt. Vier Betreiber matchen sich mit niedrigen Pauschaltarifen und günstigen Smartphones um die Handytelefonierer. Nach Meinung der größten drei Anbieter A1, T-Mobile und Orange gehört der Markt konsolidiert - sie würden gerne den kleinsten Anbieter Hutchison 3G Austria ("3") von der Bildfläche verschwinden sehen, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Der Hongkonger Konzern denkt nicht im Traum an den Rückzug, hat er doch in den vergangenen Jahren große Summen in das UMTS-Netz (3G) investiert. Gestern gab "3" zudem eine Netzpartnerschaft mit T-Mobile bekannt. Dies ist nicht die einzige Technikkooperation zwischen den heimischen Mobilfunkern. Sinkende Margen durch hohen Preisdruck zwingen zur Zusammenarbeit bei der Netznutzung. Den Kunden sollen dabei keine Unannehmlichkeiten entstehen, wird versichert.
"National Roaming Abkommen"
T-Mobile und "3" haben nun ein "National Roaming Abkommen" geschlossen. Ab Mitte 2012 helfen sich die Provider gegenseitig bei der Netzabdeckung im ländlichen Raum. "3" kann das 2G-Mobilfunknetz von T-Mobile nutzen und T-Mobile das 3G-Netz von "3".
Eine weitere Kooperation gibt es seit April 2011 zwischen Orange und T-Mobile. Die Nummer zwei und die Nummer drei am Markt wollen sich beim UMTS-Netzausbau am Land Antennen und Kosten teilen, die erhoffte Ersparnis wurde mit jeweils 30 Mio. Euro beziffert.
Branchenprimus vom Thron gestoßen
Das größte UMTS-Netz in Österreich nach Branchenschätzung betreibt "3" - die 3G-Abdeckung beträgt rund 90 Prozent. Dafür hat der Konzern in den vergangenen Jahren auch tief in die Tasche gegriffen - und vor kurzem die Ernte eingefahren: Im Handynetztest der renommierten deutschen Fachzeitschrift "Connect" stieß "3" den Branchenprimus A1 knapp vom Thron.
Apropos A1: Die neue Kooperation zwischen den Konkurrenten dürfte dem Marktführer einiges an Einnahmeneinbußen bescheren. "3" zahlt A1 nämlich momentan einige Millionen im Jahr für die Nutzung des GSM- bzw. GPRS-Netzes von A1. Der entsprechende Vertrag besteht seit 2003 und wird voraussichtlich Anfang 2013 auslaufen, wie eine "3"-Sprecherin der APA am Donnerstag bestätigte. Zu den Nutzungsgebühren wollten sich die beiden Konzerne nicht äußern. "Vertragsinhalte geben wir nicht bekannt", so eine A1-Sprecherin.
Konsolidierung am Mobilfunkmarkt
Brancheninsider schließen nicht aus, dass es vor allem in der Übergangsphase vereinzelt zu Empfangsproblemen kommen könnte, sei doch die Umstellung technisch relativ aufwendig. Die Unternehmen freilich versichern, dass der Kunde von den Umstellungen nichts merken wird. "Heuer ändert sich für '3'-Kunden gar nichts", hieß es bei Hutchison. 2012 greife "3" noch das ganze Jahr auf das A1-Netz zu. Die Kooperation mit T-Mobile startet daneben Mitte 2012. "Bis dahin werden die Netze aufeinander abgestimmt", erklärte eine T-Mobile-Sprecherin. "Unsere Kunden werden nicht merken, in welchem Netz sie telefonieren", versicherte auch die Tochter der Deutschen Telekom. "Wir rechnen mit überhaupt keinen technischen Problemen." An dem "National Roaming Abkommen" werden weder "3" noch T-Mobile groß verdienen, wie es heißt.
Sicher ist, dass die Konsolidierung am heimischen Mobilfunkmarkt weitergeht. Selbst die kolportierte Übernahme von Orange durch "3" ist mit dem neuen Netzabkommen nicht vom Tisch. Im Gegenteil. Branchenkreisen zufolge könnte der Deal schon fast in trockenen Tüchern sein. Aus Wettbewerbsgründen soll der Hongkonger Konzern dann die Orange-Billigmarke Yesss! sowie zahlreiche Funkstationen an A1 weiterverkaufen, hieß es Medienberichten.
Kunden profitieren vom harten Wettbewerb
Vom harten Wettbewerb hierzulande profitieren vor allem die Kunden; in Österreich ist Handytelefonieren viel günstiger als etwa in Deutschland, weswegen das Mobiltelefon auch recht intensiv genutzt wird. Im ersten Quartal 2011 (aktuellste Zahlen, Anm.) hat der durchschnittliche Mobilfunkkunde laut Telekomregulierungsbehörde RTR 446 Minuten telefoniert, 139 SMS und eine MMS verschickt. Rasant im Steigen ist der Datenkonsum: Das konsumierte Volumen belief sich in dem Zeitraum auf 717 MB, das ist ein Plus von 19,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal.
Die Mobilfunkbetreiber haben im ersten Quartal 2011 im Schnitt 48 Euro Umsatz mit einem Kunden gemacht - 3 Euro weniger als im Vorquartal. Puncto Marktanteile hat sich in dem Zeitraum nicht viel getan. Nummer eins blieb klar A1 Telekom Austria (inklusive bob) mit 5,145.000 Kunden bzw. einem Marktanteil von 41,3 Prozent. Dahinter folgte T-Mobile (inklusive tele.ring) mit 3,832.000 Kunden (30,8 Prozent). 18,7 Prozent oder 2,330.000 Teilnehmer telefonierten mit Orange (inklusive Yesss!), "3" zählte 1,141.000 Kunden (9,2 Prozent). (APA)