ADHS-Studie

Physiotherapie statt Psychopille?

5. Jänner 2012, 11:20

Dresdner Wissenschaftler erforschen die Wirksamkeit unterschiedlicher Behandlungsformen bei Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörungen

Mit der Einschulung spitzt sich oft die Situation zu: Ohnehin hyperaktive oder impulsive Kinder können sich nicht in den Ablauf des Unterrichts integrieren. Sie träumen vor sich hin oder stören. Sie haben auch Schwierigkeiten, sich über eine längere Zeit zu konzentrieren und still zu sitzen. Bei Eltern und auch Lehrern drängt sich meist schon im ersten Schuljahr die Vermutung auf, dass die zappeligen, unausgeglichenen Kinder unter einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) leiden könnten. Bei einem Drittel - so die Erfahrung der ADHS-Spezialisten der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Uniklinikums - bestätigt sich dieser Verdacht. Die Frage nach einer erfolgversprechenden Therapie löst oft große Kontroversen aus: Der Wirkstoff Methylphenidat, der unter anderem im Medikament „Ritalin" enthalten ist, wird oft von Ärzten verschrieben, stößt als Psychostimulanzie jedoch auf die Skepsis von Eltern und auch einigen Medizinern.

Motorische Defizite brandmarken zusätzlich

„Viele unserer Patienten fallen nicht nur durch ihre Zappeligkeit und ihre Konzentrationsschwächen auf, sondern haben auch große Probleme beim Schreiben oder anderen feinmotorischen Bewegungen wie dem Binden einer Schleife. Zusätzlich sind diese Kinder oft von Koordinationsproblemen betroffen, so dass sie sich beim Lernen komplexerer Bewegungsabläufe wie Ballwerfen und Fahrradfahren schwer tun. Sie bewegen sich verkrampft und sind verspannt. Dadurch werden sie noch mehr zu Außenseitern", berichtet Sina Wanderer. Die Diplom-Psychologin gehört zu dem Behandlungsteam der Kinder- und Jugendpsychiatrie, das die ADHS-Patienten ambulant und tagesklinisch therapiert.

Eine Behandlungsoption bei schwerwiegender ADHS ist die Gabe von methylphenidathaltigen Medikamenten. Nach den Beobachtungen der Ärzte und Therapeuten hat dieser Wirkstoff nicht nur den Effekt, dass die Kinder konzentrierter und weniger zappelig werden: Sie bewegen sich auch unverkrampfter und das Schreiben fällt ihnen leichter. Doch mit Ergo- und Physiotherapie stehen den Betroffenen Alternativen zur Verfügung: Die erfahrenen Therapeuten der Klinik bieten dazu ein spezielles physiotherapeutisches Programm an. Hier lernen die Kinder, ihren Körper besser wahrzunehmen. Mit diesem Wissen üben sie dann, Verkrampfungen und Spannungen besser abzubauen. Dazu kommt ein individuell zugeschnittenes, motorisches Training, bei dem die Betroffenen beispielsweise lernen, eine Schleife zu binden. Mit Hilfe von gezielten Übungen mit Bällen und anderen Trainingsmitteln üben die Kinder ihre Bewegungen besser zu koordinieren.

Zwei mal wöchentlich Physiotherapie

Da die Wirksamkeit von physiotherapeutischen Programmen bei Kindern mit ADHS und motorischen Beeinträchtigungen noch nicht hinreichend untersucht ist, wollen die Forscher unter den Bedingungen einer wissenschaftlichen Studie herausfinden, welche Fortschritte Kinder machen, die zwei Monate lang zweimal pro Woche jeweils 45 Minuten dieses physiotherapeutische Programm absolvieren. Die Ergebnisse werden verglichen mit den Verbesserungen in der Motorik als auch den Fortschritten in der Aufmerksamkeit, die sich bei ADHS-Patienten allein durch die Gabe des Methylphenidat-Medikaments einstellen, sowie bei einer dritten Patientengruppe, in der die Eltern im Umgang mit ihren oft sehr schwierigen Kindern geschult werden. (red)

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Posting 1 bis 25 von 27
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Zisa
00
29.1.2012, 12:49

na da ist wieder einmal eine gute Erkenntnis gekommen: Physiotherapie. Die ADHSler wissen meist selbst, daß eine therapie wie Physiotherapie oder auch ein Coaching gut wäre. Aber bei erwachsenen ADHSlern zahlt keine Kasse mit, die Therapeuten und Ärzte haben kein "Wissen" und so weiter.
ADHS gehört multimodal behandelt!!!

