SP-Leitner

"Wo soll denn das Geld sonst herkommen?"

Interview | 4. Jänner 2012, 18:22
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    foto: standard/urban

    Die niederösterreichischen Roten sind auch im Ausland umtriebig: Dass ein SP-Mandatar sich in das Kondolenzbuch von Kim Jong-il eingetragen hat, will Josef Leitner nicht kommentieren.

Ohne Vermögenssteuern werde es nicht gehen, meint Josef Leitner, Chef der SP Niederösterreich - Im Land sieht er Demokratiemängel - und die VP wolle das nicht ändern

Standard: Seit wann sind Sie eigentlich so zart besaitet?

Leitner: In Niederösterreich darf man als Sozialdemokrat nicht zart besaitet sein.

Standard: SP-Klubobmann Leichtfried nennt als Grund für das Ende der Proporzgespräche die Angriffe der VP auf Sie. Die sind doch nichts Neues, oder?

Leitner: Es hat im Wesentlichen zwei Gründe, weshalb Günther Leichtfried die Verhandlungen abgebrochen hat: die Nichtbereitschaft der ÖVP, eine sinnvolle Systemdiskussion zu führen - und die Fokussierung der Abschaffung oder Beibehaltung des Proporzes auf meine Person. Wir haben in Niederösterreich viele demokratiepolitische Probleme. Klaus Schneeberger (Klubobmann der VP, Anm.) hat gesagt, jetzt schaffen wir den Proporz ab, über Mitbestimmungsrechte reden wir später. Da haben wir gesagt: Vergessen wir das.

Standard: Im Sommer war die Proporzabschaffung für Sie aber durchaus eine Option?

Leitner: Ich lese Ihnen den einzigen Satz vor, den ich wirklich gesagt habe. "Bevor wir über eine Abschaffung des Proporzes nachdenken, müssen wir zuerst das gesamte politische System in Niederösterreich überarbeiten."

Standard: Die ÖVP stellt es so dar, dass zwölf von 13 Punkten bereits ausverhandelt waren.

Leitner: Für mich ist das nicht nachvollziehbar. Es hat ein Abtasten zwischen den Klubobleuten gegeben, aber der Kern ist überhaupt nicht bearbeitet worden.

Standard: Halten Sie Niederösterreich für undemokratisch?

Leitner: Ich finde es unglaublich, dass von den Landesregierungsbeschlüssen bis zu Fördervergaben alles geheimnisvoll abgearbeitet wird. Das entspricht nicht einem demokratischen System des Jahres 2012. Die Demokratisierung von Dienstleistungen muss vorangetrieben und in die Gemeinden verlagert werden, etwa bei Kindergärten und Pflege. Und es gibt den Punkt Landtag, da geht es etwa ums Rederecht.

Standard: Es befasst sich auch der VfGH mit dem Proporz in Niederösterreich. Wann gibt es ein Ergebnis?

Leitner: Wir gehen davon aus, dass der Gerichtshof im März seine Meinung artikulieren und die Geschäftsordnung der Landesregierung kritisieren wird. Der Proporz wird bei uns nicht gelebt, etwa in Hinblick auf Budgetverantwortlichkeit oder die Autonomie der Ressorts.

Standard: Interessiert das Thema Proporz am Stammtisch?

Leitner: Für viele Menschen hat Proporz etwas von Freunderlwirtschaft. Die Leute sagen prinzipiell: Arbeitet zusammen! Das ist unter Landeshauptmann Pröll aber so nicht möglich.

Standard: Es gab eine Umfrage zu Studiengebühren, aufgrund von deren Ergebnis Sie eine Akademikersteuer zu fordern. Machen Sie Politik nach Umfrageergebnissen?

Leitner: Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung sagt, auch die Studenten sollen ihren Beitrag dazu leisten, dass die Hochschulen finanzierbar bleiben. Gleichzeitig vertritt die Sozialdemokratie das Bild, dass jede zusätzliche Belastung für Studierende dazu führt, dass Kinder aus niedrigeren Einkommensklassen noch seltener ein Studium beginnen. Ich sehe eine Akademikersteuer als den Weg, jene, die erfolgreich abgeschlossen haben, einzuladen, einen Beitrag zu leisten, dass ihre Nachfolger entsprechende Studienplatzbedingungen vorfinden. Dann gehört aber auch die Qualität der Unis kontrolliert.

