Wifo-Chef Aiginger

Eurozone steht vor Jahrzehnt des Schuldenabbaus

5. Jänner 2012, 10:47

Wien - Den Ländern der Eurozone steht nach Einschätzung von Wifo-Chef Karl Aiginger ein Jahrzehnt des Schuldenabbaus bevor: "Wir befinden uns in einer zehnjährigen Phase des Zurückfahrens der Schulden", sagte Aiginger im Interview mit den "Salzburger Nachrichten" (Donnerstagausgabe). Einen raschen Befreiungsschlag gebe es nicht, es sei ein langer Weg, "wir haben zehn Jahre Konsolidierung vor uns. Und deshalb ist es so wichtig, dass man nicht einseitig auf Sparen setzt, denn zehn Jahre auf Wachstumsinvestionen zu verzichten, das geht nicht."

2012 sei ein sehr entscheidendes Jahr, er glaube nicht, dass das Schlimmste schon überstanden sei. Immerhin sei das Wirtschaftswachstum 2011 trotz Katastrophenmeldungen und Unsicherheit mit 3,2 Prozent "hervorragend" gewesen. "Wir stehen eher an der Kippe, und jetzt ist die Frage, ob man die richtigen Antworten auf die Unsicherheit findet." Bisher sei das weder in Österreich noch auf europäischer Ebene der Fall. "Es gibt in Österreich keine Ansätze einer wachstumsorientierten Konsolidierung und einer Umstellung des Steuersystems, das Leistung und soziale Ausgewogenheit berücksichtigt."

Auf die Frage, wie gefährlich der Zustand sei, in dem wir uns gerade befinden, sagte Aiginger: "Es ist eine Gratwanderung." Europas Wirtschaft werde heuer bestenfalls stagnieren. Nötig sei ein wachstumsorientierter Konsolidierungskurs. "Man muss bei alten Ausgaben sparen, damit Geld für neue da ist. Europa muss als Region mit hohen Löhnen durch beste Technologie und Qualifikation punkten."

Rating-Fragen

Die Ratingagenturen haben nach Ansicht des Wifo-Chefs "eine positive Funktion, aber das Tempo und die Unstetheit ihrer Mitteilungen bedürfen der Korrektur". Vor allem müsse auch klar sein, nach welchen Kriterien Ratings geändert werden, und die Agenturen müssten auch positive Fakten zur Kenntnis nehmen. Spekulationen, wonach Österreich sein Triple-A-Rating verlieren könnte, hält Aiginger für nicht gerechtfertigt. "Angesichts einer mittleren Verschuldungsquote Österreichs sehe ich keinen Anlass, das Rating herunterzusetzen." Eine Herabstufung würde 500 Mio. bis eine Milliarde Euro kosten - Geld, das für wichtige Investitionen fehlen würde.

Zu Zweifeln an den EU-Beschlüssen vom Dezember erklärte der Wifo-Chef: "Wir haben eine Vertrauenskrise." Die Regierungen hätten die beginnenden Erholung nicht zur Konsolidierung nutzen können, die EU die Unvollkommenheit der Währungsunion nicht beseitigen und kein Regulierungssystem für Banken aufziehen können. Die Rettungsschirme seien zu spät und zu klein gemacht und zersplittert. "Das ist auch nach den letzten Beschlüssen nicht anders. Die Richtung stimmt, aber es fehlt die Zusicherung der EZB, im Ernstfall bereitzustehen, um den Ländern Zeit zu geben, ihre Strategien umzusetzen." Ein Zurückgewinnen des Vertrauens gehe nur mit einer konsistenten Politik, die ein klares Ziel hat und transparent ist.