Balalon
00

Früher hatten Kinder Charakter, heute Symptome...

astemp79
22
Die Wahl der Therapie ist entscheidend:

Behandele ich die Seele (Psyche) - oder behandele ich den Körper?

Auch die rein physiotherapeutische Behandlung ist nichts als eine Symptombehandlung, eben nur ohne Chemie. Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, aber eben nur ein Schrittchen: denn es geht nicht um Symptome, sondern um den ganzen Menschen.
Auch ein Kind ist ein ganzer Mensch.

Eine kindgerechte Psychotherapie - also eine spielorientierte Körpertherapie - wäre der geeignete Ansatz, um die innere Anspannung, die sich in Bewegungen Luft macht, von innen her zu lösen. Physiotherapie kann dazu eine Ergänzung sein (ist aber vermutlich gar nicht notwendig) - keinesfalls aber die Hauptbehandlung, ebensowenig wie Chemie.

Das familiäre Umfeld therapeutisch nicht vergessen!

Spucks
00
"um die innere Anspannung, die sich in Bewegungen Luft macht, von innen her zu lösen"

Das hört sich ja so an, als ob Bewegung schlecht wäre.

A. Sieberer
00

Entweder Seele, Psyche oder Körper gibt es nicht, das ist eine rein willkürliche Trennung religiöser Tradition.

Natürlich wirkt jede körperliche Veränderung auf die Psyche und umgekehrt. Allerdings ist der Ansatz über körperliche Methoden, Physiotherapie oder Ergotherapie im Gegensatz zur Psychotherapie sehr schnell offensichtlich, das heißt durch veränderte motorische Fertigkeiten sichtbar.

Zielführend ist die Erarbeitung motorischer Fertigkeiten und die spielerische Anwendung dieser, um sie in den Alltag nutzbar zu machen.

Spucks
010
Teil 1

Die ADHS Fälle werden ja seit Jahren stetig mehr, wäre es da nicht sinnvoll nach den Gründen zu fragen und vorbeugend zu arbeiten? Ich bin überzeugt, dass die wenigsten der ADHS Kinder eine Krankheit haben, die meisten sind wohl Opfer von:
1. Ärzten, die keine Lust haben sich mit dem Problem tiefer auseinander zu setzen und deshalb einfach ADHS diagnostizieren
2. Menschen, die jedem, der nicht in ein künstlich konstruiertes System passt, eine Störung andichten, bes. wenn es um diese merkwürdigen Kinder geht, die noch sowas wie einen natürlichen Bewegungsdrang haben (Bitte, Kinder zu zwingen täglich 4-5 Stunden am Stück ruhig zu sitzen ist komplett widernatürlich. Ich würde mir Sorgen um mein Kind machen, wenn es damit KEIN Problem hätte)

Spucks
06
Teil 2

3. Eltern, die unfähig sind ihre Kinder zu sozial verträglichen Menschen zu erziehen, und weil es ja mittlerweile politisch unkorrekt ist zu sagen, dass ein Kind einfach ein verzogenes, unverschämtes Gfrastsackl ist, und die Eltern dafür verantwortlich sind, muss es zwangsläufig eine Krankheit haben.
4. der Gesellschaft und der Art in der Kinder heute darin aufwachsen - ständig erhalten sie von irgendwoher Input. Entweder es rennt der Fernseher, oder sie werden von Kurs zu Kurs geschleppt, Spielzeug muss Batterien haben und Lärm machen, in jedem Geschäft gibts eine Kinderecke mit Fernseher und Videospielen. In der Freizeit wird es von den Eltern bespielt, oder vor den PC/TV/Spielkonsole gesetzt, oder es wird irgendwo hingeschleift, wo es ..

Spucks
06
Teil 3

... von irgendjemandem unterhalten wird. Kindern wird die Fähigkeit abgesprochen sich selbst zu unterhalten, und genauso werden sie behandelt. Und wenn sie dann, wenn sie älter sind, in der Tat nichts mehr tun können, wenn sie nicht fremdunterhalten werden (wie sollens das denn auch können, wenns ihnen seit der Geburt ausgetrieben wird?), dann werden große Augen gemacht und die Eltern wundern sich in der Tat, warum sich ihr Kind nichtmal 10 Minuten lang konzentrieren kann.