Standard: Wie wäre das konkret?

Leitner: Ab der ASVG-Höchstbemessungsgrundlage, zur Zeit 4230 Euro, sollte jeder Akademiker einen Beitrag in Form einer etwas höheren Steuerprogression leisten - ein, zwei Prozent, zweckgebunden. Das betrifft sechs Prozent der Erwerbstätigen, zu einem hohen Grad Akademiker ab dem 35., 40. Lebensjahr. Ich sehe das schon so, dass Leute wie Bürgermeister Häupl oder auch ich eine solche Steuer zahlen sollten.

Standard: Bei dem Thema gibt es in der SPÖ verschiedene Meinungen. Wo sehen Sie da Bewegung?

Leitner: Bei den Studiengebühren bleibt es beim Nein. Aber ich glaube, wie ich es mache, geht es.

Standard: Gibt es dahingehend konkrete Signale?

Leitner: Ich habe sehr, sehr viel positives Feedback bekommen, auch von Teilen der Bundespartei. Und im Übrigen ist das nicht eine Politik nach Umfragen. Das wäre dann der Fall, wenn man ein Thema abfragt und einen Meinungsschwenk macht, wenn die Bevölkerung das anders sieht als die Politik. Wir kommen zu einer Meinung und checken dann in der Bevölkerung ab: Geht's oder nicht?

Standard: Aber was ist mit unpopulären Entscheidungen?

Leitner: In manchen Bereichen muss man knallharte Entscheidungen treffen. Das Stimmungsbild der Bevölkerung überhaupt nicht zu berücksichtigen, halte ich aber für einenFehler.

Standard: Wer soll außer ehemaligen Studenten einen Beitrag zur Budgetkonsolidierung leisten?

Leitner: Erstens: Ab 250.000 Euro Jahreseinkommen eine Erhöhung der Lohnsteuer von 50 auf 55 Prozent - ein zweckgebundener Teil ist dieAkademikersteuer, der Rest soll ins Budget fließen. Zweitens: Es gibt drei Möglichkeiten der Vermögenssubstanzbesteuerung - die klassische Vermögenssteuer ab einer Million Euro Vermögen, die Erbschaftssteuer und die Grundsteuer, und da deklariere ich mich ganz deutlich: Die Tatsache, dass die Einheitswerte zur Bemessung der Grundsteuer aus den 70er- und 80er-Jahren kommen, zeigt, dass da eine Menge Geld drin ist - für die Gemeinden. Dann: Die Flächenumwidmungsabgabe, die Spekulationsfrist auf Immobilien, da könnte man 25 Prozent Steuern einführen. Bei den Absetzbeträgen und Freibeträgen gibt es auch eine Menge einzusparen.

Standard: Also Ja zu Vermögenssubstanz- und -zuwachssteuern?

Leitner: Selbstverständlich, wo soll denn das Geld sonst herkommen? Wir haben einen Einsparungsbedarf von zehn Milliarden Euro bis 2017.

Standard: Erwin Pröll hätte gerne, dass die Länder in manchen Bereichen Steuerhoheit haben.

Leitner: Um Gottes willen! Man stelle sich vor, die Länder können die Grundsteuer organisieren: Da entstünde ein Wettbewerb mit neun verschiedenen Steuersystemen. Das ist nicht akzeptabel. (Andrea Heigl, Gudrun Springer, DER STANDARD, Printausgabe, 5.1.2012)

JOSEF LEITNER (39) ist seit 2008 Chef der SP NÖ und Vizelandeshauptmann, zuvor war er Stadtrat in Wieselburg.

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Freigeistin1
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15.1.2012, 09:54

Daher kann das Geld zB kommen!