Der Wifo-Chef räumte ein, dass auch die Wirtschaftsforscher von den aktuellen Problemen überrascht wurden. Man sei im Hinblick darauf, ob der Finanzsektor seine Risiken richtig bewertet, "zu blauäugig" gewesen. Das langfristige Problem einer hohen Staatsverschuldung habe man unterschätzt, sagte Aiginger. (APA)

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Posting 1 bis 25 von 34
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moulin rouge
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14.1.2012, 20:44
Das ist aber schoen gelinde ausgedrueckt "zu blauaeugig"

sei der Finanzsektor gewesen. Nur ja niemanden auf die Fuesse treten und etwas Unartiges sagen, der Herr WIFO-Chef versteht's, so bleibt man sicher WIFO-Chef. Tatsache ist, der Finanzsektor hat ein Jahrzehnt von freiem Treiben hinter sich, fuer das jeder Kleinmeier, der in derselben Weise agiert haette, eine Mehrfachbetrugsanklage aufgetischt bekaeme. Und weil wir uns alle von den Politikern und Banken kraeftig abzocken liessen, gehen wir jetzt dem Jahrzehnt der Arbeitslosen, der Armut und des sozialen Horrors entgegen. Aber wir haben ja Mafia- und Terrorparagraphen in Stellung gebracht, um den aufmuepfigen Kleinmaier (neuerdings Wutbuerger) effizient zu bekaempfen. Schau mal lieber dem Pendler zu: http://www.youtube.com/user/00derpendler

Robert Fien
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Abwärtsspirale

Das sparen wird die Schulden nicht senken sondern in % zum BIP weiter erhöhen. Europa begibt sich mit dem Spardogma in eine Abwärtsspirale aus der es schwer wird jemals wieder auszubrechen. Damit beschleunigt Europa seinen wirtschaftlichen Bedeutungsverlust und den Aufstieg der Konkurrenz (Indien, China, Brasilien). Die sparen nämlich nicht, sondern geben wachstumsorientiert immer mehr aus. Und wenn es mal kracht enteignet man dort einfach die Gläubiger und danach gehts munter weiter!

Karlgaard
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Dass Sparen die Schulden vermehrt, ist genauso falsch wie die Behauptung der Reagnomoics, dass Steuersenkungen die Einnahmen erhöht. Zwei völlig unzulässige Übertreibungen, die kein vernünftiger Ökonom unterschreiben würde!

Robert Fien
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10.1.2012, 14:08

Generell ist es unzulässig aber die Art und Weise WIE die verschuldeten Länder sparen bzw. zum sparen gezwungen werden führt nur zu einem weiteren wirtschaftlichen Niedergang! Die Kaufkraft der Massen wird weiter gesenkt und die brachliegenden Megavermögen nicht angetastet!

jassl11
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Wenn es nur ein einem jahrzehnt bliebe...

Nathaniel Winerib
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Mit der Privatisierung der ÖIAG, ÖBB, Wiener Linien, ORF (außer ORF 3 und Ö1, meinetwegen), ASFINAG, etc. könnte gleich mal ein ordentlicher Brocken Staatsschulden getilgt werden.

FaymannsBoss
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Genau!

Und ausserdem könnten da gleich wieder ein paar Grassers, Meischis, Strassers, ... und Konsorten mittels "Erfolgshonorar", "Vermittlungsprämie" ... und sonstiger "Leistungen" ihre Säckel auf Staatskosten füllen.

Karl Labruni
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Die EU steht vor dem Jahrzehnt des Sozialabbaus!

Dem importierten Turbokapitalismus aus den USA sei Dank, soziale Marktwirtschaft adée! Es lebe und vermehre sich das grosse Vermögen ...

fmi
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Sozialstaat auf Pump

Infrastruktur schaffen ist OK, abe das Sozialsystem aufblähen auf Pump hat uns in die Schuldenfalle gelockt. Die Jugendarbeitslosigkeit ist aber das Schlimmste, es nimmt allen die Hoffnung. Man kann aber nicht mehr Beschäftigung wollen und ungebildete Leute ins Land holen oder kommen lassen (wenn schon unsere Akademiker keinen Job finden) um angeblich unsere Pensionen zu sichern, und das Nichtarbeiten belohnen mit Grundsicherung.