Arme Kinder, von Eltern/Gesellschaft zerstört und dann müssen sie auch noch als Versuchskanninchen für diverse Mediziner dienen.

C18H27NO3
01
nicht zu vergessen:

bei jeder gelegenheit die kinder mit süßem und/oder fertignahrung mit viel natriumglutamat vollstopfen. Zuerst die kinder mit fett, salz, zucker und geschmacksverstärker vollpumpen und dann wundern warum sie halb explodieren vor energie...

Spucks
00

Ach ja, danke, das hatte ich doch glatt vergessen. Dürfen Sie unter Punkt 5 einreihen ;)

orpheus1
35
Psychiatrie hat's leicht mit Diagnosen - objektive (Labor)Diagnosen gibt es nicht

Fuer alle psychiatrischen Diagnosen, inklusive ADHS, gilt, dass keine Blut-oder Labortests als Diagnosegrundlagen existieren, allein der subjektive Befund des Psychiaters. Psycho-Tabletten helfen dem Arzt, der sie verschreibt, und nicht dem Patienten.

Aerzte verordnen ihren eigenen Kindern nicht Ritalin ua. oder gar andere Psychopharmaka, sondern Ergo-/Physiotherapie als Mittel der Wahl.
Die negativen Auswirkungen von Ritalin&Co sind seit 2007 aus Langzeitstudien (USA) bekannt. Den Betroffenen koennen die Daten noch stets ohne Konsequenzen vorenthalten werden.

Harry Y.
 
00

Es gibt modernste Gehirnscans, die einige psychiatrische/organische Krankheiten beweisen können sollen. Sind aber verdammt teuer.

Transalpin2
01
Psychiatrie Bashing?

Ihrer Auffassung von "objektiven" = Labor(Diagnosen) liegt ein messtheoretischer Fehlschluss zu grunde. Denn auch Experten-Diagnosen können ohne weiteres "objektiv" (d.h. nämlich, unabhängig von der Person des Diagnostikers) gestellt werden. Psychiatrische Diagnosen sind zudem auch (bei geschulten Diagnosestellern) ziemlich zuverlässig ("reliabel", d.h. zB dass zwei Experten zum selben Schluss kommen). Worüber es aber zu streiten gilt, wäre die "Gültigkeit" einer Diagnose: Gibt es überhaupt sowas wie ADHD? Steht das reliabel beobachtbare Verhaltensmuster von Kindern/Jugendlichen vielleicht für etwas ganz anderes als eine hirnorganische Besonderheit?
DAS GEGENTEIL SCHEINT MIR ALSO RICHTIGER: Psychiatrie hat's schwer mit Diagnosen.

orpheus1
00
10.1.2012, 21:52
Unabhaengige und wissenschaftlich begruendete Diagnosen?

auch 2 Mafiosi koennen unabhaengig voneinander die gleiche Auskunft zu einem Verbrechen geben, ohne, dass die Auskunft wissenschaftlich begruendet genannt werden kann.

Gleiches System bei Medizinern, man spricht sich untereinander ab, erfindet eine Krankheit (mit Pharmastuetze) erstellt dazupassende (profitable) Richtlinien (natuerlich nur Tabletten). Gleich wie bei der Mafia: bei Nichteinhaltung oder Infragestellung der Behandlungsrichtlinien mit Pillen, macht einem die Aerztekammer/Millionenklagen der Pharmas den Garaus. Das heisst 'medizinische Wissenschaft' bzw. objektive Diagnosestellung.

Transalpin2
00
11.1.2012, 22:15
sorry, ich muss korrigieren:

Was Sie unter "objektive Diagnosestellung" als potenziell mafiös kritisieren ist KEIN Problem der Objektivität. Sie kritisieren, dass die ADHD-Diagnose nicht gültig sei. Das heisst aber dann, dass Sie die VALIDITAET bezweifeln.
Das scheint mir deshalb so wichtig, weil man zur Klärung der Validität ganz andere Prüfverfahren braucht. Und dass psychiatrische Diagnosen meist ganz objektiv und reliabel sind (bei entsprechender Schulung) kann auch ein harter Psychiatrie-Kritiker nicht seriös bezweifeln!

orpheus1
00
13.1.2012, 09:49
Es wird nicht besser, auch wenn sie immer neue Begriffe bringen

Ihre Angabe, dass verschiedene Psychiater, unabhaengig voneinander zu der gleichen Diagnose kommen, wurde eindrucksvoll in einem Experiment in England widerlegt.