Die Stadt Wien und ihre dubiosen Subventionen.
Einfach nur krank für was da das Geld rausgeschmissen wird. Vielleicht sollte man einfach so einen Verein gründen und dann die Hand aufhalten.

http://www.wien.gv.at/mdb/gr/20... 26-007.htm

hetscha
00
SPAREN?? NÖ ist eines der meistverschuldeten BL und da inseriert

der Radelbrunner im Standard, von der NÖN ganz zu schweigen. Verteilt sauteuere Hochglanzbroschüren die kein Mensch wirklich braucht. Die Heimspiele im ORF-NÖ sind schon selbstverständlich und zeigen immer wieder die "Ausgewogenheit" der Berichterstattung!
Leider steht es aber um die Abgehobenheit der SPÖ auf Landes- und Bezirksebene auch nicht besser!
Mir sind Fälle bekannt wo der Umgang mit langjährigen Genossen himmelschreiend ist. Konstruktive Anregungen werden total ignoriert, berechtigte Kritik kann man sich gleich ersparen und die roten "Spitzenpolitiker" lassen sich gerade einmal vor Wahlen zum Fußvolk herab.

links kritik
 
00
nö ist zwar hoch verschuldet

aber bitte dennoc bei der wahrheit bleiben.
1. ist kärnten bei diesem vergleich noch vor niederösterreich.
2. ist nö deshalb an 2. stelle, weil die verluste der krankenhausholding miteingerchnet sind. das ist bei wien, burgenland, steiermark und co nicht so.

mir ist der pröll auch nicht ganz suspekt. aber es gibt in niederösterreich leider keine alternative.
die sozialisten orientieren sich nach nordkorea, die blauen nach irgendwelchen nazigruppen und grüne? .... noch nie was davon gehört.

die stärke prölls ist die schwäche der anderen. also bleibt den niederösterreichern keine andere wahl.

MAXIMA
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... Einsparung Nr. 1: Leitner ...

... Budget wäre um 200.000,- /Jahr sofort entlastet und dumbe Interviews wären auch eingespart ...

Takeshi Kovacs
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in ö kann wirklich jeder vollpfosten

ein doktorat erlangen

madathara
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der hat eigentlich eh ganz gute ideen. wobei ich einnahmenmäßig eher vermögenssteuern sinnvoller finden würde.

Takeshi Kovacs
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ja, superideen! ganz toll!

und dieses durchsetzungsvermögen!deshalb schwimmt er ja auch der welle des erfolgs ganz oben!!

Weltfremd ?
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Das nächste Schlagwort der SPÖ bzw. deren

Anhänger: sinnvoll, neben gerecht und intelligent!

luquas
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"Wo soll denn das Geld sonst herkommen?"

He Leitner! Wen du und deine Polit-Mischpoke nur das ausgeben würdet, was ihr habt, dann bräuchtest du solch blöde Fragen gar nicht erst stellen!
Unglaublich dieser Dolm!

Chocoholic
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Weiss gar nicht, warum man dafür rot bekommt.

Takeshi Kovacs
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wird Leitner & gattin gewesen sein....

Europa geht pleite, wer geht mit?
 
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Das Geld wird es nicht geben,

können die Politiker den Schuldenberg aus jahrzehntelanger Misswirtschaft und Reformverweigerung nicht mehr bedienen, soll der Staat pleite gehen. Danach gibts einen Neuanfang.

amber103
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Dünnbrettbohrer mit Fünfjahresplänen

10Mrd€ hört sich nach viel an, ist aber auf 5 Jahre verteilt. Damit sind das gerade mal 0,6% der jährlichen Wirtschaftsleistung, bzw 1,2% der Staatsausgaben.

Wenn die Politik solche Fünfjahrespläne macht, dann sind die "Einsparungen" (aka Steuererhöhungen) in den ersten Jahren üblicherweise geringer und steigen dank kalter Progression gegen Ende hin stark an.

yoyoehkloa
01
woher ? hmm, mal kurz überlegen ...

