Brüssel - Der Preisdruck in der Euro-Zone hat seinen Höhepunkt
vorerst überschritten. Die Verbraucherpreise stiegen im Dezember nur noch um 2,8
Prozent zum Vorjahresmonat, wie Eurostat am Mittwoch in Brüssel mitteilte. Zuvor
hatte die Teuerungsrate drei Monate in Folge auf einem Drei-Jahres-Hoch von 3,0
Prozent verharrt. Experten hatten mit dem Rückgang gerechnet, der in Deutschland
noch stärker ausfiel. Hierzulande war die Teuerungsrate Ende vorigen Jahres
sogar auf 2,4 Prozent gefallen.
Die Europäische Zentralbank (EZB), die jüngst die Zinszügel weiter gelockert
hatte, erwartet für dieses Jahr einen deutlichen Rückgang der Inflationsrate auf
durchschnittlich zwei Prozent. Die Bundesbank rechnet für Deutschland in diesem
Jahr sogar mit einer Teuerungsrate von lediglich 1,8 Prozent. Bei Werten von
knapp unter zwei Prozent sieht die EZB stabile Preise in der Euro-Zone
gewährleistet. "In einem Umfeld schwachen Wachstums in der Eurozone und weltweit
sollte der Kosten-, Lohn- und Preisdruck moderat bleiben", sagte EZB-Präsident
Mario Draghi jüngst.
Er hatte in zwei Schritten im November und Dezember den Leitzins auf 1,0
Prozent gedrückt, obwohl die Teuerungsrate damals noch auf dem Drei-Jahreshoch
lag. Kritiker warfen dem EZB-Präsidenten daher vor, die Inflation mit einer
Politik des billigen Geldes noch weiter anzuheizen. Draghi hatte aber aus Sorge
vor einer heraufziehenden Kreditklemme und einer drohenden Rezession in der
Euro-Zone die Geldschleusen noch weiter geöffnet und den Banken zuletzt für drei
Jahre fast eine halbe Billion Euro zum Leitzins zur Verfügung gestellt.
Die voraussichtlich in den kommenden Monaten im Zuge nachgebender
Energiepreise weiter abebbende Jahresteuerung eröffnet der EZB Spielraum für
eine weitere Lockerung der Geldpolitik, meint Ökonom Howard Archer von IHS
Global Insight: "Wir erwarten eine Zinssenkung bereits im ersten Quartal auf
0,75 Prozent, allerdings noch nicht auf der Sitzung am 12. Jänner." (APA/Reuters)