Afghanistan-Experte

"Taliban werden Gegenleistungen verlangen"

Interview | 5. Jänner 2012, 06:16
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    foto: ap/dapd/ishtiaq mehsud

    Die Taliban-Kommandanten Hakimullah Mehsud (links) und Waliur Rehman

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    foto: swp

    Thomas Ruttig: Das Wichtigste ist, dass die Taliban ein offizielles Zeichen senden, nicht nur an Krieg zu denken.

Thomas Ruttig über die Verhandlungen zwischen USA und Aufständischen, Truppenabzug und den Einfluss Pakistans

Zehn Jahre nach der US-geführten Invasion Afghanistans mehren sich die Anzeichen für eine mögliche Verhandlungslösung. Die aufständischen Taliban wollen ein Verbindungsbüro im Golfstaat Katar einrichten, um Gespräche mit der US-Regierung zu erleichtern. Nach anfänglichem Widerstand hat auch Afghanistans Präsident Hamid Karzai zu verstehen gegeben, dass er diplomatische Bemühungen nicht behindern wird. Bert Eder erreichte den Afghanistan-Experten Thomas Ruttig im Weihnachtsurlaub und sprach mit ihm über die Aussichten auf eine Beendigung des Konflikts.

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derStandard.at: Wozu hat man zehn Jahre Krieg am Hindukusch geführt, wenn man jetzt durch Verhandlungen eine friedliche Lösung erreichen könnte, in deren Rahmen die Taliban der Gewalt und Verbindungen zu internationalen Terrororganisationen abschwören?

Thomas Ruttig: Man hat erst ziemlich spät begonnen, nach einer politischen Lösung zu suchen, und diese Bemühungen zeigen nun offenbar erste Erfolge. Das Wichtigste ist, dass die Taliban ein offizielles Zeichen senden, nicht nur an Krieg zu denken. Offenbar beginnen sie langsam zu glauben, dass es die internationale Staatengemeinschaft und die USA mit diesen Gesprächen ernst meinen.

derStandard.at: Wäre das nicht auch schon früher möglich gewesen?

Ruttig: Bisher hat es an gegenseitigem Vertrauen gemangelt. In der kriegerischen Auseinandersetzung, in der beide Seiten gezielte Tötungen einsetzen, ist es schwer, Gesprächsangebote ernst zu nehmen.

derStandard.at: Warum hat Ihrer Meinung nach Präsident Karzai nach anfänglichem Widerstand nun doch der Einrichtung des Büros in Katar zugestimmt? Ursprünglich hat Karzai ja deswegen sogar den Botschafter aus Katar abgezogen.

Ruttig: Offenbar wurde die Forderungsliste, die die Afghanen an die Amerikaner geschickt haben, nun nach intensiven Gesprächen doch akzeptiert.

derStandard.at: Im November 2010 hat sich ein Geschäftsbesitzer aus dem pakistanischen Quetta als Taliban-Verhandler ausgegeben und so hunderttausende Dollar erbeutet (derStandard.at berichtete). Welche Gewissheit gibt es, dass die Unterhändler diesmal echt sind?

Ruttig: Einige der Taliban-Gesprächspartner kennt man aus der Zeit, als sie noch Afghanistans Regierung stellten. Da ist zum Beispiel Tayeb Agha, Ex-Botschaftsangehöriger in Pakistan, oder auch der ehemalige Vize-Gesundheitsminister Sher Abbas Stanekzai, der damals das einzige Regierungsmitglied war, das einigermaßen Englisch sprach.

2010 haben sich ausländische Mächte bemüht, Verhandlungen aufzunehmen, und jeder versuchte, den größten oder dicksten Taliban zu angeln, wobei natürlich Fehler passieren können. Aus solchen Dingen kann man allerdings zum Glück auch seine Lehren ziehen.

derStandard.at: Eine der Bedingungen, die die Taliban stellen, ist die Freilassung mehrerer Guantanamo-Häftlinge. Ist dies mitten im Wahlkampf in den USA politisch durchzusetzen?

Ruttig: Das wird schwierig. Schließlich hat ein Gericht in Washington im Juni eine Haftprüfung für Khairullah Said Wali Khairkhwa abgelehnt. Andererseits gibt es auch republikanische Politiker, die die Truppen nach Hause bringen wollen. Falls Obama dies gelingen sollte, könnte er das als Erfolg verkaufen.

derStandard.at: Ist das Abzugsdatum 2014 realistisch?

