"Jetzt in der Zukunft"

4. Jänner 2012, 17:47
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Das Interview war längst nicht in der Zielgeraden, Lou Lorenz-Dittlbacher jedoch begann, auf die Uhr zu blicken, Fragen zu überspringen

Das Interview war längst nicht in der Zielgeraden, Lou Lorenz-Dittlbacher jedoch begann, auf die Uhr zu blicken, Fragen zu überspringen. Sie kam also ob der (gar nicht so epischen) Antwortlängen Heinz-Christian Straches ein wenig in ZiB 2-Stress. Schade. Die Sternenkonstellation war günstig, sich Zeit für einen Funktionär zu nehmen. Es ist ja noch eine beschauliche Zeit; und selbst Strache zeigte sich bei "der Interview-Reihe mit Parteichefs zum Jahreswechsel" für seine Wutverhältnisse entspannt.

Kein Anzeichen von Übergereiztheit, keine Spur von jener Lautstärke, mit der man sich im Bierzelt Gehörvorteile verschafft. Den Mann hätte - zwecks tieferen Kennenlernens - die ganze ZiB 2 aussitzen dürfen; und alle anderen Beiträge hätten keinesfalls ausfallen müssen. Es ginge eher um eine flexiblere Form des Interviews, bei der (natürlich auch die anderen in dieser Reihe eingeladenen) Funktionäre die Weltereignisse, wie sie in der ZiB 2 vorkämen, kommentieren würden. Nachdem sie ihre Weisheiten als sprechende Wahlplakate losgeworden wären.

Genug Stoff gibt es ja immer, um nachrichtenbasierte Rorschachtests vorzunehmen: Bei Schloss Sandringham, wo die britische Königin weilte, wurde eine Leiche gefunden. Vorwahlen der Republikaner im Bundesstaat Iowa. Ein Film, in dem sich ein Rocker auf die Suche nach einem Naziverbrecher begibt.

Straches diesbezügliche Analysen wäre ebenso erhellend gewesen, wie seine Sprache tatsächlich wieder lustig war. Herrlich etwa, wie er beim Ausweichen, also auf die Frage, ob er die direkte Demokratie gleich oder später umsetzen wolle, Gegenwart und Zukunft verschmolz, indem er von "jetzt in der Zukunft" sprach. (Ljubisa Tosiæ, DER STANDARD; Printausgabe, 5./6.1.2012)

  • Strache zu Gast in der "ZiB 2": Die Sendung zum Nachsehen hier auf tvthek.orf.at.
    foto: tvthek.orf.at

    Strache zu Gast in der "ZiB 2": Die Sendung zum Nachsehen hier auf tvthek.orf.at.

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