Ungarnkrise schadet

Österreich holte sich 1,2 Milliarden

10. Jänner 2012, 13:24

Wien - Die Republik Österreich hat sich am Dienstag ohne größere Probleme auf dem Kapitalmarkt 1,2 Mrd. Euro besorgt. Sowohl die Aufstockung einer zehnjährigen als auch einer vierjährigen Anleihe waren um das Doppelte überzeichnet. Etwas geschadet hat allerdings die in den letzten Tagen aufgeflammte Diskussion um eine mögliche Pleite von Ungarn. Der Zinsabstand im zehnjährigen Laufzeitenbereich zur deutschen Benchmark hat sich gegenüber Jahresultimo von 110 auf 140 Basispunkte ausgeweitet.

Die von den Banken akzeptierte durchschnittliche Rendite im zehnjährigen Bereich von 3,322 Prozent hat in etwa der aktuellen Sekundärmarktrendite entsprochen. Zum Vergleich. Die Sekundärmarktrendite für zehnjährige Bundesanleihen hat sich heute im Tagesverlauf von etwa 3,29 auf 3,20 Prozent verbessert. Ende 2011 lag sie noch bei 2,90 Prozent.

Ungarndiskussion schadet

Die Diskussion über eine mögliche Pleite von Ungarn habe auch Österreich geschadet, sagte die Chefin der Bundesfinanzierungsagentur (ÖBFA), Martha Oberndorfer. So habe der Spread im zehnjährigen Bereich zur deutschen Benchmark-Anleihe zum Zeitpunkt der Auktion 140 Basispunkte betragen. Per Jahresultimo 2011 habe er 110 Basispunkte betragen, nachdem er im Jahresverlauf zwischen 40 und 180 Basispunkten geschwankt sei. Es sei aber schwer, den Ungarn-Anteil zu beziffern. Die heutige Ankündigung von Fitch, das Triple-A-Rating von Österreich sei nicht gefährdet, "überrascht mich nicht", so Oberndorfer.

Auffallend sei diesmal gewesen, dass wieder mehr inländische Banken zugegriffen hätten - besonders bei der vierjährigen Emission, wo ein Viertel des Volumens auf österreichische Banken entfallen sei. Bei der längeren Emission seien es 18 Prozent gewesen. Ansonsten sei die Auktion "business as usual" gewesen. Wie fast immer seien die Emissionen um das Doppelte überzeichnet gewesen.

Negative Zinsen

Nicht nur Deutschland, sondern auch Österreich habe am Geldmarkt - also bei kurzlaufenden Emissionen von bis zu einem Jahr - negative Zinsen, so Oberndorfer. Im Drei-Monatsbereich lägen sie derzeit mit drei Basispunkten im negativen Terain, im Sechs-Monatsbereich derzeit bei Null. Neben Deutschland und Österreich würden auch Dänemark und die Niederlande negative Geldmarktzinsen aufweisen.

Die bei der heutigen Auktion erzielte Durchschnittsrendite von 3,322 Prozent entspreche ungefähr der immer sehr stark schwankenden Sekundärmarktrendite, meinte Oberndorfer. Dadurch, dass jedes Monat und über alle Laufzeiten Emissionen durchgeführt werden, könne man allgemein einen guten Durchschnittswert erzielen. "Wir nutzen die ganze Kurve und alle Instrumente", so Oberndorfer. Die Sekundärmarktrendite für zehnjährige Bundesanleihen hat sich heute Vormittag von etwa 3,29 auf 3,20 Prozent verbessert. Ende 2011 lag sie noch bei 2,90 Prozent.

Die Diskussion um Ungarn habe sicher eine Rolle für die erhöhte Volatilität gespielt, habe aber auch die Nachfrage positiv beeinflusst, meinte Oberndorfer. Investoren hätten den zuletzt erhöhten Spread zu Deutschland auch als interessante Chance gesehen.

Vom am Markt begebenen Volumen von jeweils 600 Mio. Euro bekamen inländische Banken im zehnjährigen Bereich 17,5 Prozent bzw. 105 Mio. Euro zugeteilt, auf ausländische Institute entfielen 82,5 Prozent bzw. 495 Mio. Euro. Bei der kürzeren Laufzeit betrug der Inlandsanteil 24,8 Prozent bzw. 148,6 Mio. Euro.

Der Bund plant für heuer die Aufnahme von 27 bis 30 Mrd. Euro, wovon 20 bis 24 Mrd. Euro auf neue Bundesanleihen entfallen sollen.

Deutscher Staat verdient Geld

Am Montag gab es indes ein Novum in der deutschen Geschichte: Der Staat verdiente mit Schulden erstmals Geld. Anders als üblich musste Deutschland Investoren bei der Versteigerung von Anleihen nicht mit Zinsen locken, sondern erhält selbst eine Prämie. Beim Verkauf von Geldmarktpapieren mit einer Laufzeit von sechs Monaten nahm der Bund 3,9 Milliarden Euro ein. Der durchschnittliche Zins lag bei minus 0,0122 Prozent, teilte die mit dem Schuldenmanagement betraute Finanzagentur mit.