Ruttig: Die afghanischen Institutionen sind noch nicht stabil genug, sich alleine behaupten zu können. Es wird wohl eher nach irakischem Vorbild eine Umwidmung der Kampftruppen in eine Trainings- und Monitoring-Mission werden, und auch die Special Forces werden wohl im Land bleiben.

derStandard.at: Würden sich die Taliban im Falle einer Regierungsbeteiligung damit abfinden?

Ruttig: Sie würden sicher Gegenleistungen verlangen. Möglich wäre, dass es den ausländischen Truppen untersagt wird, sich in innenpolitische Auseinandersetzungen einzumischen, sie sich also nur der Terrorismusbekämpfung widmen dürften.

derStandard.at: CNN berichtet unter Berufung auf pakistanische Diplomaten, dass Islamabad mit den neuen Verhandlungen alles andere als glücklich ist, weil der einflussreiche Geheimdienst ISI nicht eingebunden ist. Ist damit zu rechnen, dass die Pakistaner die Verhandlungen sabotieren?

Ruttig: Das ist zumindest nicht auszuschließen. Hier sind die USA gefordert, die Pakistaner über etwaige Fortschritte zu informieren. Aus afghanischer Sicht ist es natürlich durchaus sinnvoll, die Taliban aus der direkten Beeinflussung durch die Pakistaner rauszukriegen. Die Taliban wiederum sind aus logistischen Gründen darauf angewiesen, die Pakistaner nicht vor den Kopf zu stoßen.

derStandard.at: Ist mit baldigen Ergebnissen der Verhandlungen zu rechnen?

Ruttig: Es ist wichtig, dass der erste Schritt getan wurde. Erfolgsgarantie gibt es keine, aber man muss es vor allem im Interesse der afghanischen Bevölkerung, die am meisten unter dem Konflikt leidet, versuchen. Wichtig ist vor allem, "Spoiler" wie die Pakistaner, die Sand ins Getriebe streuen könnten, zu beruhigen und diese wissen zu lassen, dass solche Torpedierungsversuche nicht gut ankommen. (derStandard.at/5.1.2012)

Zur Person

Der Afghanist Thomas Ruttig ist Ko-Direktor des Afghanistan Analysts Network (AAN) und war politischer Berater der deutschen Botschaft in Kabul.

Kommentar posten
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Affe&Affe
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Hätte sich die Welt bei der Sowjet-Besatzung Afghanistans rausgehalten, hätten heute die Russen diese Wahnsinnigen am Hals.

slimfilter
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Man merkt, die Interessen gehen Richtung Iran.....

thys
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taliban und regierungsBETEILIGUNG ..

die weltanschauung und ziele der taliban stehen sowohl mit dem begriff regierung als auch beteiligung in konflikt denke ich ..

lächerlich

Jambala Magdalena
02

Die Taliban haben keine Legitimation für das Volk zu sprechen, da sie ja nicht gewählt wurden.

zimbo
 
38
Karzai und die amis auch nicht.

mikesh713
 
02

boah, durch den krieg in afghanistan und pakistan hat man es wirklich geschafft, die taliban von einer obskuren hinterweltlerpartie zu einer anerkannten politischen gruppierung aufsteigen zu lassen, mit der man offiziell diplomatisch umzugehen hat. boah.

onduras
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naja , das haben sie aber schon selber geschafft, ich erinnere nur an diverse anschläge vor dem 11.9

Fritz Meyer
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Schaut nicht sehr überzeugend aus das Bild.

Links haben's den Kabir Bedi reinkopiert und rechts den Brian Blessed. Und der hinten schaut wie Eric Idle von Monty Python aus.

Foto "AP" - "A'bisserl Photoshop"?

Cake of Peace
53
Das Wichtigste ist, dass die Taliban ein offizielles Zeichen senden, nicht nur an Krieg zu denken.

Ich dachte, dass die CIA den Krieg begonnen hat. Wie soll das also gehen? Müssen sich die Taliban dafür entschuldigen?

Wer dem Terror den Krieg erklärt und damit rechtfertigt Länder anzugreifen, kann sich das nur leisten weil er der stärkere ist. Die meisten Europäer schweigen dazu, weil sie das einsehen - sie waren/sind ja auch nicht besser.

Wer dem Terror den Krieg erklärt, erklärt jedem Land den Krieg und jedem Bürger (auch den Erdhöhlenbewohnern) weltweit und das auf unbestimmte Zeit.

Mit interessiert wie wir in 30 Jahren die US-Terrorpolitik bewerten - die dünkelste Zeit in der Geschichte der USA?

