Steuerpotenzial

"Maximal ein paar hundert Millionen"

4. Jänner 2012, 18:24

Eine neue Untersuchung schätzt das Potenzial von Steuererhöhungen gering ein

Wien - Füllhorn oder Bagatelle? Die Koalition streitet nicht nur über den Sinn, sondern auch über den Ertrag neuer Steuern. Die Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft KPMG suchte Antworten.

Berechnet hat KPMG in Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftswissenschafter Hannes Winner von der Uni Salzburg etwa Varianten der "Reichensteuer". Ein Spitzensteuersatz von 55 statt 50 Prozent auf Einkommen über 60.000 Euro brächte demnach 220 Millionen pro Jahr - theoretisch. Inkludiere man aber "Ausweichreaktionen" von Gutverdienern, die nach KPMG-Meinung ins Ausland flüchten oder gar nicht mehr nach Österreich kommen könnten, halbierten sich die Einnahmen.

Lukrativer wäre laut Simulation eine höhere Besteuerung des 13. und 14. Monatsgehaltes mit zehn statt sechs Prozent: Der Erlös beliefe sich auf 560 Millionen Euro. Nichtsdestotrotz urteilt KPMG-Partner Ernst Haidenthaler, dass sich eine Reichensteuer "bestenfalls als finanzpolitisches Symbol" eigne, aber kein signifikantes Steueraufkommen bringe.

Ebenfalls für "nicht ergiebig" hält KPMG höhere Vermögenssteuern, obwohl diese im internationalen Vergleich niedrig seien. Als Beleg dient eine grobe, nicht näher belegte Schätzung, die vom Modell der alten, 1994 abgeschafften Vermögenssteuer ausgeht und den aktuellen Erlös bei "eher unter einer Milliarde" ansetzt.

Grenzen sieht KPMG auch bei der Grundsteuer. Zwar werde diese unbestrittenerweise anhand veralteter und deshalb niedriger Einwertswerte berechnet, doch sei die Ermittlung realer Werte schwierig, und die Kosten könnten auf Mieten abgewälzt werden. Überhaupt sei das "Steuersubstrat" von Immobilien, wenn man Betriebsvermögen ausnehme, gering. Obwohl das private Immobilienvermögen laut Nationalbank 880 Milliarden beträgt? Angesichts der politisch vorgesehenen Freigrenzen werde nicht viel übrigbleiben, meint Haidenthaler.

Steuerrabatt auf Wellness

Im Gegensatz zu Steuern auf Arbeit und Vermögen seien höhere Konsumsteuern vorstellbar: Es sei nicht einzusehen, dass auf Goldmünzen, Wellnessangebote oder Willkommensgetränke im Hotel nur der halbe Mehrwertsteuersatz anfalle. In Summe erkennt Haidenthaler auf der Steuerseite aber maximal "ein paar hundert Millionen". Sein Zauberwort für die Budgetsanierung: Ausgabenseitig. (jo, DER STANDARD, Printausgabe, 5.1.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 27
1 2
erxxich
00
Steuererhöhungen sind nicht nötig wenn man !!!

* die Gruppenbesteuerung sofort beendet
* alle Steuerprivilegien, egal welcher Berufsgruppe,
abschafft
* Die Agrarförderungen auf ein erträgliches Maß (das wären ca. 20% vom derzeitigen Stand) zurückstutzt
* Den übergroßen Beamtenstadl bei Bund und Gemeinden verkleinert
* Das Spitalswesen und deren Verwaltung vereintlicht und strafft
* Die unnötigen Landesregierungen und deren Wurmfortsatz Bunderrat verkleinert bzw. auflöst
-
Dies würde 3 bis 4 Milliarden Euros frei machen

Nono
01
Wenn jener kleine Prozentsatz der Vermögenden, ...

die den größten Vermögensanteil besitzen behaupten, dass ihr Beitrag zur Staatschuldensanierung nur unbedeutend sein kann, so ist das dreist, unverfroren, habgierig, korrupt und staatsfeindlich. Tut mir leid, besseres gibt es zu kapitalistischem Raubrittertum nicht zu sagen.

odranoel-64
01
Die Schutzmantelmadonnapartei jener 10% der Bevölkerung

die über 2/3 des Volksvermögens verfügen argumentiert ständig damit (ohne Zahlen zu verwenden), dass deren steuerliche Belastung fast nichts bringt, aber die Einkommen von 90% der Bevölkerung belastet werden müssen.
Die 2/3 Volksvermögen machen 1500 Milliarden € aus! Wenn davon nur 1.5%o bezahlt würden, kämen menr als jene 2 Milliarden zusammen, die wir in Kürze aufbringen müssen.
Gratulation an die ÖVP!

MiazGoHome
01
10/54 <-> 90/46

also
- wenn wir jene 10%, die 54% des geldvermögens in A besitzen, besteuern bringt das 110 mio.
- wenn wir jene 90%, die 46% des geldvermögens in A besitzen, besteuern bringt das 560 mio.

