Mailand/Frankfurt/Wien - Die Schuldenkrise hat die Märkte am Donnerstag wieder fest im Griff. Besonders Finanztitel gerieten stark unter Druck. Die Aktie der italienischen Großbank UniCredit kam hart unter die Räder. Im Späthandel notierte das Papier mit 4,50 Euro, das ist ein Abschlag von 16,86 Prozent zum Vortages-Schluss. Zuvor war das Papier im Handelsverlauf mehrfach vom Handel an der Mailänder Börse ausgesetzt worden.
Am Mittwoch waren Details zu der am kommenden Montag startenden Kapitalerhöhung bekanntgeworden. Demnach können Investoren die neuen Aktien der Bank Austria-Mutter mit einem Abschlag von mehr als zwei Drittel zum Schlusskurs vom Dienstag kaufen. Die Aktie war daraufhin bereits am Mittwoch fast 15 Prozent eingebrochen.
Die UniCredit braucht das Geld, um eine kürzlich von der EU-Bankenaufsicht EBA ausgemachte Lücke von 8 Mrd. Euro Eigenkapital zu stopfen. Institutschef Federico Ghizzoni zeigte sich gegenüber der Zeitung "Il Sole 24 Ore" optimistisch, dass seine Bank die angebotenen Aktien fast vollständig am Markt unterbringen können werde.
ATX im Minus
Bankenaktien standen am Donnerstag aber in ganz Europa massiv unter Druck und drückten die Indizes am Berichtstag europaweit in den Minusbereich. Nach einem sehr schwachen Börsenjahr 2011 mit einem ATX-Jahresverlust in der Höhe von 35 Prozent, ging es in der ersten Handelswoche 2012 nicht merklich nach oben und der heimische Leitindex schloss etwa auf seinem Jahresultimostand von 2011. Am morgigen Freitag wird in Wien feiertagsbedingt nicht gehandelt.
Abgeschlagen am unteren Ende der Kursliste schlossen die heimischen schwergewichteten Bankenpapiere. Erste Group-Titel verabschiedeten sich mit einem satten Minus von 9,03 Prozent auf 12,44 Euro aus der Börsensitzung. Den Raiffeisen-Papieren erging es mit einem Kursabschlag von beachtlichen 6,25 Prozent auf 18,90 Euro nicht viel besser.
Gerüchte um Deutsche Bank
Ein Marktteilnehmer sagte, dass es sogar Gerüchte um die Deutsche Bank gebe.
Demnach könnte sogar der deutsche Branchenprimus eventuell frisches Geld
benötigen. Ein Sprecher der Deutschen Bank sagte: "Marktgerüchte
kommentieren wir nicht." Börsianer bezeichneten diese Spekulation allerdings als
sehr unwahrscheinlich. Die größte deutsche Bank braucht nach Vorgaben der
Europäischen Bankenaufsicht EBA rund 3,2 Mrd. Euro. Bisher trauen die meisten
Experten der Bank allerdings zu, dass sie ihr Versprechen, dies aus eigener
Kraft zu schaffen, halten kann.
Anders sieht es bei der deutschen Commerzbank aus. Die bereits
teilverstaatlichte Commerzbank braucht rund 5 Mrd. Euro. Hier fürchten schon
mehr Marktteilnehmer, dass dies nicht ohne weitere staatliche Hilfe geht. Die
Papiere der Commerzbank hatten am Mittwoch nach den Details zu der
bevorstehenden UniCredit-Kapitalerhöhung mehr verloren als die der Deutschen
Bank.
Zum US-Dollar rutschte der Euro-Kurs am Donnerstag auf sein tiefstes Niveau seit 15 Monaten. Die jüngste französische Staatsanleihenauktion lieferte zusätzlich leichten Druck auf den Euro, hieß es aus dem Devisenhandel. Zudem verwiesen Marktteilnehmer hinsichtlich der Euro-Schwäche auf "technische Faktoren". Das Bild im Wochenchart ist nach Analysteneinschätzung geprägt von Abwärtsrisiken. (APA/Reuters/red, derStandard.at, 5.1.2012)