Weniger AMS-Kurse, dennoch steigen Kosten

Günther Oswald
4. Jänner 2012, 19:46
  • Ausbildungsplätze für Lehrlinge, die am freien Markt keinen Job finden, zählten 
in den vergangenen Jahren zu den Schwerpunkten des AMS.
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    Ausbildungsplätze für Lehrlinge, die am freien Markt keinen Job finden, zählten in den vergangenen Jahren zu den Schwerpunkten des AMS.

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    grafik: der standard

Fast eine halbe Milliarde Euro gibt das AMS jährlich für Schulungen aus, ein beträchtlicher Teil geht an kammernahe Organisationen

Mit der Transparenz ist es nicht immer zum Besten bestellt, rügt der Rechnungshof.

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Wien - Arbeitslose ärgern sich oft, wenn sie mehrmals AMS-Kurse wie "So bewerbe ich mich richtig" absolvieren müssen. Neben der Frage nach der Sinnhaftigkeit solcher Schulungen gibt es aber auch Kritik vom Rechnungshof abwärts, wonach bei der Fortbildung Jobsuchender viel Geld in den Strukturen versickere.

455 Millionen gab das Arbeitsmarktservice 2011 für Kursmaßnahmen aus. Zwar wurde die Zahl der Teilnehmer wegen der relativ guten Wirtschaftslage zurückgefahren, da man aber auf höherwertige (und somit teurere) Kurse setzte, sind die Ausgaben in absoluten Zahlen neuerlich angestiegen (siehe Grafik).

Kritiker meinen noch immer, die großen Bildungsinstitute bfi und Wifi würden bei der Vergabe begünstigt. Ersteres gehört der Arbeiterkammer (AK) und dem ÖGB, Letzteres der Wirtschaftskammer (WKO). Ein Drittel des gesamten Vergabevolumens geht an bfi und Wifi.

Das AMS argumentiert, eine Begünstigung sei laut Vergabegesetz gar nicht möglich. Außerdem sei der Anteil der kammernahen Institute in den vergangenen Jahren stark gesunken. Das stimmt zweifelsohne, allerdings haben die Sozialpartner in der politischen Realität weiterhin großen Einfluss auf die aktive Arbeitsmarktpolitik. Im AMS-Verwaltungsrat sind sie paritätisch vertreten, sie können also indirekt Einfluss auf das Geschäft "ihrer" Bildungsinstitute nehmen. Praktischerweise sind die bfi- und Wifi-Standorte häufig mit den AK-, ÖGB- oder WKO-Niederlassungen ident. Die Kammern und der ÖGB haben also auch ein direktes Interesse, dass die Bildungsinstitute gut ausgelastet sind.

Änderungen

Dennoch habe sich seit den 1990er-Jahren vieles geändert, meinen Kenner der Szene. Zahlreiche private Bildungsinstitute haben sich etabliert, persönliche Kontakte in die AMS-Landesgeschäftsstellen spielten aber auch dort eine große Rolle, heißt es hinter vorgehaltener Hand. In diese Kerbe schlug im Vorjahr auch der Rechnungshof. Österreichweit fehlten Preis- und Leistungsvergleiche bei AMS-Vergaben, fast ein Drittel des Fördervolumens werde direkt, also ohne jede Ausschreibungen, vergeben. Außerdem fehlten häufig die Bewertungen der zum Zug gekommenen Bieter, und bei den Mitgliedern der Vergabekommissionen bestehe die "Gefahr einer zu geringen sachlichen Distanz", da sie häufig schon in die Planung von Kursen eingebunden seien. Was damit gemeint ist: In der Praxis gehen die Kursanbieter offensiv auf die Landesgeschäftsstellen zu und bieten ganz bestimmte Schulungen an. Die Entscheidung für einen Förderschwerpunkt kann also schon die Vorentscheidung für einen konkreten Anbieter sein.

Beim AMS meint man, es sei im Sinne einer "effizienten Administration", Aufträge bis 100.000 Euro direkt zu vergeben. Als "nicht nachvollziehbar" bezeichnet man die Kritik, den Vergabekommissionen fehle es an sachlicher Distanz. "Wer, wenn nicht die Konzepthersteller sollten hier sachkundig sein?", fragt AMS-Vorstand Johannes Kopf. Eine Trennung zwischen Konzeption und Bewertung sei angesichts des Personalstands auch gar nicht durchführbar.