- wenn wir jene 10%, die 68,3% des gesammtvermögen in A besitzen, besteuern ergibt das "kein signifikantes Steueraufkommen"
- wenn wir jene 90%, die 31,7% des gesammtvermögen in A besitzen, besteuern werden wir die 2.000 mio welche die regierung einsparen will zusammenbekommen.

das ist doch schlicht und einfach nur dreist gelogen.

Fakten sind egal- was zählt ist die Meinung
00
Bravo! Endlich einmal eine hochdifferenzierte gut begründete Aussage. Am besten ist, dass jeder 2. flüchten wird! Wohin? Nach Griechenland?

Beraterhonorar, wie hoch?

Wurde ja schon gepostete: Österreichs Vermögen beträgt 1300 MRD EURO. 90% davon halten 30% der Menschen in diesem Land. Es besteht aus Immobilien (Häuser, Wohnungen und Grund), Geld- bzw. Finanzvermögen (Spareinlagen, Wertpapiere, Unternehmensbeteiligungen) und weiterem Sachvermögen und ist sehr ungleich verteilt. 1% der Bevölkerung haben zusammen mehr als die unteren 90%.
Simple Rechnung: Will man nur das obere Drittel treffen sind das 90% von 1300MRD von denen wir noch 30% Sachvermögen wie Kunst (außer Sammlungen) abziehen damit die Mitzi nicht einbrechen gehen muss um nachzusehen = 910 Mrd. Flattax 1% Vermögenssteuern = 9MRD Euro. Transaktionssteuer dazu: fertig! Rest = Lobbyismus

Frobin Jojo
00

Warum kommen diese Experten nicht schlicht auf die Idee große Unternehmen und Konzerne (va. Aktiengesellschaften), die in jedem Quartal Milliarden scheffeln und damit Aktionäre füttern - während sie gleichzeitig vom Steuerdumping in der EU profitieren und auch noch von staatlichen Subventionen, guter Ausbildung der Arbeitskräfte etc. - aber kaum neue Arbeitsplätze schaffen!

Während die Steuern bei kleinen Einkommen und kleinen/mittleren Unternehmen runter gehören, müssen die Konzerne endlich wieder zur Kasse gebeten werden.

Außerdem sollte sich der Staat nicht jede Einnahmequelle privatisieren lassen (Stichwort: Glücksspiel, etc.).

Es gäbe so viele Systemfehler zu beseitigen, die dem Staat auch Geld bringen würden!

chelene chirsch
00
zusammengefasst...

... wird wohnen teurer - ist eh viel zu billig. vielleicht tun sich dann einige private vermieter das ganze gar nicht mehr an, dann werden die wohnungen weniger und noch teurer.

... werden 13. und 14. gehalt bald mit 10% besteuert - das geht einfach und fesch. bis beim "kleinen mann" der kontostand auch dauerhaft rot bleibt (statt ausgleich), sind eh schon 6 monate um und sommerpause. fürs welnessen gibts dann sondersteuern, als ausgleich sozusagen.

dann werden goldmünzen (beliebte geschenke für kinder, e.g. geburt, taufe, sonstiges) teurer - braucht ja nicht ein jeder gold. sondersteuer auf anderes geschmeide ? wär doch gelacht.

TomTom33
00
Selbst wenn man vermögenssteuern etc.

einführt wird frühestens 2014 Geld in die Staatskasse fließen weil ja erst Erklärungen abgegeben werden müssen , Berufungen ausjudiziert werden müssen etc. bzw. man normalerweise immer zum 1.1 eines Jahres bewertet und da wäre in diesem Fall der frühest mögliche termin der 1.1.2013.

Und das könnte ein Problem werden, weil wir brauchen das Geld bereits JETZT.

kladi
02
Politik vom Feinsten ...

Vermögende zu besteuern zahlt sich nicht aus - zu wenige, daher zu unergiebig, daher fangen wir gar nicht erst an damit . Arme gibt es viele, aber die haben nichts - bleibt übrig der Mittelstand - da gibt es nicht wenige, die etwas haben - das zahlt sich aus....

sternderl1
00
KPMG ?

Experten von KPMG haben sicher ein großes Interesse daran in die Medien zu kommen und gleich mit den richtigen Aussagen das passende Publikum anzusprechen, es könnte ja der eine oder andere Kunde für sie rausschauen.

Staatssekretär
11
Bitte korrigieren sie mich

Aber USt auf Goldmünzen?

Im Gegensatz zu Silbermünzen unterliegen Goldmünzen meines Wissen überhaupt keiner USt, oder?

Was soll man von so einem Steuerexperten halten?

