Gestürzter Präsident muss möglicherweise mit Todesstrafe rechnen
Kairo - Der gestürzte ägyptische Präsident Hosni Mubarak
ist nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft direkt für den Tod von
Demonstranten während des Umbruchs im vergangenen Jahr
verantwortlich. Es gebe solide Beweise dafür, dass der damalige
Staatschef, der damalige Innenminister Habib al-Adli und sechs andere
Regierungsvertreter für tödliche Schüsse auf Demonstranten
verantwortlich seien, sagte Staatsanwalt Mustafa Suleiman am Mittwoch
während des Prozesses gegen Mubarak in einer Polizeiakademie am Rande
von Kairo.
Das Verfahren gegen Mubarak, der am 11. Februar 2011 nach drei
Jahrzehnten an der Macht aufgrund heftiger Proteste sein Amt aufgeben
musste, hatte am 3. August begonnen. Mubarak werden die Anordnung von
Gewalt gegen Regierungsgegner sowie Korruption und Amtsmissbrauch
vorgeworfen. Bei den Aufständen vor einem Jahr waren rund 850
Menschen getötet worden. Die Staatsanwaltschaft könnte ihre
Strafforderung am Donnerstag vortragen. Laut ägyptischen
Zeitungsberichten will sie die Höchststrafe, also die Todesstrafe,
beantragen.
In dem Prozess traten mehrere Polizisten als Zeugen auf, nach
deren Aussagen es keinen direkten Schießbefehl von der Staatsspitze
gab. Mubaraks faktischer Nachfolger, Militärratschef Hussein Tantawi,
wurde im September unter Ausschluss der Öffentlichkeit gehört. In dem
Verfahren stehen auch Mubaraks Söhne Gamal und Alaa vor Gericht. Die
Mubarak-Söhne müssen sich wegen mutmaßlicher Korruption verantworten. (APA)