Auf Anregung der Prüfer will man künftig aber die Bewertungen jedes Kommissionsmitgliedes archivieren. Die Angebote aller Anbieter werden aber weiterhin nur ein Jahr aufbewahrt. Der Rechnungshof wäre für längere Fristen, um spätere Kontrollen zu ermöglichen. Aufgehoben würden nur die Angebote der Bestbieter, so Kopf. Gibt es keine Einsprüche unterlegener Bieter, "sehen wir keine wirkliche Dringlichkeit, Berge von Papier über Jahre hinweg aufzuheben". (Günther Oswald, DER STANDARD, Printausgabe, 5.1.2012)

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hat schon mal jemand oder kennt vllt auch nur jemanden..

... der übers AMS einen vernünftigen Job gefunden hat? Also meiner Erfahrung nach, muss man die beim AMS ausgeschriebenen Stellen links liegen lassen und sich selber auf die Socken machen. Wenn man sich bei einer Firma vorstellt und die checken man kommt vom AMS schießt man sich ja sowieso sofort als Volldoddl ins aus, oder?

Alles was ich jemals vom AMS bekommen habe war die ANtwort dass ich einer der top ten qualifiziertesten Arbeitslosen im Zusständigkeitsbereich bin und desegen keine Kurse (dien Sinn machen und ich brauche ) bekommen.

Einen Job wegen einem Kurs des AMS bzw. über das AMS hab ich noch NIE bekommen. Die haben mir ja nicht mal passendde Vorschläge gesendet.

Also alles Schwachsinn. Die kann man nur als Zahlstelle betrachten denn zu mehr sind die nicht in der Lage.
Die steigen bereits bei HTL Abschlüssen aus. Von Akademikern (technisch, wirtschaftlich) mal ganz abgesehen.

Firmen, die nur übers AMS inserieren,

wollen sich die Inseratkosten sparen und man darf davon ausgehen, dass sie bei den Gehältern der zukünftigen Arbeitskräfte genau so "sparsam" sein werden.
Auch meiner Erfahrung nach ist es kaum möglich, über das Arbeitsamt eine ordentliche Stelle mit fairer Bezahlung zu bekommen. Bewerber, die mit einer Stellenzuweisung vom AMS zu einer Firma kommen, sollten damit rechnen, misstrauisch beäugt zu werden. Ein aus Eigeninitiative ausgedrucktes Inserat von der AMS-Webseite macht den Arbeitssuchenden auch nicht viel vertrauenerweckender.

Am Besten macht sich eine Bewerbung aus einer Tageszeitung und man erspart sich auch gleich die von manchen Firmen getätigte Aussage, die Bewerber wollen doch alle nur "den Stempel".

persönliche Kontakte in die AMS-Landesgeschäftsstellen spielten aber auch dort eine große Rolle, heißt es hinter vorgehaltener Hand. In diese Kerbe schlug im Vorjahr auch der Rechnungshof. Österreichweit fehlten Preis- und Leistungsvergleiche bei AMS

schoene Umschreibung fuer Korruption. Danke.

Es haben sich Kursfirmen aufgelöst oder wurden insolvent.

Was geschieht mit den Daten der Kursteilnehmer?

Insolvent? Ich weiß nur von Venetia. Leider

wachsen diese Kursinstitute wie die Schwammerln aus dem Boden. Kein Wunder, so schnell kann man nirgendwo für wenig Leistung so viel Geld verdienen.

Unsere Daten? Ich würde mir in der Handhabung damit keine übermäßige Korrektheit erwarten, denn in einem WIFI-Deppenkurs teilte die Cheftrainerin einmal Listen an die Kursteilnehmer aus, wo sämtliche Daten + Soz.Vers.Nrn. von ALLEN angegeben waren.

Insolvent? Ich weiß nur von Venetia, leider

Diverse user meinten, wer in den "Kursen" ein

ehrliches feedback abgibt, bekommt vom AMS eine Bezugssperre. Na ja, da kommt's schon auch auf die Formulierung an.
In einigen Kursen habe ich die Kursgestaltung kritisiert, Kindergartenniveau; die verschmutzten Bildschirme, die wahrscheinlich das letzte Mal im vorigen Jahrtausend gewartet worden sind; die minimale fachliche Eignung der TrainerInnen und ihre mangelnde soziale Kompetenz (auch der Vorgesetzten, bei Kontakt).

