Griechenland braucht laut dem Ministerpräsidenten eine Einigung mit der Troika aus EU, IWF und EZB sowie weitere Gelder
Athen - Griechenlands Ministerpräsident Lucas Papademos hat erneut eindringlich vor
einer "unkontrollierbaren Staatspleite" gewarnt und die Gewerkschaften zu mehr
Sparanstrengungen aufgefordert. Die Arbeitnehmer müssten weitere Lohnkürzungen
hinnehmen, um die Sparziele zu erfüllen. Andernfalls "laufen wir Gefahr bald
nichts mehr zu haben", sagte Papademos bei einem Treffen mit Vertretern der
Gewerkschaften. Die Angst ist in Athen groß, denn Mitte Jänner kommen die
internationalen Finanzkontrolleure erneut nach Athen, um über die
Sparfortschritte zu befinden - als Voraussetzung für weitere
Milliarden-Kredithilfen.
Papademos machte nach Angaben seines Büros vom Donnerstag keinen Hehl daraus,
dass eine "unkontrollierbare Staatspleite" die Konsequenz wäre, wenn nicht
sofort neue Sparmaßnahmen beschlossen werden. Griechenland müsse dringend wieder
konkurrenzfähig werden.
Weniger Einkommen
"Wir müssen kurzfristig eine Minderung unseres Einkommens akzeptieren. Sie
ist notwendig für unsere Wettbewerbsfähigkeit", sagte Papademos. Er hat seinem
Büro zufolge klargestellt, dass die Warnungen begründet seien und kein
politischer Trick, um die Arbeitnehmer zu Zugeständnissen für weitere harte
Maßnahmen zu bewegen. Um ein "katastrophales Ende" abzuwenden, müssten die
Griechen Opfer bringen. Es gebe "keine Zeit zu verhandeln", Athen müsse "jetzt
handeln", sagte Papademos.
Der Präsident des Gewerkschaftsverbandes des privaten Sektors (GSEE), Giannis
Panagopoulos, lehnte Lohnkürzungen aber weiter ab. Er sprach sich auch gegen die
Abschaffung des Mindestlohnes und des Weihnachtsgeldes sowie der in Griechenland
noch bestehenden 13. und 14. Monatsgehälter im privaten Sektor aus.
Papademos hatte angesichts einer neuen anstehenden Kontrolle durch die
internationalen Geldgeber die Führungen der Gewerkschaften und
Arbeitgeberverbände zu sich gerufen. Die Arbeitgeber forderte er zur Sicherung
der Arbeitsplätze auf. Die aus Vertretern der EU, des Internationalen
Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB) bestehende
Experten-"Troika" wird Mitte Jänner in Athen erwartet. Im Mittelpunkt der
Gespräche steht die Auszahlung einer "Supertranche" der Finanzhilfe für
Griechenland bis Mitte März in Höhe von 89 Milliarden Euro. Die "Troika" hat
nach Informationen der griechischen Presse die Forderung gestellt, dass es
Lohnkürzungen auch im privaten Sektor geben soll. (APA, Reuters)