Euro stürzt ab

Comeback der Schulden­krise am Finanzmarkt

5. Jänner 2012, 18:50

Mailand/Frankfurt/Wien - Die Schuldenkrise hat die Märkte am Donnerstag wieder fest im Griff. Besonders Finanztitel gerieten stark unter Druck. Die Aktie der italienischen Großbank UniCredit kam hart unter die Räder. Im Späthandel notierte das Papier mit 4,50 Euro, das ist ein Abschlag von 16,86 Prozent zum Vortages-Schluss. Zuvor war das Papier im Handelsverlauf mehrfach vom Handel an der Mailänder Börse ausgesetzt worden.

Am Mittwoch waren Details zu der am kommenden Montag startenden Kapitalerhöhung bekanntgeworden. Demnach können Investoren die neuen Aktien der Bank Austria-Mutter mit einem Abschlag von mehr als zwei Drittel zum Schlusskurs vom Dienstag kaufen. Die Aktie war daraufhin bereits am Mittwoch fast 15 Prozent eingebrochen. 

Die UniCredit braucht das Geld, um eine kürzlich von der EU-Bankenaufsicht EBA ausgemachte Lücke von 8 Mrd. Euro Eigenkapital zu stopfen. Institutschef Federico Ghizzoni zeigte sich gegenüber der Zeitung "Il Sole 24 Ore" optimistisch, dass seine Bank die angebotenen Aktien fast vollständig am Markt unterbringen können werde. 

ATX im Minus

Bankenaktien standen am Donnerstag aber in ganz Europa massiv unter Druck und drückten die Indizes am Berichtstag europaweit in den Minusbereich. Nach einem sehr schwachen Börsenjahr 2011 mit einem ATX-Jahresverlust in der Höhe von 35 Prozent, ging es in der ersten Handelswoche 2012 nicht merklich nach oben und der heimische Leitindex schloss etwa auf seinem Jahresultimostand von 2011. Am morgigen Freitag wird in Wien feiertagsbedingt nicht gehandelt. 

Abgeschlagen am unteren Ende der Kursliste schlossen die heimischen schwergewichteten Bankenpapiere. Erste Group-Titel verabschiedeten sich mit einem satten Minus von 9,03 Prozent auf 12,44 Euro aus der Börsensitzung. Den Raiffeisen-Papieren erging es mit einem Kursabschlag von beachtlichen 6,25 Prozent auf 18,90 Euro nicht viel besser.

Gerüchte um Deutsche Bank

Ein Marktteilnehmer sagte, dass es sogar Gerüchte um die Deutsche Bank gebe. Demnach könnte sogar der deutsche Branchenprimus eventuell frisches Geld benötigen. Ein Sprecher der Deutschen Bank sagte: "Marktgerüchte kommentieren wir nicht." Börsianer bezeichneten diese Spekulation allerdings als sehr unwahrscheinlich. Die größte deutsche Bank braucht nach Vorgaben der Europäischen Bankenaufsicht EBA rund 3,2 Mrd. Euro. Bisher trauen die meisten Experten der Bank allerdings zu, dass sie ihr Versprechen, dies aus eigener Kraft zu schaffen, halten kann.

Anders sieht es bei der deutschen Commerzbank aus. Die bereits teilverstaatlichte Commerzbank braucht rund 5 Mrd. Euro. Hier fürchten schon mehr Marktteilnehmer, dass dies nicht ohne weitere staatliche Hilfe geht. Die Papiere der Commerzbank hatten am Mittwoch nach den Details zu der bevorstehenden UniCredit-Kapitalerhöhung mehr verloren als die der Deutschen Bank.

Zum US-Dollar rutschte der Euro-Kurs am Donnerstag auf sein tiefstes Niveau seit 15 Monaten. Die jüngste französische Staatsanleihenauktion lieferte zusätzlich leichten Druck auf den Euro, hieß es aus dem Devisenhandel. Zudem verwiesen Marktteilnehmer hinsichtlich der Euro-Schwäche auf "technische Faktoren". Das Bild im Wochenchart ist nach Analysteneinschätzung geprägt von Abwärtsrisiken. (APA/Reuters/red, derStandard.at, 5.1.2012)

Kommentar posten
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F S 3
15
Aus dem Mund des wohl bedeutendensten Think-Tanks dieser Welt (CFR) erfahren wir gerade, daß das Experiment "EURO gestorben" sei…

…US$ und EUR machen zusammen immerhin 80% der SDRs aus, wie auch 3/4 aller Staatsanleihen in diesen beiden Weltwährungen gezeichnet werden. Zusammen machen $ u. € 2/3 des globalen Marktaufkommens aus

http://www.foreignaffairs.com/articles/... f-the-euro



War on 'error, Folge II: "Der schwarze u.der weiße Schwan schwimmen noch immer in Venedigs Lagunen. Füttern verboten!"