Angeblich ist das feedback über das Kursinstitut anonym, falls es doch nicht so ist, beunruhigt es mich auch nicht. In meinem letzten Kurs hatte ich unter mein kritisch verfasstes feedback meinen Namen geschrieben, mit dem Zusatz: Dazu stehe ich!
Weder meine Beraterin, noch sonst jemand hat mich danach gefragt!

Es gibt Kurse da wird einem unmissverständlich gesagt das man positiv zu bewerten hat!

Ich hatte ja schon einige unangenehme

Kurse und Trainer, aber so direkt hat noch keiner den Kursteilnehmern die Anweisung gegeben, doch positiv zu werten.
Es wird sicher erwartet, das ist klar, aber ich hätte es nie gemacht. Das AMS hat das Recht, zu erfahren, was in den "Schulungen" passiert. Auch wenn sich wahrscheinlich nichts ändern wird, können sie dann nicht behaupten, von NICHTS gewusst zu haben.

Wenn das AMS wirklich will, kann man das Problem recht einfach

mittels Webbasierter Befragung nach dem Kurs ueber eine AMS Seite loesen. Der Kursveranstalter bekommt dann nur mehr eine Endauswertung in Summe. Wenn man will, kann man es schon von vorherein so machen das es sauber laeuft, ohne Eingriffsmeoglichkeit. Wenn mans ganz sauber will, beuaftragt man einen Dritten damit, moeglichst nicht aus Oesterreich sondern z.b. der Schweiz.

Die webbasierte Befragung dürfte großteils

ausgeführt werden. Man öffnet die AMS-Seite, bekommt vom Trainer einen Zugangscode und beantwortet die gestellten Fragen nach einem Punkteystem. Es gibt aber auch die Möglichkeit, eigenen Text einzugeben, leider nur im Kurzformat.
Nach Beendigung der Befragung darf der PC auf keinen Fall ausgeschaltet werden, was mich aus gutem Grund misstrauisch machte und mich auf den Gedanken brachte, es könnte womöglich an den Eingaben der Kursteilnehmer manipuliert werden.

Ich finde, jeder sollte seine ehrliche Meinung abgeben, was ich auch getan habe, leider sahen es die anderen nicht so. Manche hatten Angst vor einer Bezugssperre oder waren froh, dass sie diesen Kurs hinter sich hatten. Andere waren der Meinung, dass es sowieso nichts bringt.

Evaluierung von Kursen des AMS (webbasiert)

Ich bin seit vielen Jahren in der Erwachsenenbildung tätig, u.a. auch in Kursen des AMS.
Bei der webbasierten Evaluierung habe ich in meinem Umfeld noch NIE von einer derartigen Nötigung Kenntnis erlangt - gerade die Evaluierung ist ein wichtiger Fakt, um die Zufriedenheit oder Unzufriedenheit eines Kursteilnehmer zu erfahren. Sie sollten bedenken, daß den großteils engagierten TrainerInnen in Schulungen nur ein wirklich ehrliches Feedback die Möglichkeit zur Verbesserung der Informationsvermittlung gibt. In die eigene Tasche zu lügen, hat wenig Sinn.
Daß es beim anonymen Feedback-Bogen Konsequenzen seitens AMS geben soll, ist eine Behauptung, die sich selbst sinnentleert.

Wer länger mit den AMS-Schergen zu tun hat,

kann sich alles vorstellen, auch dass wegen "unqualifizierter" Beschwerden eines Kursteilnehmers eine Bezugssperre wegen "Vereitelung des Kursziels(???)" konstruiert wird.
Ich sitze derzeit in einer mehrwöchigen AMS-Zwangsmaßnahme und Sie dürfen mir glauben, dass ich zu Arbeitszeiten nie so müde und kraftlos war, wie nach den Kursen. Eine Müdigkeit entstanden aus geistiger UNTERforderung.
Ich freue mich schon auf das Feedback und werde es wie immer wahrheitsgemäß und sachlich ausfüllen, auch wenn die Trainer noch so auf Schnelligkeit drängen!

es gibt keine verantwortlichen

höherwertige Kurse...

wie bewerbe ich mich richtig für fortgeschrittene

An alle, die dem AMS-Vorstand ein Email schreiben wollen

johannes.kopf@ams.at und sein großer dicker Bruder herbert.buchinger@ams.at

An alle, die dem AMS-Vorstand ein e

was die da an kohle für schulungen reinbuttern könnte gleich dafür verwendet werden um wieder mehr staatliche betriebe auf die beine zu stellen, die kostendeckend arbeiten, um der privatisierungs-schleife und dem damit einhergehenden lohndumping mal eine antwort zu geben...

