Erst kürzlich ordnete die Regierung der Malediven an, alle Wellnesszentren zu schließen - Ein Zugeständnis an islamistische Parteien: Nun fiel das Verbot – Alkohol und Schweinefleisch könnten aber verbannt werden
Malé/Wien - Zum Jahreswechsel war Wellnessurlaub auf den Malediven offiziell nicht möglich. Am 29. Dezember hatte die Regierung mit sofortiger Wirkung die Schließung von Spas, Massagesalons und Gesundheitszentren im Inselstaat angeordnet. Am Mittwoch ruderte die Regierung wieder zurück, wie das Nachrichtenportal Haveruu Online berichtete.
Präsident Mohamed Nasheed sagte bei einer Pressekonferenz im Kurumba Maldives Resort - das übrigens über einen Spabereich verfügt - das Verbot werde aufgehoben. Man habe die Einrichtungen einer Qualitätskontrolle unterzogen, und es gebe nichts zu beanstanden.
Die Verordnung war erlassen worden, nachdem islamistische Parteien vehement eine stärkere Verankerung des islamischen Rechts gefordert hatten. Sie stoßen sich vor allem an den Massageangeboten zahlreicher Hotels.
Wellnesszentrum oder Bordell
Die Regierung begründete das Verbot offiziell damit, dass viele Bürger des Landes, in dem der Islam Staatsreligion ist, davon überzeugt seien, die Wellnesszentren seien eigentlich Bordelle - ein Vorwurf, den der Tourismusverband sogleich vehement zurückwies. Präsident Nasheed war kurz vor Verhängung des Spa-Verbots noch für eine tolerantere Auslegung des Islam stark eingetreten - wofür er Kritik geerntet hatte.
Die Hotelbranche hatte mit Protest auf das Verbot reagiert. Rund 850.000 Feriengäste zählen die Malediven jedes Jahr. Der Tourismus und der Fischfang sind die wichtigsten Einnahmequellen.
Das Verbot betraf mehr als 100 Hotels und Resorts des Staats. Allerdings hielten sich viele Hoteliers erst gar nicht daran. Vom Huvafen Fushi Resorts etwa, wo eine Nacht bis zu 7800 Euro kostet, berichtete der Telegraph zur Zeit des Verbots, der Spabereich sei geöffnet. Selbiges hätten auch Vertreter der Resorts Banyan Tree, Four Seasons, Six Senses und Shangri-La bestätigt.
Als die Verordnung verhängt wurde, kündigte die Regierung auch an, Schweinefleisch und Alkohol zu verbieten. Der Staat hat Haveruu Online zufolge am Dienstag das Oberste Gericht gebeten, einen Bescheid betreffend des Betreibens von Wellnesszentren und des Verkaufs von Alkohol und Schweinefleisch auszufertigen. Ob sich das Gericht damit bereits befasst hat, war nicht bekannt. (Gudrun Springer, DER STANDARD, Printausgabe, 5.1.2012)