Nachbarschaftshilfe

Österreich hilft Deutschland mit Strom aus

Daniela Rom, 5. Jänner 2012, 13:01

Österreich schaltet ein paar stillstehende Kraftwerke ein, um Deutschland vor Problemen in der Stromversorgung zu bewahren

Düsseldorf/Wien - Die deutsche Energiewende weg vom Atomstrom sorgt beim Nachbarn für Probleme bei der Stromversorgung. Gut, dass es die Österreicher gibt. Wie die Zeitung "Die Welt" berichtet, habe der in Bayern tätige, niederländische Netzbetreiber Tennet schon Anfang Dezember auf Kraftwerksreserven in Österreich zurückgreifen müssen. Die deutsche Bundesnetzagentur habe dies auch bestätigt.

Das Paradoxe an der Geschichte: Einen wirklichen Stromengpass gab es in Deutschland gar nicht, Österreich hat dem Nachbarn also nicht wirklich mit Strom ausgeholfen. Wozu dann der ganze Deal? Weil zu viel Strom aus Windkraft im Norden Deutschlands produziert wurde, erklärt Walter Boltz, Vorstand der E-Control gegenüber derStandard.at auf Anfrage. 

Das Sturmtief "Ekkehard" sorgte für ein fast volles Windkraftangebot von rund 20.000 Megawatt in Norddeutschland, das aber wegen fehlender Leitungen nicht nach Süden transportiert werden konnte. So heißt es im "Welt"-Bericht. Erschwerend sei dazugekommen, dass ein Block des Atomkraftwerks Gundremmingen unplanmäßig abgeschaltet war, weil zwei der 784 Brennelemente wegen leichter Defekte ausgetauscht werden mussten. 

Atomausstieg als Hüftschuss

Mit dem Ausstieg aus der Atomkraft - laut Boltz "ein Hüftschuss" - habe man dem Alter nach, und damit vor allem im Süden der Bundesrepublik Kraftwerke abgeschaltet. An und für sich auch kein Problem, weil im Norden des Landes ausreichend Strom, sogar Überschüsse, produziert werden.

Nur, der Leitungsausbau stocke Boltz zufolge in Deutschland. Es gehe nicht wirklich etwas weiter. Und das sorge für gewaltige Probleme, könnte zu echten Engpässen in der Stromversorgung führen. Denn wenn aus dem Norden viel über die Leitungen transportiert wird, müssten im Süden zur Entlastung auch Kraftwerke im Süden eingeschaltet werden. Damit würde man Leitungsüberforderungen vorbeugen können. In Süd-Deutschland gebe es laut Boltz aber zu wenig Kraftwerke, die man so einfach wieder einschalten könnte. Deswegen habe man auf Österreich zurückgegriffen.

Heimische Kraftwerke an

Heimische Netzbetreiber schalteten daher das Kraftwerk Neudorf-Werndorf bei Graz, das zum Verbund gehört und die Kraftwerken Theiß und Korneuburg der EVN ein, die eigentlich außer Betrieb sind, um damit das Netz aus dem Süden über die Grenze auch in Deutschland mit Energie zu speisen, und damit das gesamte Netz zu entlasten. Einer Tennet-Sprecherin zufolge sei dies aber nur eine Vorsichtsmaßnahme gewesen. Für die österreichischen Netzbetreiber sei das durchaus auch ein lukratives Geschäft, lasse man sich von den Deutschen die Einschaltung des Kraftwerks natürlich bezahlen, meint Boltz. Außerdem gebe es natürlich auch ein Interesse Österreichs an einer problemlosen Stromversorgung in Deutschland.

Der Leitungsausbau sei übrigens auch in Österreich kein Leichtes, so der E-Control-Vorstand. Mittlerweile habe man aber wenigstens ein paar Leitungen zusammengebracht, was ein ähnliches Problem wie in Deutschland weitgehend verhindern sollte. (rom, Reuters, derStandard.at, 5.1.2011)

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Christine Berndl
00
Stromimporte aus Tschechien

Stand 8.1.2012 21h:

50Hzt 81Gw Export !!!!!!
Tenne 1201 Gw Import

APG -Verbund 1590 G W Import !!!!!!

