Tschechien

Japaner "gefährdet" Einführung direkter Präsidentenwahl

5. Jänner 2012, 13:10

Popularität des Unternehmers macht Senatoren bange - Zweite Parlamentskammer beschloss Verfassungsänderung noch nicht

Prag - Die Einführung einer Direktwahl des tschechischen Staatspräsidenten durch das Volk scheint wieder in Gefahr zu sein, obwohl eine entsprechende Verfassungsänderung vom Abgeordnetenhaus bereits beschlossen wurde. Noch fehlt die Zustimmung des Senats, wobei mehrere Mitglieder der zweiten Parlamentskammer darüber Bedenken äußern. Es bestehe das Risiko, meinen sie, dass die Wähler keinen professionellen und erfahrenen Politiker, sondern einen populären Medienstar an die Staatsspitze wählen könnten.

Diese Bedenken wurden laut, nachdem der in Tschechien sehr bekannte tschechisch-japanische Unternehmer Tomio Okamura mehrere unverbindliche Internet-Abstimmungen gewonnen hatte bzw. in ihnen auf Platz Zwei gelandet war. Der 39-jährige Okamura, dessen Mutter Tschechin und dessen Vater Japaner ist, genießt den Ruf eines erfolgreichen und ehrlichen Unternehmers. Seine Popularität ist auch auf seine häufigen Auftritte in Medien als Sprecher der tschechischen Vereinigung von Reisebüros zurückzuführen. Für Aufmerksamkeit begann er einst damit zu sorgen, dass er perfekt Tschechisch spricht, obwohl er ein eindeutig asiatisches Aussehen hat.

Karel Gott?

"Ich sage es ganz klar: Wenn ich lese, dass Herr Okamura Präsident werden könnte, verschlechtert das uns (Senatoren) die Bedingungen für die Debatte über die Einführung der Direktwahl", sagte der Fraktionschef der oppositionellen Sozialdemokraten (CSSD), Petr Vich, dessen Partei über die absolute Mehrheit im Senat verfügt. "Es wird daraus ein bisschen eine Clownerie gemacht", warnte er weiter in Anspielung darauf, dass in den Internet-Abstimmungen auch der heimische Schlagerstar Karel Gott auftauchte.

Andere Senatoren argumentieren damit, dass die direkte Wahl in Tschechien keine Tradition habe. Die tschechoslowakischen und tschechischen Staatschefs seien immer vom Parlament gewählt worden. "Bisher habe ich keine Gründe für die direkte Wahl gehört - außer dem, dass die Öffentlichkeit es wünscht", meinte ein Senator der konservativen Demokratischen Bürgerpartei (ODS), Jaroslav Kubera, in Anspielung auf eine Umfrage von 2010, in der sich drei Viertel der Teilnehmer dafür ausgesprochen hatten.

Premier: "Es war doch klar"

Laut Premier Petr Necas (ODS) waren die Probleme mit der Einführung der direkten Präsidentenwahl zu erwarten. "Es war doch klar, dass eine ganze Reihe von eigenartigen Figuren auftaucht", meinte er. Er werde sich trotzdem für die Verfassungsänderung einsetzen, damit bereits der nächste Staatschef Anfang 2013 vom Volk gewählt werden könne. Necas wirft sonst der CSSD vor, dass es vor allem sie sei, die die Einführung der direkten Präsidentenwahl nicht wünsche. "Wir haben sie dazu im Abgeordnetenhaus bewogen, jetzt suchen sie aber einen Fluchtweg", so Necas in Anspielung darauf, dass im Unterhaus die CSSD erst im letzten Moment den Entwurf der Koalition unterstützte.

Kritiker werfen der CSSD vor, an einer Direktwahl derzeit nicht interessiert zu sein, weil die Linke bei einer eventuellen Wahl des Präsidenten bei einer gemeinsamen Sitzung beider Parlamentskammern wie bisher über eine Mehrheit verfügen und die Wahl ihres Kandidaten zum Staatschef durchsetzen könnte. Ihre absolute Mehrheit im Senat könnte die CSSD bei den Teil-Senatswahlen im Herbst 2012 noch so weit ausbauen, dass dies auch ihre Minderheitsposition im Unterhaus ausgleichen würde, fürchtet die Koalition. Die CSSD wies den Vorwurf strikt zurück und erklärte, Gegner der direkten Wahl gebe es in allen Parteien.

Zweite Kammer würde einzige reale Vollmacht verlieren

Die Befürchtungen um die Zustimmung des Senats sind laut Medien auch darauf zurückzuführen, dass die Senatoren ihre einzige reale Vollmacht verlieren würden. Die zweite Parlamentskammer kann zwar Gesetzentwürfe ablehnen, das Abgeordnetenhaus kann das Veto jedoch überstimmen, was auch oft passiert. "Senat aufheben!", war die am meisten unterstützte Leserreaktion unter einem Artikel auf einer Nachrichtenseite, der über die Bedenken der Senatoren über die Direktwahl des Staatsoberhauptes berichtete. Unterdessen wurde bekannt, dass der Senat sich mit der direkten Wahl nicht im Jänner wie geplant, sondern erst im Februar befassen wird.

