Marlies Schild kann sich wohl nur selber schlagen, das Brechen von Vreni Schneiders Rekord in puncto Slalomsiege scheint eine Frage der kurzen Zeit - das bemerken auch internationale Medien
Wien - Wenn Marlies Schild abschwingt, beginnt in den Redaktionen die verzweifelte Suche nach Superlativen. Nach ihrem fünften Slalomsieg in Folge wird es nämlich langsam eng mit dem Vokabular. "Peerless", also einzigartig wird die ÖSV-Läuferin von der Nachrichtenagentur AFP genannt. Eurosport hält Schild für "unstoppable" und die Associated Press nennt ihren Erfolgslauf einen "Hot Streak". Die französische Tageszeitung Le Parisien wiederum sieht "eine zertrümmerte Konkurrenz", während die Frankfurter Allgemeine "Die Kunst der direkten Linie" preist.
Wie auch immer man die Siegesserie der Österreicherin nennen will, nur ein Selbstfaller scheint sie unterbrechen zu können. Michaela Kirchgasser, Dritte im Slalom von Zagreb, bringt es auf den Punkt: "Sie muss einen schlechten Tag erwischen und man selbst zwei super Läufe haben." Aber schlechte Tage sind bei Schild eine Seltenheit, nicht erst seit Dienstag. Ihre Siegquote im Slalom liegt seit ihrem Weltcupdebüt 2002 bei 38 Prozent. Damit ist sie tatsächlich, wie bereits ein User anmerkte, der Gregor Schlierenzauer des Slaloms, der wiederum der Georg Hackl unter den Skispringern ist.
Vreni Schneider in Sichtweite
"Es ist nicht so leicht, wie es aussieht. Aber wenn es leicht aussieht, ist es schnell", sagt Schild. Und sie, die erstaunlicherweise noch nie "Österreichs Sportlerin des Jahres" war, muss es wissen: nicht weniger als 32 Siege im Slalom-Weltcup sind ihr bislang geglückt. Gesellen sich zwei weitere hinzu, ist der einst unantastbar scheinende Rekord der Schweizerin Vreni Schneider eingestellt. Gelegenheit dazu bietet sich am 22. Jänner in Slowenien und am 12. Februar in Andorra. Schneider brachte 1988/89 gar das Kunststück zustande, sämtliche Torläufe zu gewinnen, allerdings bestand die Saison damals nur aus sieben Rennen, mittlerweile sind es derer zehn. Die Schweizerin feierte aber nicht nur im Slalom-Weltcup Erfolge am Fließband, sie gewann nebenbei noch 20 Riesentorläufe und war jeweils drei Mal Weltmeisterin, Olympia- und Gesamtweltcupsiegerin.
Angesichts dieser Erfolgshistorie bleibt Schneider auch trotz der sich heranpirschenden Schild gelassen: "Mein Rekord ist zum Brechen da", sagt die 47-Jährige, die im Kanton Glarus eine Skischule betreibt. Und so schnell sich das Blatt im Sport zuweilen auch wenden mag, Zweifel an einer baldigen neuen Bestmarke sind schnell ausgeräumt: Schild fuhr in den zehn Slalom-Durchgängen dieser Saison sieben Mal Bestzeit, war im schlechtesten Fall Vierte. Und das obwohl sie im zweiten Durchgang fünf Mal mit Startnummer 30 antrat. Da fehlen am Ende dann doch die Superlative. (pb/APA; derStandard.at; 4. Januar 2012)