Womit glauben Sie, werden die ganzen Leute bezahlt, die bei bfi, Wifi, sonstwas... arbeiten?

Vielleicht bekommen Sie beim AMS mal einen Kurs für: "Wie denke ich einen Gedanken um 3cm weiter?"

oberflächlichkeit ist entbehrlich

ich benötige keinen kurs vom ams. und unter dem aufstellen von betrieben verstehe ich nicht ein aufstellen von betrieben, die haargenau in die unnötige-kurse-damit-irendwer-abcashed-schiene fallen, die allen nützt, nur arbeitslosen nicht, wenn sie eine sinnvolle beschäftigung suchen. ich meinte nicht, die nächste ausbeuter-firma hinzustellen, die um nichts besser ist, als eine privatisierte firma, die profit für wenige erzeugt und der arbeitenden masse gerade soviel zum leben übrig lässt, sodass sie nicht revoltiert und gleichzeitig noch ihre arbeitskraft reproduzieren kann.

Sie haben zwar nicht mich angesprochen,

aber ich antworte Ihnen trotzdem!

Der Umgangston, den Sie hier im Forum anwenden, kommt mir bekannt vor. Sie verteidigen das gegen arbeitslose Menschen angewandte unbarmherzige System so glühend, dass ich vermute, Sie sind selber am AMS beschäftigt und teilen Zwangsmaßnahmen aus.
Mit Ihrer Weitsicht kann es demnach auch nicht weit her sein, denn mit den 164 Millionen Euro, die für
Volksverblödungskurse ausgegeben werden, könnte man genau so Qualifizierungskurse anbieten, was das AMS aber nur selten tut.

Jetzt verraten Sie uns interessierten usern, WARUM das so ist?!

Immerhin

ein Hauch von Kritik nach Jahren der Hofberichterstattung.

Also: Es gibt nicht nur bfi und wifi. In der FAB sitzt der Präsident der AK Oberösterreich, ÖSB sowie deren Tochter itworks ist eindeutig SPÖ-nahe. Volkshilfe und Caritas sind ebenfalls politisch eindeutig zuordbar.

Wenn wir alle parteinahen Einrichtungen zusammen zählen kommen wir vielleicht doch auf mehr als 2/3.

Aus unserer Sicht handelt es sich da um parteipolitisch organisierte Kriminalität die von Rechts wegen eigentlich die Staatsanwaltschaft untersuchen sollte.

Jene, die einen sinnvollen Kurs ergattert haben, mögen sich darüber freuen, aber jene nicht verhöhnen, die nicht dieses Glück haben. Es kann schließlich jeden treffen, denn es fehlen 500.000 Arbeitsplätze!

Es klingt ein bisserl so,

wenn sie die Meldung hingeschleudert bekommen: das was im wifi-kursbuch oder bfi-buch steht wird bezahlt, sonst nix! So werden Menschen, die wirklich was aus Ihrem Leben machen wollen aufgehalten! Hab gesagt, ich will den Job machen, weil das das ist was mir gefällt und was ich mir bis zum Schluss vorstellen kann, nach all meinen missglückten Jobs! Antwort der Betreuerin:" naja, wenn jeder nur den Job macht der sein Traumjob ist...! Das hier ist auch nicht mein Traumjob!" gute Antwort für einen der Dich dauerhaft vermitteln soll, oder?

Zweifellos sind diese "Wie bewerbe ich mich richtig" Kurse eine Plage für jemanden, der ohnehin schon öfter dorthin geschickt wurde.
Gleichzeitig gehört auch besser drauf geschaut, wen man in eine Gruppe setzt.
Es bringt nichts, wenn die meisten die dort im Kurs sitzen kein Deutsch können oder nur wenig Deutsch und so die Produktivität des Kurses bei 0 liegt.
Ich möchte aber gleichzeitig auch dafür danken, dass mir das AMS einige Fortbildungen bezahlt hat, die mir nützlich waren und mich beruflich weitergebracht haben.
Der Berater beim AMS ist reine Glückssache.
Es gibt sehr nette und kompetente und es gibt permanent unfreundliche Deppen, die glauben Macht zu besitzen.

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