Kahuna
00
23.2.2012, 15:42
Also,

was der Marty Feldstein sagt, sollte man nicht unbedingt als bare Muenze werten.
Zweitens, das council on foreign relations ist nicht wirklich ein think tank sondern eine Interessensvertretung. Schauen Sie sich nur das board of directors an, wer da aller drin ist.... Feldstein natuerlich auch, und Rubin, der den U.S.A. mit seiner Liberalisierung unter Clinton die derzeitige Misere eingebrockt hat.
Also aus dem CFR kommen nur Worte (und Handlungen), die dem amerik. Grosskapital nuetzen.

zeitfuchs
01
Kaffeesud-Leserei,

denn auch die Staaten der USA sind sehr heterogen, der US-Dollar hat aber bereits mehr als 200 Jahre überlebt. In Wahrheit plagen die USA wie auch die EU ein- und dieselbe Krankheit, nämlich eine schrumpfende Wirtschaftskraft sowie ein enormes Handelsdefizit mit China, wohl auch eine Folge der Globalisierung. Diese Entwicklung mußte sich zwangsweise auf die $ und € - Parität niederschlagen. Die momentane €-Schwäche wird überwunden werden, falls sich eine vernünftige Relation zur Chinesischen Währung herausbilden kann, oder aber ein neues Schutzzoll-System für annähernd faire Handelsbedingungen sorgt.
http://www.europarl.europa.eu/news/de/h... -mit-China

1116er
01
die in zeitnot erfolgten fehler von 2008 müssen ausgebügelt werden!

kurzfristig: einer bank in notlage nur helfen, wenn gleichzeitig eine (teil)verstaatlichung erfolgt.

mittel/langfristig: alles was 'too big to fail' ist, auf ein vernünftiges maß verkleinern.

das gilt übrigens nicht nur für das moneybiz.

Daliah
 
01
haha.

post vom 20. Dez :) http://derstandard.at/plink/132... id24144677

jetzt fallen eben die domino steine um.

D.

Bürgerüberwachungsservice
00

der bürgerüberwachungsservice weist an dieser stelle darauf hin, daß nur das F S 3 auf eigene beiträge verlinken darf.

F S 3
03
:) Nein. Das FS3 hat für diese einfache und praktische Idee (für die es komischer Weise immer kritisiert wurde) ausdrücklich sein COPHYSHARE gegeben…

…Wieso auch sollte man eine gute Idee 100e Male wiederholen müssen, wo doch der Platz beschränkt ist und außerdem diese Vorgangsweise all jene Lügen straft, die sich vor langer Zeit über Tatsachen lustig gemacht haben, die heute Allgemeinwissen sind.



War on 'error, Folge 4711: "Die Standardverlinkung ist die Rache des Poster an den Unbelehrbaren"

Martin Brunner
01
und solange man damit hohe profite erzielen kann wird es so bleiben...

die finanzwelt verdient doch an der krise - weil sie mehr zinsen kassiert - und das macht ein hübsches sümmchen aus .. die wären doch keine geschäftemacher wenn sie dieses sümmchen nicht auch noch auf kosten der allgemeinheit kassieren würden...

Bastibastibasti
00

manche gewinnen, manche verlieren. ist in krisenzeiten genauso wie in guten zeiten.
nur dass das handeln in guten zeiten nicht so riskant ist.
stabile trends werden merklich bevorzugt von der finanzwelt.

auch sie sind teil der finanzwelt. sie haben geld. sprich finanzielle mittel, oder nicht?

und das mit den zinsen ist eine lüge.

schauen sie sich die leitzinssätze an bevor sie posten!

naja und wie viel gewinne die banken mit der krise machen? eher verluste wie man liest.

weis ja nicht wo sie leben.

edurkheim
43
Wer Faymann wählt, braucht sich nicht beschweren wenn Goldman-Sachs regiert

Killer Bunny
10

Die Goldmänner stehen nicht unbedingt im Ruf, sich für linksgerichtet Parteien zu engagieren.

edurkheim
01
Darf ich tippen SPÖ-Wähler?

Weil sie verstehens ja auch nicht ganz geh.

Die Goldmänner engagieren sich für überhaupt keine Partei sondern nur für ihr Geld.

Aber sie sind sehr froh wenn Kaliber wie Faymann ihnen gegenüberstehen weil dann fällt ihnen ihr Engagment viel leichter.

Aber das wird einer dessen höchstes Lebensziel Frühpension ist - also der typische SPÖ-Wähler - nie verstehen.

Killer Bunny
00

Die Goldmänner und andere Investmentbanker tun sich aber in einem konservativen Umfeld wesentlich leichter. Klingt komisch, ist aber so. Und ja, die SPÖ hab ich auch schon gewählt. Wer will den immer alles Privatisieren und wie werden solche Deals durchgezogen? Die derzeitigen ÖVP Politiker haben von Weltwirtschaft genau so viel Ahnung, wie es ihnen ihre vormaligen Wunderwuzzi Banker einsagen. Also so ungefähr null.

Bastibastibasti
30

wenn goldman sachs österreich regieren würde, hätte österreich keine probleme.

lediglich die nicht leistungsorientierten spö "bitte gebt mir geld, ich möchte auf urlaub fahren und nicht arbeiten, dafür bekommt ihr meine stimme" wähler,
würden in einem anderen system ziemlich durch die finger schauen.