Skylink, ÖBB, BUWOG ... oder vielleicht mal versuchen es von den Herren Meischberger & anderen, die nimmer wissen für welche Leistung sie abkassiert haben, was zurückzuholen vielleicht ???

Nathaniel Winerib
10

Richtig, woher soll das Geld fuer die SP-Klientel herkommmen, wenn nicht von jenen, die etwas geleistet und sich einen bescheiden Wohlstand aufgebaut haben? Da muessten es die Genossen am Ende noch mit Arbeiten probieren und das ist nun wirklich nicht zumutbar!

RegR Borromäus Maschitz
10
die fragestellung ist schon entlarvend!

einsparen, einsparen und nocheinmal: einsparen!
transparenzdatenbank endlich realisieren...und schwupps ist genug geld da!

madathara
11

wenn sie schon am richtigstellen sind, dann sprechen sie nicht von sparen. etwas sparen kann man wenn man von etwas zuviel hat. da aber zuwenig da ist kann man nicht sparen. also müssen sie richtigerweise fordern: kürzen, kürzen und nocheinmal: kürzen!

und dann stellt sich sehr wohl die frage wo man denn kürzen soll.

nur mal so zum andenken: 1% der österreicher besitzen 1/3 des österreichischen gesamtvermögens. (der leitner gehört da übrigens nicht dazu)

Weltfremd ?
11
Fragt sich nur, wieso man nichts mehr hat !!!

weil man verschwendet hat und dafür sprechen sie sich aus.
Selbstverständlich ist man nicht immer dafür verantwortlich, doch wenn man Geld für unnötige Dinge hinausschmeisst, dann muss man dafür auch die Verantwortung tragen, sowie Sie dass zu Recht auch von den Spekulanten fordern.

madathara
01

da bin ich ganz bei ihnen. geld wurde verschwendet. vorallem wurde es an die oberen 1% und an die finanzelite verschwendet. dieses geld gehört dringend wieder dem staat bzw. dem volk zugeführt.

die oberen 1% besitzen 1/3 des österreichischen gesamtvermögens. tendenz start steigend. da steckt das problem, bzw. dort ist das geld welches uns fehlt. wer nun jetzt bei uns bürgern kürzen will anstatt sich dort das geld zu besorgen ist entweder masochist oder manipuliert oder er gehört mit 100 mio und mehr vermögen zu den oberen 1%. oder wie rechtfertigen sie ihren wunsch wieder beim volk kürzen zu wollen?

maus 14
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spritpreisrechner
jeder , der noch an autobahntankstellen tankt ist ein vollkoffer
die preispolitik der konzerne wird nach wie vor nicht näher beleuchtet-oder man will es nicht
weil der staat mitschneidet,ganz einfach

bei uns in bagdad
00
Stimmt, leider!

Es ist unglaublich, dass von den Landesregierungsbeschlüssen bis zu Fördervergaben alles geheimnisvoll abgearbeitet wird. Das entspricht nicht einem demokratischen System des Jahres 2012.
Das stimmt. Leider deckt diese antidemokrati auch mit den aktuellen Stadtverfassungen in St. Pölten und Wien. Ich hoffe mit den angesprochenen Veränderungen sind auch diese gemeint!

maus 14
01

es fällt mir auf
ununterbrochen wird am einkommen der kleinen bürgern herumgedoktert
aber an großunternehmen ,konzernen nicht

die machen doch die großen gewinne
die sind die reichen , die menschenmaterial nur dazu haben um gewinne zu machen
wos ist---mia gewinne und außer dem üblichen steuernetsch soll nix mehr dem volk zugute kommen
manager ,hoch bezahlt, sind nicht nur dem unternehmen verantwortlich ,sondern auch dem stabilen standort hier
also her mit mehr marie

General Cornwell
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"Wo soll denn das Geld sonst herkommen?"

Einsparen?

Gell, das Wort kennts ihr Sozen gor net...

madathara
00

etwas sparen kann man wenn man zuviel hat. wenn man zuwenig hat, dann nennt man das kürzen.

Weltfremd ?
00
Ist es Ihnen lieber, dass man streicht ?

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