Okamura versucht unterdessen, die Politiker zu beruhigen. Seine Kandidatur stehe "nicht auf der Tagesordnung", sagte er. Ganz ausgeschlossen hat er sie aber auch nicht, zunächst würde er aber die Wählergunst bei anderen Wahlen, etwa bei Senatswahlen, testen. Im Zusammenhang mit den Ergebnissen der Internet-Befragungen ließ er aber sagen: "Es ist ein grauenvolles Signal für die jetzigen politischen Repräsentanten, weil keiner von den von politischen Parteien vorgeschlagenen Kandidaten sich auf Platz Eins platziert hat. Aus den Umfragen geht hervor, dass die Leute ein neues und starkes Gesicht in der Politik wünschen." (Petr Senk, APA)

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hubsi55
 
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11.3.2012, 21:18
glaubt wirklich jemand

dass tschechien demokratisch ist - die korrupe b ande hat nur angst,dass jemand ihnen auf die finger klopft !

Urquell
01
Wie immer, geht es im Grunde nicht um das, worüber diskutiert wird, also um eine Form der Wahl. Ein System hat am "Anfang", d.h. nach 1989, einige Vorgänge und Machtverteilung eingestellt. Ausgleicht.

Urquell
00
Folge I

Nun wird an diesem System gebastelt. Ich sage nicht, dass dieses System einwandfrei ist. Ich bin nur höchstenst besorgt, wenn nich sehe, wer an diesem System herumwerkelt. Die Typen im Parlament produzieren soviel Käse (um nicht Schei.e zu schreiben), die schwerwiegende Fehler beinhaltet, die ständig repariert werden muss, die den Firmen auf die Hand geht wegen den Lobbyisten, die die Steuerhinterziehung leicht macht und sogar fördert! Da habe ich wirklich Angst, was in dem Billigungsprozess noch reingeschmugelt wird. Und dass es nichts gutes sein muss, zeigt momentan Ungarn. So einfach ist es eine Verfassung zu Ändern. Das System sieht vor, dass das Parlament den Presidenten wählt.

Urquell
01
Folge II

Die Jungs unter sich sagen ihm: du hast unsere Stimme, wenn du dies und dies machst. Mit "dies" sind seine Ernennungsbevolmächtigungen gemeint, kontrasigniert/Bindend oder nicht/Eigenständige. Mehrunter http://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C... chechien). Die Spielchen nach den Wahlen, eröffnunegn der Parlament Sitzungen oder Parlament Auflösungen und sonstiger Kram. Was aber wirklich bedenklichh ist, sind das Kontrollamt und die Mitglieder des Bankrates der Tschechischen Nationalbank sowohl auch Ernennung der Richter des Verfassungsgerichts, dessen Präsidenten und die Vizepräsidenten. Da kann das System geschwächt werden zugunsten der Regierung oder gar Parlaments - ist die Frage was schlimmer ist.

Lt K.....
01
"dass die Wähler keinen professionellen und erfahrenen Politiker, sondern einen populären Medienstar an die Staatsspitze wählen könnten"

blablabla...

das fände ich nicht beängstigend, im Gegenteile - weniger altgediente Standeskünstler, mehr gescheite Leute braucht das Land

don't follow me
01

In Österreich wär die Boulevardzeitung dagegen..

bläh! bläh!
01

in einem unbekannten land,
vor gar nicht allzu langer zeit...

Ergates faber
01
erfolgreich und ehrlich?

das geht ja gar nicht wenn man in der Politik was werden will!

peter schmidt
 
115
tja eine weitere folge des kommunismus.

im vergleich zum durschnittlichen osteuropäer ist der wiener hausmeister ein multikulti freak. rassismus und geradezu unfassbare aussagen über zigeuner hört man sogar von osteuropäischen akademikern in rauher menge.

Z. Ristic
00
13.1.2012, 15:01

Ist Sarrazin und Folgschaft auch kommunistisch gewesen?

Urquell
00
Sehr geehrter Herr Schmidt! Wenn Sie den Aniziganismus erwähnen, würde ich Ihnen mal vorschlagen siche ein Paar dieser Menschen als Nachbarn zuzulegen. Eine Familie genügt.

Dann werde ich mal langsam zu zahlen beginnen, wie lange sie dieses multikulti Zusammenleben aushalten.
Als ein Vorgeschmack empfehle ich Ihnen sich in Youtube das Schtichwort "dobrovodsky malacky" einzugeben. Klar ist, dass so nicht alle leben, jedoch auch dies ist die Realität, die dann zum Antiziganismus beiträgt. Frage ist ob sich das auswächst und wann eigentlich.
http://www.youtube.com/watch?v=8AUxwxHjmvk

h 90
12

also wenn das Volk einen halben Japaner zum Praesidenten waehlen will zeugt das von Rassismus?
Wenn wir einen oesterreichischen Deppen zum Praesidenten waehlen zeugt das wovon?