Österreich importiert also mehr Strom aus Tschechien als Deutschland!!!!!

http://www.ceps.cz/_layouts/... &&Mobile=1

harald91
00
atom vs öl/gas

na da bin ich ja froh wenn das kraftwerk bei korneuburg wieder angeheizt wird.

so sieht umweltschutz real aus.

danke nochmals an die vielen verhinderer von windkraftwerken letztes jahr.

freimann1
21
Windkraftwerke? Da drehen sich doch nur Steuergelder im Wind

Es gibt gottseidank noch Leute die das erkennen und dazu muß man/frau kein Studium haben sondern nur ein bißchen Hausverstand.

achso?!_alles klar!
11
Sie können ja gern..

nach Zistersdorf ziehen.
Da kann man schön mitten im Umweltschutz wohnen.
Wird absurderweise auch immer billiger, dort zu wohnen. Komisch.

freimann1
00
Genau, ich kann das bestätigen mit dem Preisverfall

und teilweise sind Immobilien und Baugründe sogar unverkäuflich geworden.
In Schrick z. B. versucht eine Immobilienfirma seit mehr als 5 Jahren Häuser und Grundstücke zu verkaufen. Die Umgebung der kleinen Ortschaft ist geradezu von Windrädern verwüstet und obwohl es nur 35 km auf der A5 nach Wien sind, kauft dort kein Schwein mehr was.

José Atento
11
Reißt eben ein paar Windräder wieder nieder,

dann ist das Problem gelöst.

Colorman
 
00
alles AUSGEDACHT

Das haben sich die Stromkonzerne in Deutschland ja nur ausgedacht, um die Leute glauben zulassen dass es ohne den paar Atomkraftwerken welche abgeschaltet wurden nicht geht! Das Leitungsnetz ist sehr wohl gut genug ausgebaut. Wie sonst könnte Österreich ausländischen Atomstrom aus Frankreich kaufen und beziehen? Und die wollen Probleme im Inland haben?

Javert
00

das ist nicht ausgedacht - in der tat warnen die konzerne schon lange vor dieser entwicklung, aber vorallem die grünen in DE haben sich massiv gegen den leitungsausbau quergelegt.

allerdings haben die grünen mittlerweile erkannt, daß leitungsbau besser ist als AKWs und haben ihren standpunkt revidiert.

aber das dauert natürlich alles

Staatssekretär
00

Sie glauben also, dass in unseren Leitungen "physischer" Strom aus Frankreich rinnt?

Und selbst wenn es so wäre, das Leitungsnetz in ganz Europa ist am Limit.

Wenn man erneuerbare möchte, muss man gleichzeitig für einen massiven Netzausbau eintreten - sonst funktioniert das nicht.

Speicherkraftwerke verbunden mit Off-Shore im Norden und thermische Solarkraftwerke im Süden - das muss man vernetzen.

Ohne Gurt im Ionensturm
00

Vielleicht weil der nicht über norddeutschland zu uns kommt?

grulu
01
solange ewiggestrige Manager wie Hr Boltz an den Energiehebeln sitzen

... wirds nicht viel besser werden!
Erstens war der Atomausstieg kein Hüftschuss, sondern nur lange von der Atomwirtschaft (und der eControl) negiert und zweitens beziehen "die Deutschen" schon immer Strom aus Ö. Die Atomstrompumpspeicherkraftwerke in den Alpen speichern immer noch deren Atomstrom. Die eControl könnte wenigstens richtig informieren, wenn wir Verbraucher schon von der Lobby für blöd verkauft werden sollen. Ö ist nicht Atomstrom-frei, liebe eControl (wie ihr das seit Jahren suggeriert, oder auch, dass der Verbund Ökostrom erzeugen würde usw).... Einfach die eigene oder kleinstrukturierte Versorgung organisieren und nicht auf die Konzerne verlassen - deren Absicht ist Gewinnmaximierung und nicht Versorgung!!!

nix fir unguad
01
Es wird nicht Atomstrom gespeichert - sondern Strom aus Braunkohle

Sehen Sie sich die Stromerzeugung auf EEX Transparency an, dann kommen auch Sie zu diesen Schluss.

Hackbrett Schorsch
10

Wir verhauen unsere Klimabilanz noch mehr, weil Deutschland der Strom aus geht?

eknaDNovember
01
Artikel in der Online-Zeitung Extrem News

"Der Rückgriff auf das österreichische Kraftwerk erfolgte also nicht aus einer Notlage heraus, sondern weil es größere Gewinne versprach, Windstrom aus dem Norden nach Südeuropa zu verkaufen und gleichzeitig kurzfristig geringe Mengen Strom aus Österreich einzukaufen."
http://www.extremnews.com/nachricht... 3c1aac807d

Thomas Zehetbauer
 
01
Kurz zusammengefasst

Der Atomausstieg ist ein Schnellschuß, weil dadurch gerade aufgeflogen ist, dass das hochgelobte europäische Verbundnetz gar nicht so großartig ist und es das deutsche Verbundnetz nichtmal schafft, den Süden Deutschlands aus dem Norden zu versorgen. Na hauptsache 1/3 des Strompreis geht für die Netzbetreiber drauf.