Nathaniel Winerib
10

hoffen wir's!

Einzelstimme
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Ja, die Reichen sollen noch reicher werden - gemästet wie Martinigänse. Sie kriegen schon jetzt den Hals nicht voll.
Ja, die soziale Marktwirtschaft gehört entsorgt - auf den Müllplatz der Geschichte.
Ja, der totale Sozialabbau für alle muss her - damit die privaten Versicherungen neue tolle Produkte entwickeln können, die Normalverdiener nicht zahlen können. Denn dann kann man ja Anteilsscheine an gebrauchten Lebensversicherungen oder was auch immer verkaufen. Eine Rückversicherung garantiert, dass Käufer die Kohle zum mutmaßlichen Sterbetag jedenfalls kriegen, und der Versicherte darf sogar weiterleben. Gsunde Geschäfte tun sich auf.

Aber wer wird rund 4 Millionen Landesbewohner versichern, die nicht im Arbeitsprozess sind?

Nathaniel Winerib
03

Umverteilung zur Unterschicht ohne Beschäfigungshintergrund führt zur Stärkung des Konsums (Unterhaltungselektronik, Charterflüge & Auslandsreisen, Alkoholika, etc.). Bleibt das erwirtschaftete Vermögen in der Mittel- und Oberschicht, wird es zu investivem Kapital und bringt der Unterschicht - statt Waren der Unterhaltungsindustrie - die Chance auf Arbeitsplätze.

Die staatliche Krankenversicherung kann durchaus aufrecht erhalten werden, allerdings sollten die 4 großen Anstalten (SVA, GKK, BVA, SVB) zusammengelgt und die neun Landesdirektionen in max 3 Regionalbüros umgewandelt werden.

Eine weitgehende Annäherung an den Wettbewerbsmarkt würde die Arbeitslosenzahl nicht auf "vier Millionen" (sic!) heben, sondern auf max. 150.000 absenken

Kilianus
00
10.1.2012, 11:11

Zu Absatz 2: Nein!
Jedes mal wenn ich höre wie ineffizient es in den Krankenversicherungen zugeht, stellen sich mir die Haare auf. Was wir brauchen ist Konkurrenz!

Ich stelle mir das so vor: Jeder ist verpflichtet sich zu versichern. Bei welcher Versicherung, das kann man sich aber aussuchen. Weil wir aber ein Umlagesystem brauchen, das aus den höheren Beiträgen der höheren Gehälter die niedrigeren Beiträge der niedrigeren Gehälter ausgleicht, braucht es dazwischen eine Stelle, die diesen Ausgleich vornimmt. Egal ob man dann keine oder 1000€ SV zahlt, die gewählte Versicherung bekommt (Hausnummer) 300€.
Und los geht der Wettbewerb, was sie mit den 300€ leistet.

Einzelstimme
00

Jetzt ist es genauer als mit dem hingetippten "Hoffen wir's". 4 Mio "Arbeitslose" für Ö sind ein Missverständnis: Es ging mir um die Zahl der nicht Erwerbstätigen.
Wahrscheinlich könnte man einige Krankenkassen zusammenlegen. Wahrscheinlich hat gutes Kosten-Leistungs-Kalkül nur teilweise etwa mit der Anzahl der Versicherten zu tun. Sehr große Apparate sind oft nicht kostengünstig.
Im 1. Absatz steckt mE Wichtiges + Richtiges drin: Arbeit fällt nicht vom Himmel. Bezahlte Arbeit für Viele/Alle gibt's dann, wenn sich viele Unternehmer trauen, mit Investitionen+Arbeitskräften Umsätze+Gewinne zu erwirtschaften und wenn sich das (beim üblichen Leben+Sterben in der Wirtschaft) ausgeht. Taschengeldverteilung deckt nur gewisse Bedürfnisse.