Herr Wenzel
05

was hat der kommunismus mit dem antiziganismus zu tun? und was der antiziganismus mit herrn okamura?
hier geht es um politik: die großen parteien fürchten um ihre macht.

Jürgen Rembremerding
00
"was hat der kommunismus mit dem antiziganismus zu tun? "

Das da?

http://www.spiegel.de/politik/a... 10,00.html

Z. Ristic
00
13.1.2012, 15:05

Ach so. Und die Zwangsstrilisation von Schwarzen ist ein Auswuchs der Demokratie?

http://www.spiegel.de/panorama/... 09,00.html

Rudolfo Karellowitsch
00
13.1.2012, 16:45

Und der Kommunismus geht mit seinen Regimegegnern zimperlicher um?

Können wir uns darauf einigen das ALLE Regime ausufern wenn sie nicht genügend überwacht und Unregelmäßigkeiten zeitnah korrigiert werden?

Z. Ristic
00
13.1.2012, 16:47

Zur Abwechslung können wir hier einer Meinung sein.

Rudolfo Karellowitsch
00
13.1.2012, 21:37

Na schau, geht doch ;-)

peter schmidt
 
51
Es ist einfach empirisch.

Vergleichen Sie z.b. das Niveau an Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in Deutschland zwischen früherer BRD und früherer DDR. Oder zwischen benachbarten (und früher sogar in einem Reich zusammengefassten) Ländern wie Österreich vs. Ungarn.

Oder den Unterschied Skandinavien vs. baltische Staaten.

Der kommunistische Block ist bezüglich solcher Fragen einfach irgendwo in den 40igern hängengeblieben während man im Westen sich entwickelt hat.

Das wird noch einige Jahre oder Jahrzehnte dauern bis sich das angleicht.

Auch der politische Extremfall NK hat eine Bevölkerung die in unfassbarer Weise rassistisch motiviert ist (allerdings scheint dies Teil der Staatsideologie zu sein und werden die Leute damit offenbar bombardiert).

Z. Ristic
00
13.1.2012, 15:09

Na sicher. Lesen Sie mal hier die Kommentare:

http://www.pi-news.net/

Von Breivik, Döner-Morden, etc. will ich erst gar nicht anfangen.
Und Ihrer "Empirie" ergänzend: http://www.spiegel.de/wikipedia... ismus.html

Andrei Tchoubrikov
02

1. in den 40igern hängengeblieben
Die MOEL in den 40igern koennen Sie wohl kaum mit Nazi-Deutschland vergleichen

2. während man im Westen sich entwickelt hat
"entwickelt" ist stark uebertrieben -- waehrend man in Osteuropa (bis hin nach Kasachstan) ganz klar die offizielle Propaganda von den "Kuechengespraechen" trennte (und so - schizofren, aber dennoch effektiv - das eigene Denkvermoegen bewahrte), wurde der sog."Westen" im amerikanischen Political Correctness ersoffen und mundtot gemacht.

Die Propaganda drang (schoen verpackt,und in Butter eingeschmiert) bis in die letzte Hirnzelle, so dass heute bloss paar Propagandaslogans und -bilder noetig sind, um den Wessi auf die noetige (Meinungs-)Linie zu bringen.

Tacheles reden,"Genosse" !

Herr Wenzel
00
kommentar III

es ist meiner ansicht nach deshalb korrekt zu sagen, dass z.b. tschechen xenophober sind als österreicher. xenophobie und minderheitenfeindlichkeit ist in ganz europa weit verbreitet. die einen sagen es offen und geben es offen zu (was es nicht besser macht), die anderen spielen theater und in der wahlkabine zeigen sie ihr wahres gesicht.

peter schmidt
 
00
Möglich,dass es so ist.

Setzt aber immerhin schon einen ganzen Schritt an Fortschritt voraus. Wer seinen Rassismus nach aussen hin verleugnet hat zumindest schon mal verstanden, dass das etwas schmutziges und nicht gern gesehenes ist. In Ungarn völlig unnötig. Dort einfach common sense.

Herr Wenzel
00
korrektur von kommentar III

* ich meinte natürlich:

"es ist meiner ansicht nach deshalb NICHT korrekt zu sagen, ... "

:)

Herr Wenzel
00
kommentar II

die österreicher hingegen geben selten öffentlich zu, dass sie die "ausländer" nicht mögen und geben sich tolerant, in der wahlkabine machen sie dann allerdings ihr kreuzerl bei der fpö (die extrem xenophobe und minderheitenfeindliche wahlkämpfe führt).
zu skandinavien (von ihnen angesprochen): die bevölkerung gibt sich besonders weltoffen, tolerant und multi-kulti, doch xenophobie ist auch dort weit verbreitet. man beachte die erfolge von rechtsnationalen (rechtsradikalen) parteien in dänemark, schweden, usw.
auch in den gar so "offenen" multi-kulti niederlanden, belgien, usw. fahren die rechtspopulistischen parteien große erfolge ein.

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