Jack Reacher16
11
Haidenthaler auf der Steuerseite aber maximal "ein paar hundert Millionen". Sein Zauberwort für die

Konnte man glatt mit den geplanten Studiengebühren
Gegenrechnung. Das herunterspielen der Steuereinnahmen ist fahrlässig. Erbschaftssteuer, Grundsteuer und Kapitalertragssteuer gehört natürlich her. Die Erhöhung des spitzensteuersatzes ab 60keuro/ Jahr ist problematisch. man sollte die Grenze bei 100keuro/ Anno setzen und den Prozentsatz erhöhen.

0815-Kommentar
11

die vermutung liegt wohl nahe, dass das ergebnis nicht wunschgemäß wäre, hätte man die auswirkungen von aktuellen vorschlägen zur vermögenssteuer evaluiert.

Toxo Logic
 
11

Warum ist die Ermittlung realer Werte von Grundstücken schwierig?
Es ist doch wohl keine Hexerei die Verkehrswerte von Liegenschaften zu errechnen, die braucht man für jede Hypothek. Man könnte vorerst ja mit einfacheren leicht ermittelbaren Grundlagen beginnen und im Laufe der Jahre oder in Einzelfällen komplexer werden. Irgendwann muss man damit anfangen, wenn man überhaupt will.

Pogled
00

Nun ganz einfach ist es nicht.
Es gibt gottverdammte Lagen, wo Du so im Durchschnitt 10 Jahre wartest, bis sich überhaupt ein Käufer dorthin verirrt.

Und es gibt Lagen, da kannst Du zu Phantasiepreisen verkaufen, im Zweifelsfall sogar vorgestern.

Wie hoch ist dann der gerechte Verkehrswert ?

Zum Stichwort Hypothek: gerade die Fehlbewertung von Immobilien ist eine Hauptursache der Bankenkrise.

Toxo Logic
 
00

....und der mit der Schei.lage soll für sein Grundstück das Gleiche blechen wie der mit der Superlage, weil der Einheitswert sich nicht unterscheidet? Wo ist da die Gerechtigkeit?
Die US-Immobilien wurden richtig bewertet, nur die Hypotheken wurden über von der Regierung geförderte Kredite viel zu hoch geschraubt. Jedem Amerikaner seine Villa war die Devise. Wie das dann weitergegangen und verschleppt worden ist mit den verschachtelten Papierln ist bekannt.

konsens ist nonsens
00

Und warum soll die Allgemeinheit hier die Grund- und Immobilienbesitzer indirekt bezuschussen nur weil diese sich nicht auf eine halbwegs gerechte Spielregel zur Bemessung ihres Vermögens einigen können?

TomTom33
00
in erster linie

wird jeder zweite hausbesitzer in berufung gehen weil er sich zu hoch eingestuft fühlen wird. was zumindest einen hohen verwaltungsaufwand bedeuten wird.

Toxo Logic
 
00

Das es am Anfang viele Schwierigkeiten geben kann ist möglich, aber in anderen Ländern funktioniert es auch, warum nicht bei uns?

chelene chirsch
01
zu recht.

mit einem miesen haus in guter lage wird das allein bei der festlegung mehrere gutachten brauchen - gratulation auch.

OGHaha
01
Ist doch klar warum sowas schwierig und vor allem zu Erheben teuer ist...

Stellen sie sich nur ein Haus vor, da gibts schon x Werte von bis:

Je nach Lage der Wohnung, wirds EG Strassenseitig einen anderen Wert geben als Mansarde Hofseitig.
Grün- oder Mistkübelblick, Fernblick, Balkon, Terrasse wieder etwas anderes.
Kein Aufzug? ojeh da ists wieder unten teurer.

Und das alles eventuell nur unter einer Adresse.

Das gleiche gilt für Grundstücke, da hat jedes einen anderen Wert.

Und dann wirds noch jede Menge Anfechtungen einer Einstufung geben bei so viel Schätzung:

Weil die Leute sagen: was, Verkehrswert?
Bringts mir einen Käufer der das zahlt...

Toxo Logic
 
00

Gratis ist eine Verkehrswertermittlung natürlich nicht, aber die Kosten für eine vereinfachte, genormte Berechnung würden sich in Grenzen halten und anfechten kann man jeden Steuerbescheid.

chelene chirsch
12
zu deutsch:

sie sagen gerade, dass die teppen mit einem dach über den kopf ruhig brennen sollen wie die luster.

wie wäre es einfach mit : NEIN. einfach genug ?

Toxo Logic
 
00

Ich gehe davon aus, dass Immobilien in Zukunft sowieso höher besteuert werden. Aber warum sollen dann alle gleichmäßig die Last tragen, gute Lagen zahlen viel und schlechte wenig, das wäre gerechter.

konsens ist nonsens
00

Manche wollen halt nicht... http://diepresse.com/home/pano... esterreich
Wetten, morgen nach Bürostart hagelts wieder Jubelmeldungen über dieses einzig wahre, echte Analyseinstitut.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 27
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.