SPÖ kauft Stimmen durch Sozialleistungen.

peace & love
00
vielleicht ist faymann ...

... sogar nur wegen denen an die macht gekommen?

;)

Bastibastibasti
00

Grinsemann äh sorry faymann ist durch grinsen in diversen zeitungen an die nichts arbeiten müssen postition äh sorry in die regierung gekommen.

Herr Lehmann
11

Es heißt immer “Deutschland profitiert vom Euro”. Ich hätte gern die Frage: “Wer ist Deutschland?” geklärt. Wenn wir mal “Deutschland” mit “deutscher Bevölkerung” gleichsetzen, dann hat Deutschland alles andere als profitiert. In folgendem Artikel finde ich das gut erörtert: http://www.petersdurchblick.com/2011/04/d... -euro.html
Das Eurosystem schafft es nicht einen Handelsbilanzüberschuss zu erzielen respektive Währungsreserven zu bilden. Aus deutscher Sicht wäre der Außenwert einer fiktiven DM – und damit die Kaufkraft im Ausland – bedeutend höher. Ich behaupte, dass der Euro für deutsche Exporte in den Euroraum oder sonstwohin belanglos ist. Wir verkaufen Qualität und Know-How und keine Bananen!

1116er
10
wer stehenbleibt, macht einen schritt zurück!

sie träumen von einer eu, wie sie vor jahrzehnten war:
eine organisation, die den handel ihrer mitglieder fördert. möglichst ohne eingriffe in die rechte der eigentümer der schrebergartenparzellen...

doch einen stillstand darf es nicht geben!

die gemeinsame währung war ein unumgänglicher schritt in die gegenwart. weitere schritte in die zukunft müssen und werden folgen.

wer sentimental (und mit eingeschränktem erinnerungsvermögen) von der vergangenheit träumt, für den heißt es zwingend: "zurück auf die bäume, ihr affen!"

sensortimecom
00
"Exporte" in Euroländer sind keine wirklichen Exporte!

Das ist alles Selbstbetrug. Nur Lieferungen in Nicht-Euroländer sind eigentlich EXPORTE und wirken sich für die Zahlungs- und Handelsbilanz positiv aus.
Man fördert doch schließlich auch Warenlieferungen von Wien nach Vorarlberg - oder von Schleswig-Holstein nach Bayern - nicht mit Umsatzsteuer-Rückvergütungen, Exportprämien oder speziellen Bankenfinanzierungen.. Oder? Und wenn man das tut, handelt man sich Struktur- und Schuldenprobleme ein, die sich gewaschen haben... genau so ist es passiert...

Milchleber
08

Deutschland schadet sich selbst mit dem seit Jahren betriebenen Lohndumping, was die inländische Kaufkraft lähmt und noch mehr von Exporten abhängig macht.

Aber es gibt Politiker, die meinen, für manche Jobs wären 4€/Stunde noch zuviel...

Bastibastibasti
20

kurze erklärung für sie:

hohe löhne wie in deutschland und bei uns in österreich bedeuten:

firmen wandern nach china, afrika etc. bei uns gehen arbeitsplätze verloren. dadurch steigen die sozialausgaben. durch die sozialausgaben steigen die abgaben. druch höhere abgaben wandern weitere firmen ab oder fangen hier garnicht erst zu produzieren an. mehr arbeitslosen. höhere abgaben. weniger arbeitgeber. mehr arbeitslose .....

ist nunmal so. jede lohnerhöhung zerstört arbeitsplätze und ist auch verantwortlich für die hohe inflationsrate. leider.

was uns schadet ist:

schönes auto in china produzieren 30 000 €
das gleiche auto in österreich oder deutschland produzieren: 60 000 €

jahresnettoeinkommen in österreich: 18366 eur
china 3678 dolla

Milchleber
00

Kurze Erklärung von mir: Geld macht nur solange Sinn, solange is halbwegs in der Bevölkerung verteilt ist, um tauschHandel zu betreiben. Wenn Lohndumping bei gleichzeitiger Explosion der Produktivität und der Unternehmergewinne auftritt, kommt es zu einem massiven Verteilungsproblem, welches im Extremfall zu einer Rezession und Depression mit deflation führt.

Und genau dieses Phänomen kommt auf uns zu, wenn wir uns als Gesellschaft der neoliberalen Marktlogik beugen.

Ob die Verteilung des Geldes durch menschenwürdigen Lohn, staatliche Umverteilung oder Grundeinkommen stattfindet, ist eher eine Frage des Labels als der Sinnhaftigkeit.

Andreas Prucha
00

Das heisst am Besten arbeiten alle gratis, dann gibts viele tolle schöne Arbeitsplätze.

Settembrini
00
Bitte "Außer Dienst" von H. Schmidt lesen.

Und seine Ratschläge einszueins übernehmen.

Milchleber
00

Hab das Buch nicht bei der Hand. Können Sie mir ein paar Schlagworte draus mitgeben, die man umsetzen soll?

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