In Deutschland denken 89% der Bevölkerung, dass das WTC gesprengt wurde. Wie konnte die USA in ihrem Ansehen so tief sinken? Zurecht?

politisch-unkorrekt
26
Entschuldigung, aber Ihnen ist schon bewußt, dass Sie hier islamistischen Mördern, Unterdrückern, Frauenhassern Rosen streuen!

Cake of Peace
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Nehmen wir an, dass ich nicht islamistischen Mördern, Unterdrückern, Frauenhassern (die es sicher auch gibt) Rosen streuen würde.

Und belassen wir es dabei.

_ricko_
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ich vernahm noch keine "usa terrorpolitik" auf nicht-terror staaten

Cake of Peace
21

Hoffentlich wird in Afghanistan die Pressefreiheit einkehren wie bei uns. Es wäre schade wenn US-kritische Kommentare wie dieses, in afghanischen Blogs zensuriert würden oder wenn Postings verspätet publiziert würden, so dass man am Ende denkt, es gäbe eh Meinungsfreiheit in Afghanistan. Man kann es ihnen nur wünschen.

Prof. Wolf
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Es ist eher umgekehrt, usfreundliche Kommentare werden unterdrückt, ihr posten lesen gilt als Verrat - einmal wurden zwei Buben ermordet nur weil sie Soldaten begrüßt haben.

Cake of Peace
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so oder so. es ist der wurm drin. darüber muss unparteiisch geredet werden.

zimbo
 
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Selbst wenn es den Afghanen gelingt seine Besatzer samt dem Marionettenpräsident zu vertreiben,

unbd es kommt das, was man Demokratie nennt, kommt METHODE FAYMANN zum Einsatz.

Man muss schon realistisch bleiben, aber vielleicht wenigstens in den Foren auf einem russichen oder chinesischen Server ?

politisch-unkorrekt
33
Selbst Ihre Kleidung ist der Geisteshaltung angepasst: Mittelalterraufbolde!

Aeddan Hunt
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nomen est omen.

waldenoderlebenindenwäldern
 
31
Finde

die sehen wircklich Klasse aus.Wenn ich Neugebauer Cap,Petzner bei uns,Öttinger,Tierse,Künast bei den Deutschen als Vergleichsgruppe nehme,sehen die sogar Weltklasse aus.
Allerdings die schönste Politikerin der Welt ist Sahra Wagenknecht.@PI brauchst Dich nicht so aufpuddeln,wer weiß schon wircklich wo die größten Verbrecher sitzen und wie die ausschauen.

Cake of Peace
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Ich finde die sind für ihre Gegend sehr gut angezogen. Sie hatten aber in den letzten 10 Jahren wenig zu lachen, das sieht man ihnen an, leider. Ich möchte ihnen das nicht unterstellen, aber unter Hitler hat man auch Geister gesehen.

world-citizen
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Worüber eigentlich ..........

........ will man mit den Taliban verhandeln?
Ob sie spitze oder runde Steine für ihre Steinigungen verwenden?

der schwitzbär der schwitzt sehr
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über die 2 Mio. toten Kinder unter westl. Besatzung?

und das sind nur die unter 5 Jährigen

reife Leistung, fast wie damals in besetzten Osten

mistvieh666
 
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naja, die hoechste kindersterblichkeit weltweit 10 jahre nachdem wir ihnen den frieden und die demokratie gebracht haben, das hat was.
http://en.wikipedia.org/wiki/List... ality_rate
einschraenkend muss man halt sagen: da hat sich nicht viel geaendert in den letzten 50 jahren.

bei 1.3mio geburten pro jahr, von denen 1/4 (sagt unicef), also 300_000 pro jahr vorm 5. geburtstag sterben ... ja, ihre zahl stimmt ungefaehr.
http://en.wikipedia.org/wiki/Demo... fghanistan
ja, 500 kinder werden jaehrlich im krieg getoetet - sehr berichtenswert, 300_000 sterben so - scheissegal.

seit 30 jahren nur krieg und not und trotzdem hat sich die bevoelkerungszahl verdoppelt - kriege sind mittlerweile wirklich sinnlos.

der schwitzbär der schwitzt sehr
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Besatzungsmächte - und dieses mandat haben sie sich von der UNO ausstelen lassen - tragen die Verantwortung für die Lage der Zivilbevölkerung

es hat Hungersnöte gegeben, die schlimmste 2005, da sind zigtausende schlichtweg verhungert

für sowas ham sie keinen hubschrauber, nur zum Leut umbringen

und niemand zieht sie zur Verantwortung

unsere medien haben ihre Verantwortung aber sowas von versäumt

Cake of Peace
10

Schwitzen ist offensichtlich auch für den Verstand gut :-)

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