DFB-Teamspieler geht im Sommer für 18 Millionen Euro von Gladbach in seine Heimatstadt Dortmund
Köln - Das einst verschmähte Kronjuwel kehrt
zurück: Meister Borussia Dortmund hat Marco Reus verpflichtet und dem
Branchenprimus Bayern München den derzeit begehrtesten deutschen
Nationalspieler vor der Nase weggeschnappt. Reus, der in der Hinrunde in
15 Ligaspielen 10 Tore für Borussia Mönchengladbach erzielt hatte, wird
im Sommer für die festgeschriebene Ablöse von 17,5 Millionen Euro zum
BVB wechseln. In Dortmund, wo seine Eltern und seine Freundin wohnen,
erhält der 22-Jährige einen Vertrag bis 2017. 2006 hatte der BVB Reus
für nicht gut genug befunden und zu Rot-Weiss Ahlen ziehen lassen.
"Es
wird mir weh tun, dieses für mich wichtige, gute Umfeld zu verlassen.
Es war mir wichtig, mit Gladbach fair und offen umzugehen und kein
langes Versteckspiel zu treiben", sagte Reus. Sportliche Gründe hätten
den Ausschlag gegeben: "Ich habe mich entschieden, dass ich in der
kommenden Saison den nächsten Schritt machen und bei einem Verein
spielen möchte, der um die Meisterschaft mitspielt und mir die Garantie
gibt, in der Champions League zu spielen. Diese Chance sehe ich in
Dortmund."
Seine Entscheidung will er keinesfalls als
"Entscheidung gegen Gladbach" ausgelegt sehen. "Ich hatte hier bis jetzt
eine wunderbare Zeit. Borussia hat mir die Chance gegeben, mich in der
Bundesliga zu zeigen und mich zu dem Spieler zu entwickeln, der ich
jetzt bin", sagte der dreimalige Nationalspieler.
Der BVB genoss
seinen Transfercoup eher still. "Mit Marco Reus verpflichten wir unseren
absoluten Wunschspieler für die Offensive", sagte Sportdirektor Michael
Zorc: "Wir freuen uns, dass sich Marco trotz hochkarätiger Konkurrenz
für den BVB entschieden hat." Klubchef Hans-Joachim Watzke erklärte:
"Der Transfer ist aus unseren Rücklagen der letzten Jahre solide
finanziert. Marco Reus ist ein Spieler, der den Unterschied ausmacht,
und dazu ein echter Dortmunder Junge."
Gladbachs Manager Max Eberl
betonte, der Verein sei für Reus "über seine Schmerzgrenze gegangen",
dennoch habe sich der Spieler für einen Wechsel entschieden. Reus habe
"seine Gründe ausführlich erklärt, und ich kann das bei aller
Enttäuschung nachvollziehen. Es bringt ja nichts, jetzt zu jammern.
Weltklassespieler wollen bei Weltklasseklubs spielen, und Marco Reus ist
für mich ein Weltklassespieler."
Deshalb war wohl auch Bayern
München interessiert, aber nicht völlig überzeugt - der Rekordmeister
hatte stets erklärt: "Wenn der FC Bayern einen Spieler verpflichten
will, wird er ihn auch verpflichten, da spielen, zwei, drei Millionen
keine Rolle." Nun erklärte Bayerns Mediendirektor Markus Hörwick im
Trainingslager in Katar, der Verein werde sich nicht weiter äußern.
Reus
sagte, er habe die Entscheidung in seinem Weihnachtsurlaub in Dubai
getroffen. "Ich habe mich wirklich bis Weihnachten nicht mit diesem
Thema beschäftigt, sondern das alles meinem Berater überlassen. Borussia
hat mir vor Weihnachten noch einmal ein sehr gutes Angebot für eine
Verlängerung meines Vertrags bis 2016 gemacht und dies in dieser Woche
noch einmal bekräftigt." Diese Bemühung wisse er sehr zu schätzen, denke
aber, "dass es für meine Entwicklung der richtige Schritt ist, nach
drei Jahren in Mönchengladbach nun zu Borussia Dortmund zu wechseln".
Reus
versicherte, er werde für Mönchengladbach "Gas geben bis zur letzten
Spielminute der Saison. Am liebsten würde ich mich hier mit einem Titel
verabschieden, und der ist im Pokal ja auch noch drin. Und ich möchte
dazu beitragen, dass wir mit der Mannschaft unsere tolle Hinrunde
bestätigen." (SID)