"Das hat es bislang noch nie gegeben", sagte ein Sprecher zu Reuters. "Die Anleger bezahlen eine gewisse Prämie dafür, dass sie dem deutschen Staat Geld leihen." Im Dezember gab es noch einen Minizins von plus 0,001 Prozent. (APA/red, derStandard.at, 10.1.2011)

Kommentar posten
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Mister Oerzinga
 
00
schreibfehler?

"Beim Verkauf von Geldmarktpapieren mit einer Laufzeit von sechs Monaten nahm der Bund 3,9 Milliarden Euro ein. Der durchschnittliche Zins lag bei minus 0,0122 Prozent, teilte die mit dem Schuldenmanagement betraute Finanzagentur mit."

3,9 Milliarden? wieviel haben sich die Deutschen ausgeliehen um bei einem minus Zins von 0,0122% und einer Laufzeit von 6 Monaten 3,9 Milliarden zu erhalten?

Ravenhorst
00
20.1.2012, 23:56
gähn...........

Peter_23
21
10.1.2012, 21:54
Und wieder sind die Staatsschulden um 1,2 Milliarden Euro höher.

Wie war das noch mal mit der Failmannschen Schuldenbremse? Scheint nicht so recht zu bremsen.

was ich immer schon sagen wollte ...
11
11.1.2012, 14:51
was ist mit auslaufende anleihen, die den anlegern retourgezahlt werden??

naja ... das ueberfordert selbstverstaendlich die leute mit iq < 100 ;))

Hathor36
10
22.1.2012, 12:50
Natürlich sind die Staatsschulden nun höher!

Wenn laufende Anleihen mit neuen Anleihen zurückgezahlt werden müssen, kann die Staatsschuld ja nicht weniger werden. Sie vermehrt sich prinzipiell immer um den jeweiligen Zinssatz der Anleihen. Und das ist eine sog. Exponentialfunktion und wird mathematisch logisch zum Schluss im absoluten Chaos, Bankrott, Hyperinflation oder Krieg enden...

Kenneth Arrow
00
26.1.2012, 13:35

Die Staatsschulden sind in diesem Fall tatsächlich gewachsen.

Zu behaupten, daß dies, hm, historisch notwendig bzw. mathematisch logisch ist, zeugt von Unwissen.

Die Staatsschulden steigen, wenn die Tilgungen vollständig und, ganz oder teilweise, die Zinsen mit neuen Schulden finanziert werden.

Die Staatsschulden sinken, wenn die Zinsen vollständig und, ganz oder teilweise, die Tilgung, aus einem Budgetüberschuß finanziert werden.

Die relative Staatsverschuldung sinkt, wenn die Schulden langsamer wachsen als mit dem nominellen Wirtschaftswachstum. Dies ist mit einem Budgetdefizit (d.h. wachsender absoluter Verschuldung) vereinbar.

wahnsinn mit methode
21
10.1.2012, 18:48

haha. erklär einmal, du superschlauer, wer die zinsen zahlen muß? und wofür wurde das geld aufgenommen? für die banken?

Area Man
16
10.1.2012, 19:22

vielleicht auch für pensionen, schliesslich werden 50% aller pensionen seit vielen jahren aus dem laufenden budget bezahlt..

Peter_23
62
10.1.2012, 21:44
Wie war das nochmal mit dem Umlageverfahren bei den Pensionen?

Zur Erinnerung: Die Arbeitenden (ASVG) zahlen mit ihren Pensionsversicherungsbeitragen (Abgaben) die aktuellen Pensionen der Pensionisten.

Das ungute Schuldenmachen braucht es bei den Pensionen im Umlageverfahren nicht.

Die ÖVP-Schichten wie die Bauern oder auch Beamten sind punkto Pensionen aber ein Problem: Zahlen zu wenig ein und können sich ihre "Pensionen" nur durch Schuldenmachen "leisten".

wer wenn nicht er
01
11.1.2012, 07:58
JEDE Pensionskasse ist auf Zuschüsse aus Steuern angewiesen

Warum? Weil das Pensionsantrittsalter in Relation zur Lebenserwartung viel zu niedrig ist.

Das ist aber nicht neu sondern wird seit 20 Jahren diskutiert. Schon einmal davon gehört?

Deshalb ist der Zuschuss des Staates in die Pensionssysteme der mit Abstand größte Budget-Brocken!!