Der Schärdinger
 
01
Der Schärdinger

Es muss einfürallemal dort angefangen werden zu sparen, wo es am wenigsten schadet, wo es nur Doppel - und Dreifachverdiener trifft.
Verwaltungsreform, was und wem brauchen wir am wenigsten, wo geschieht eigentlich gar nichts bis sehr wenig.
Nationalrat, sind wirklich soviele Nationalräte für Ö nötig?
Bundesrat, was geschieht wenn es diese Institution nicht gibt, gar nichts, also weg damit.
Landesregierungen, müssen das 9 sein?
Gruppenbesteuerung, Stiftungen, Kammerunwesen,
Sozialversicherungen.
Da sind Einsparmöglichkeiten drinnen, Herr Eichinger, auf gehts, Vorschläge und Denkanstöße !!!!!!!!!!!

CEEIT
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kommt alles noch, erst deflation, Stagflation dann...

http://www.synercon.at/de/veranl... ationsrate

taffson
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10.1.2012, 20:27

Vortreffliche Aussagen.

Keyser
02
Bürger stehen vor Jahrzehnt des Ver*****t und Ausgenommen werdens

der burli
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"aber es fehlt die Zusicherung der EZB, im Ernstfall bereitzustehen, um den Ländern Zeit zu geben, ihre Strategien umzusetzen." - unsinn. die zusicherung darf VOR dem unsetzen der "strategien" nicht erfolgen, weil die umsetzung sonst nicht so konsequent erfolgt.
und darauf bestehen D ua. im sinne ihrer steuerzahler völlig zu recht.

Andreas W
01
Und das schoene daran ist, dass - egal wie lange es dauern wird -

die Reichen noch reicher werden und die Armen nicht nur immer aermer sondern auch immer mehr Arme produziert werden.

Und die Dummheit der Reichen uebersieht, dass irgend wann von den Armen nichts mehr zu holen sein wird! Auch die Ressource der Umverteilung von unten nach oben ist irgendwann erschoepft.
Aber solange wir uns die Experten von WIFO etc leisten koennen, geht's eh allen sooooo gut.

büro-krater
07
lieber herr aiginger

die eurozone in der heutigen form wird sicher keine 10 jahre nicht einmal 10 monate mehr geben. das wissen sie besser als wir, nur sagen dürfen sie es nicht.

higgs - wozu?
18

blödsinn - jahrzehntelange sklavenarbeit mag zwar das ziel der ganzen show sein, aber ich denke wir bevorzugen eine flugse totalentschuldung mittels staatsbankrott, dann werden wir uns die geldrechte wieder zurückholen und mal echtes geld drucken - genau so viel, wie wir an waren und dienstleistungen in unserer währungsunion haben - das sind ja auch die dinge, die mit dem geld gekauft werden sollen.
natürlich wird das fedezb-monopol nicht begeistert reagieren, aber das sollte uns die zukunft unserer kinder wert sein.
allerdings besteht da eine gefahr: feymann wird medial als diktator aufgebaut und die amis kommen uns befreien - achse des bösen, quasi, aber das sollten wir riskieren

Thomas Zehetbauer
 
01

Großteils stimme ich ihnen zu. Je mehr Geld unsere politische Führungsriege den Banken zusteckt umso wahrscheinlicher wird es, dass die junge Generation einfach nicht mehr für die Schulden haften will. Aber bitte vergleichen sie die FED nicht mit der EZB. Die FED hat als oberstes Ziel ein "maximum employment", die EZB hat als oberstes Ziel, das Vermögen der Reichen vor der Entwertung durch Inflation zu schützen. Die USA sind bereits auf dem besten Weg sich aus der Krise zu erholen, für Europa sehe ich leider Dunkelschwarz.

peace & love
02
"Wir haben eine Vertrauenskrise"

tja, jetzt gibt's nur mehr alvorada statt segafredo zum lesen ...

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