20 Personen mit und ohne psychiatrische Erkrankung konnten 14 Tage lang von 7 hochrangigen Psychiatern untersucht werden.

Resultat: in keinem einzigen Fall gab es eine uebereinstimmende Diagnose. Schlimmer noch, Gesunden wurden psychiatrische Diagnosen gestellt, und Kranke fuer gesund erklaert.

Was sie als 'reliable' bezeichnen, ist dass ein zweiter Psychiater durch Abschreiben des ersten Befundes zu der gleichen Diagnose kommt. Peinlicherweise werden dabei oft sogar falsche Daten woertlich uebernommen. Diese Vorgehensweise ist weder objektiv noch wissenschaftlich.

Transalpin2
00
13.1.2012, 18:45
... Experiment vom Hörensagen? .....

Hier ein paar reale Studien:
zum Instrument DSM-IV Achse V:
Hilsenroth et al., Am J Psychiatry, 157(11) 1853-63.
Zur Brief Psychiatric Rating Scale:
Schützwohl et al., Int.J.Methods Psychiatr. Res., 12(4) 197-207.
Zur ICD10, F-Diagnosen im Kapitel V:
Busnello et al., Rev Saude Publica, 33(5) 487-494
und:
Sartorius et al., Arch Gen Psychiatry, 50(2), 112-124
und:
Regier et al., Am J Psychiatry, 151(9), 1340-50.
************************************.
FAZIT: Es sind nur 3 Begriffe, die Sie verstehen und auseinander halten sollten: Objektivität, Reliabilität und Validität.
*************************************
FAZIT2: Statt Phantasie-Studien vom Hörensagen zu behaupten, könnten Sie die obigen Studien lesen.

orpheus1
00
14.1.2012, 14:55
Habe ausschliesslich nach den wissenschaftlichen Grundlagen gefragt

Transalpin2
01
Instrument lernen (nicht unbedingt rum-improvisieren) ...

... scheint ebenfalls einen positiven Effekt zu haben. Aber noch sehr unklare Datenlage. Das wäre doch was für eine schöne österreichische Studie, ....!!

Rickson DJ. Instructional and improvisational models of music therapy with adolescents who have attention deficit hyperactivity disorder (ADHD): a comparison of the effects on motor impulsivity.
J Music Ther. 2006 Spring;43(1):39-62.

van.der.stiege
01
ach komm...

... tuts nicht streiten.

bei dem diagnoseboom wird sowohl fuer die pharmaindustrie als auch therapeuten ausreichend vom kuchen abfallen :)

Peter Widzky
05
oder einfach viel bewegung und sport im freien?

nur so als kostengünstige alternative...

young dracula bites twilight
01

mit der vielen bewegung laufen sie vor intellektueller betätigung davon.

manche laufen von früh bis spät, nur damit sie sich nicht vor ein buch hinsetzen müssen.

da brauchts schon andere herangehensweisen.

A. Sieberer
00

Kaum ein Kind mit ADH!S bewegt sich zu wenig.
Allerdings haben sie recht, wenn sie nach Sport verlangen, was ein gezieltes Lernen motorischer Fertigkeiten bedeutet.

Allerdings tun sich Kinder mit Ads häufig sehr schwer mit diesem gezielten Lernen. Physio- und Ergotherauten stehen hier aufgrund ihrer Ausbildung und des Einzelsettings mehr Möglichkeiten zur Verfügung als den meisten Sportlehrern oder Trainern.
So ist häufig die therapeutische Behandlung als Einstieg in eine kontinuierliche sportliche Förderung nötig.

15115
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daran verdient die Gesundheitswirtschaft nicht.

Also, geht es so nicht. Aber so ein kleines Match zwischen Ärzten, Therapeuten und Medikamentenherstellern ist doch auch spannender.

Sarang He
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und die Eltern

müssten sich aktiv mit den Kindern beschäftigen.

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