Nestor Machno
 
00
Warum haben EVN und Verbund Kraftwerke, die nicht laufen?

Wenn da jemand hier Klärung schaffen könnte, was da für Berechnungen zum Zug kommen.

Ivan Bukov
00

Sie muessen immer exakt soviel Strom im Netz haben wie verbraucht wird.
D.h. es werden den ganzen Tag lang Kraftwerke ab- und eingeschaltet, je nach Bedarf.
Dabei werden die effizientesten und guenstigsten Kraftwerke am laengsten eingeschalten.
Alte Kraftwerke werden dadurch schrittweise obsolet und sind am Ende ihrer "Karriere" meist nur mehr ein grosses Notstromaggregat.

José Atento
11

Weil es in Europa genügend Produzenten gibt, die billiger Strom produzieren. Vor allem auch weil es viele Förderungen bei den Alternativen gibt.

Da lässt man dann die investierten Mio. einfach liegen, bis das KW abgerissen werden muss.

Andreas Prucha
02

Ich vermut mal grundsätzlich, dass die schon alleine als Backup da sind, wenn beispielsweise der Wasserstand so niedrig ist, dass die Wasserkraftwerke nicht ausreichend produzieren können.

Es wäre ja bissl heikel immer am Limit zu produzieren.

Staatssekretär
00

Zumindest bei Wärmekraftwerken ist es in der Regel so, dass modernere Anlagen mit höherem Wirkungsgrad immer zusätzlich installiert werden.

Heißt 40 Jahre alte Öl-Generatoren bleiben erhalten und bleiben für Notfälle vor Ort. Moderne Gasturbinen inkl. Fernwärmeanschluss, die über 70% Wirkungsgrad schaffen, arbeiten viel kostengünstiger.

Heißt, wenn der Preis für die MW/h am Markt niedriger ist, wie der des Öls, das man zu dessen Erzeugung benötigen würde - macht das nur in Extremsituationen sinn, diesen Generator zu fahren.

Die installierte Kraftwerksleistung ist in jedem Land weit höher als die aktuell benötigte.

111sonne
53
das prinzip angebot und nachfrage

wäre zu viel storm zur verfügung müste man mit den preisen runter - daher werden kraftwerke heruntergehahren um strom zu verknappen dadurch kann man die preise stabiel halten oder steigern. warum wohl haben sich die brd ernergieversorger nicht gegen die abschaltung einiger kraftwerke gewehrt - die hatten sowie so schon 50% heruntergefahren um die strompreise stabiel halten zu können

fritz1004
04

Sie vergessen dabei die Physik.
Pressen Sie zuviel Strom in ein Netz, steigt Spannung und Frequenz, und das Netz bricht zusammen. Umgekehrt auch. Wie der Strom erzeugt wird, welche Kapazitäten da sind, hat Einfluss auf den Preis, aber zwecks Preissteigerung Kraftwerke abschalten, oder umgekehrt, so geht das nicht.

Reich sein muss sich lohnen!
00
Um Reserven zu haben

Es kann ja auch mal ein Defekt an einem Kraftwerk auftreten bzw. müssen die auch mal zwecks Wartung abgestellt werden usw.

Andrej Stoltz
00
Alle EVU halten Reserven vor. Besonders für den Winter.

Die Kraftwerke, die jetzt hochfahren, sind im üblichen Betrieb sonst etwas teuerer als die anderen, deswegen stehen sie in normalen Zeiten still.

Bezahlen dürfen das die deutschen Verbraucher.
EVN + Verbund reiben sich die Hände.

Der abrupte Atomausstieg kommt zumindest kurzfristig recht teuer. Langfristig wird man sehen...

fritz1004
01
Ganz versteh ich das jetzt nicht

"Weil zu viel Strom aus Windkraft im Norden Deutschlands produziert wurde, erklärt Walter Boltz, ..."
Eher obwohl als "weil"?
"Denn wenn aus dem Norden viel über die Leitungen transportiert wird, müssten im Süden zur Entlastung auch Kraftwerke im Süden eingeschaltet werden."
Gerade das ist ja nicht ausreichend möglich. Wärs möglich, müßten sie nicht eingeschaltet werden, sondern würden (als Schattenkraftwerke) in Teillast gefahren, oder bei Kaltstartfähigkeit auch abgestellt?
Die Leitungsfrage hingegen ist wohl richtig, jedenfalls eindeutig verständlich dargestellt.

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