Kleine Kugeln sollen Treibstoff-Explosionen verhindern

8. Jänner 2012, 20:07
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Niederösterreichische Firma bringt "Safeballs" im Jänner auf den Markt

Hirtenberg - Ein österreichischer Erfinder will mit kleinen Kugeln für Furore sorgen: Das niederösterreichische Unternehmen "Safeball Technology GmbH" hat eine Methode entwickelt, die die Gefahr von Explosionen bei Treibstoff- und Gas-Transporten deutlich verringern soll. die Kugeln, sogenannte "Safeballs", in Treibstofftanks oder Gasflaschen verhindern nach Firmenangaben das Zünden von explosionsfähigen Gasgemischen.

Das neue System beruht auf rippenartig aufgebauten Kugeln mit einem Durchmesser von 30 Millimetern, die leicht und gleichzeitig stabil sind. Damit die Kugeln ihre Wirkung entfalten, müssen die Behälter komplett mit ihnen gefüllt werden, wie Unternehmensgründer Thomas Stelzl ausführte. Der Volumens- und somit auch der Reichweitenverlust würde aber trotzdem nur etwa sechs bis sieben Prozent betragen.

Keine Gefahr mehr dank "Quenching"

"Eine mit Safeballs gefüllte Gasflasche kann nicht explodieren", ist Stelzl sicher, die Explosion werde bereits im Entstehungsstadium verhindert. Die physikalischen Vorgänge bei einer Explosion seien mit einer Wasserwelle vergleichbar, die sich annähert. Es handle sich um ein Druckgebilde, das durch die Kugeln "in Millionen von nicht mehr gefährlichen Druckwellchen" unterteilt werde. Die Kettenreaktion werde durch die Safeballs unterbunden, dieser Vorgang wird als "Quenching" bezeichnet.

Der mit Unterstützung der Firma Bayer für die "Safeballs" entwickelte Werkstoff sei ein "Metall-Kunststoff-Hybrid", der "das Beste aus diesen zwei Welten vereint", so Stelzl. Aufgrund ihrer Zusammensetzung seien die Kugeln sehr leicht, verrottungsfest, hitzebeständig, elektrisch leitend - wodurch sich der Behälter statisch nicht aufladen soll - und trotz ihrer nur etwa einem halben Millimeter dicken Wände auch sehr stabil.

Stelzl beschäftigt sich seit 20 Jahren mit explosionsverhindernden Füllmaterialien und hat "als Nicht-Techniker begonnen, zum Techniker zu werden". Der Hintergrund für seine Überlegungen war, dass mit bisherigen Systemen, wie etwa wabenförmigen Aluminiumnetzen, Tankexplosionen nicht immer verhindert werden konnten.

Anwendung im militärischen Bereich

Ein großes Anwendungsgebiet sei der militärische Bereich. Die Safeballs sollen vor allem in Tanks von Land-, Wasser- und Luftfahrzeugen in Krisen- und Kriegsgebieten eingesetzt werden. Es gibt nach Ansicht des Unternehmens aber eine Vielzahl weiterer Vorteile und Anwendungen. So enthalten die "Safeballs" Silberionen, die die Bildung von Pilzen, Bakterien und Algen in Tanks verhindern. Zudem könnten die Kugeln mit einem Brandlöschgel befüllt werden, das im Brandfall freigesetzt wird.

Die Markteinführung soll im Jänner erfolgen. "Wir wissen ehrlich gesagt nicht, wie groß der Auftragseingang sein wird", so der Unternehmensgründer. Aufgrund von Vorgesprächen mit Experten erhofft sich das Start-up-Unternehmen aber einen großen Markt. "Der Bayer-Konzern hat diese Technologie selbst als eine der interessantesten der letzten zehn Jahre bezeichnet", so Stelzl.

Die Gründung des Unternehmens geht auf die Initiative der im militärischen und zivilen Sektor tätigen Hirtenberger AG zurück, die auch die Lizenzrechte an den "Safeballs" hält. Mit an Bord ist auch Niki Lauda, der mehr als 15 Prozent an der Firma hält. Im Vorjahr erhielt das Unternehmen für ihre Erfindung den niederösterreichischen Innovationspreis. (APA, red)


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Safeballs

  • Die kleinen gerippten Bälle sollen Explosionen von Treibstofftanks verhindern.
    foto: safeball technology gmbh

    Die kleinen gerippten Bälle sollen Explosionen von Treibstofftanks verhindern.

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