Besonders hoch sind die Zuschüsse der Kassen für Bauern, Beamte, Selbständige und ÖBB, allerdings aus unterschiedlichen Gründen:
- ÖBB: viel zu früher Pensionsantritt
- Beamte: zu hohe Pensionen
- Selbständige und Bauern: zu wenigen Beitragsjahre (da der Großteil zunächst 20 Jahre lang als Unselbständige in die ASVG einzahlt, mit Ende 30 Firma gründen / Hof übernimmt, und dann nur 25 Jahre in DIE Kasse einzahlt, die letzlich die Pension auszahlt)

Da Burli mit 3 Ouhrli
01
10.1.2012, 23:13
äh.

von der überalterung der gesellschaft hast du noch nie was gehört? pfu.

xruxl
00
10.1.2012, 22:57

Also ob der Bund den Beamten mehr zahlt, damit davon Pensionsversicherungsbeiträge abgeführt werden oder die Pensionen (ebenfalls vom Bund) aus dem Budget gestützt werden sollte im Endeffekt egal sein.

didi111
10
10.1.2012, 18:41
mike sierra
00
10.1.2012, 19:58

Die Financial Times ist auch schon lang nicht mehr was sie war. Und die FTD ist halt nur die Deutschland-Ausgabe:

"Ungarn ist der viertwichtigste Exportmarkt für Österreich."

Nach D, I, CH, USA, F und CZ folgt Ungarn erst auf der 7. Stelle.

Ähnlich ist der Artikel auch in anderen Bereichen eine Summe an Halbwahrheiten.

Das ändert aber nichts daran, dass Ö von einer Umgarnkrise sehr stark betroffen wäre.

Flosip
11
10.1.2012, 18:34

Da fragt man sich doch, wieso der Staat Österreich von Banken das Geld bekommt, und nicht von der EZB?

Stattdessen bekommen die Banken das Geld von EZB für 1% und wir zahlen 2,3,4 %?! Irgendwie pervers und dumm zugleich.

real.ist
41
10.1.2012, 19:33

Ja, das ist der Luxus der EU und des Euro.
Der Staat hätte bei Schilling an die Nationalbank herantreten können und sagen - druckt mal 13 Mrd. Schilling (Kosten: 0%)
Jetzt zahlen wir halt mit unseren Steuern 3% von 1 Mrd. Euro an Zinsen, sprich Gehälter, Boni, ... von privaten Banken.
(Die EU ist ja nicht aus dem Interesse von Staatsbürgern unterschiedlicher Länder, sondern aus dem Wirtschaftsinteresse von Unternehmen entstanden.)
Ich weiss, die Gefahr, dass dann die Regierung nicht spart, weil sie dauernd Geld drucken lässt. Naja, so werden halt laufend neue Staatsanleihen ausgegeben. Eine gute Regierung würde auch im Eigendruckverfahren auf ein gesundes Budget achten.

system1
26
10.1.2012, 16:05
wurden die 1,2 mrd. schon nach GR überwiesen?

oder erst morgen?

Lang lebe Hütteldorf
24
10.1.2012, 18:52

sie zeichnen sich durch besondere Ahnungslosigket aus. Erinnert mich an FPÖ-Parolen Ihr Sager.

der schwitzbär der schwitzt sehr
33
10.1.2012, 16:04
die Erhöhung der Staatsschulden um 1,2 Mrd.

als "frisches Kapital" zu bezeichnen, ist schon eine Chuzpe

Oder ist in den 1,2 Mrd. die Mille Presseförderung für den Standard drin ?

Anaxagoras
12
10.1.2012, 16:20
Sie hören wohl das Gras wachsen - haben aber keine Ahnung.

Die Summe der Anleihen unmittelbar den Staatschulden zuzurechnen, ist schlicht unwissend.

der schwitzbär der schwitzt sehr
30
10.1.2012, 16:35

Ahnunghabender, Sie meinen doch nicht etwa, das "frische Kapital" würde zur Rückzahlung fälliger Altschulden verwendet ?

Was wäre daran "frisches Kapital" ?

globetrottel
00
10.1.2012, 23:02

Es gibt sicher irgendein anderes Thema, von dem Sie ganz ganz viel verstehen. ich verspreche feierlich, dass ich Ihre brillianten Postings dort ehrfurchtsvoll lesen werde, und bitte um den Link.

roland geheim
00
10.1.2012, 13:02
sehr gute auktion...

durchschnittlich also nur 2,7% zinsen -> das ist weit weniger als die durchschnittsverzinsung der älteren anleihen (die bei über 4% liegen), siehe:

http://www.oekb.at/de/osn/Do... ufzeit.xls

nur meine meinung

Anaxagoras
00
10.1.2012, 16:23
Wenn Sie sich die Differenz unserer Konditionen für Anleihen.....

..mit denen Deutschlands vergleichen, sind wir aber massiv schlechter geworden Oder die Deutschen besser. Lesen Sie den Bericht unter dem Hinweis auf die "Benchmarks".

higgs - wozu?
35
10.1.2012, 14:45

ob 20% zinsen oder 0,00001% ist vollkommen wurscht - bezahlen dürfens immer wir und für jene die sie bekommen bedeuten sie ein leistungsloses einkommen - verpflichtende verschuldung über zinsen, nur um überhaupt geld verwenden zu können, ist abzulehnen, sowohl aus moralischen als auch aus wirtschaftlicher sicht, weil die permanente umverteilung über den mechanismus der zinsen weder gerechtfertigt noch nützlich ist, sondern alle unsere probleme erst verursacht.

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