Gewerkschaft protestiert

Lufthansa fliegt mit Leih-Stewardessen

4. Jänner 2012, 14:25

Etwa 200 Flugbegleiter, die ab Sommer von und nach Berlin Getränke und Snacks servieren, werden bei einer internen Leiharbeits-Tochter angestellt

Frankfurt - Die Lufthansa will auf Flügen nach Berlin künftig Leiharbeiter einsetzen. Ein Sprecher der Lufthansa sagte am Mittwoch, dass etwa 200 Flugbegleiter, die ab Sommer an Bord der Maschinen von und nach Berlin Getränke und Snacks servieren, nicht beim Konzern direkt, sondern bei einer internen Leiharbeits-Tochter angestellt werden. Mit dem Schritt sollten die Personalkosten gesenkt werden, da die Verträge der Stewards und Stewardessen nur zwei Jahre liefen. Danach steige das Gehalt üblicherweise, worauf die neuen Kollegen keinen Anspruch hätten. Sie könnten sich aber nach Ende ihres Vertrags bei der Konzernmutter bewerben. Die Einstiegsgehälter der Berlin-Flugbegleiter seien auf Konzern-Niveau, sagte der Sprecher weiter. Das sind im Monat 1.700 Euro brutto plus Zulagen.

Mit den neuen Strecken will die Lufthansa ein größeres Stück vom Flugverkehr nach Berlin abhaben. Der neue Mega-Airport Berlin-Brandenburg, der im Juni den Betrieb aufnimmt, bietet dazu die Chance - er ist groß genug, um viele neue Verbindungen anzubieten. Die Lufthansa erweitert ihr Streckennetz auf 38 Städte in Europa und im Nahen Osten - bisher waren es lediglich acht.

Widerstand seitens der Gewerkschaft

Die Gewerkschaft Verdi kündigte Widerstand an. Der Einsatz von Leiharbeitern an Bord komme einem "Kulturbruch" gleich, sagte eine Verdi-Sprecherin. "Wir sind der Ansicht, dass die Lufthansa gegen geltendes Recht verstößt." Deshalb werde der Einsatz von Leiharbeitern an Bord derzeit juristisch geprüft.

Das neue Leiharbeiter-Modell ist nicht der einzige Versuch der Lufthansa, im defizitären Kurzstreckengeschäft die Kosten zu drücken. So setzt der Konzern künftig ab Stuttgart verstärkt seine Billigtochter Germanwings für Europaflüge ein. Der Spardruck ist angesichts der schwierigen Weltwirtschaftslage groß. Deshalb arbeitet das Management derzeit an einem neuen konzernweiten Sparprogramm. (APA/Reuters)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 34
1 2
Al Bundy
03
Nicht die Höhe des Gehalts ist es primär, es sind diese horrenden Lohnnebenkosten.

Wir hatten in UK eine Niederlassung und konnten es nicht glauben, wie niedrig die Lohnnebenkosten dort sind im Vergleich zu AT. Es war so, dass die Mitarbeiter in UK weniger gekostet haben, sie aber mehr verdient haben, als deren österreichischen Kollegen und das ist der Wahnsinn!

adal1
00
10.1.2012, 21:30
Lohnnebenkosten, die aber

auch zu sozialen Standards führen. Schon einmal in England mit der Unterschicht gesprochen? Über Themen, die diese Menschen treffen? Dass sie sich eine Zahnbehandlung nicht leisten können, für notwendige Operationen ins Ausland müssen, ihre Kinder keine Chancen haben?

Und das soll Deutschland, das ein europaweites Problem durch zu niedrige Löhne bzw. zu hohe Produktivität erzeugt, nachmachen?

Vielleicht sollten die Fluglinien einfach mal das Bodenpersonal anständig bezahlten, dann werden die auch wieder ambitioniert arbeiten und nicht versuchen, mit geringstmöglicher Involvierung des Gehirns über den Tag zu kommen.

Mehr netto vom brutto klingt zunächst gut, ist aber eine nichts als eine weitere Verschiebung von unten nach oben.

Al Bundy
01
11.1.2012, 00:01
nicht ganz richtig

Mir ging es darum, dass aus der Unternehmersicht die bezahlten Löhne in England niedriger sind und die Mitarbeiter trotzdem mehr am Konto haben.
Das mit den sozialen Standards stimmt nur bedingt. Es ist einfach ein Fakt, dass Österreich einen großen Overhead hat und wenn es hier zu Optimierungen kommen würde, dann gewinnt jeder!

Ich habe mit keinem einzigen Wort angesprochen, die Löhne sollen niedriger ausfallen. Wenn wir den Klotz am Bein - genannt Verwaltung - straffen könnten, dann haben die Unternehmen geringe Kosten und Mitarbeiter bekommen monatlich mehr. Eine unglaubliche Win-Win Situation!

Maggot Brain
00
21.1.2012, 13:48
100% Ack

frustrierte frankfurter depressive debreziner
016

man könnt e das parlament mit slowakischen leihabgeordneten betreiben. die wären für die hälfte der löhnung korrupt

Oscar W
92
wann kapieren eigentlich

die meisten hier, dass das größte problem die hohe löhne sind?

ich sage NICHT NICHT NICHT das hohe löhne was schlechtes sind, aber sie sorgen dafür das lufthansa großé nachteile hat gegenüber andere airlines wie zb singapur oder thai. ist nun mal die realität. deshalb ist zb die first class im a380 vom LH nicht viel besser als die buisness class von singapur. LH macht noch ein riesen geschäfft mit flugzeuge reparieren/warten/modernisieren (wie zb die AUA flotte momentan) aber im fluggeschäft tun sie sich schwer

Andreas Prucha
12

Wenn jeder Betrieb so denkt (und leider tut das jeder, weil er letztendlich dazu gezwungen ist), sind die Betriebe zwar dann billiger, aber über kurz oder lang habens keine Kunden mehr, weil alle nur mehr mit billig Arbeiten beschäftigt sind und sich nichts mehr leisten können. Individuell sinnvolle Entscheidungen sind halt nicht immer gesamtwirtschaftlich sinnvoll. Aber man kann von einem Betrieb nicht erwarten gesamtwirtschaftlich zu denken. Das ist nicht seine Aufgabe. Für entsprechende Regelungen kann letztendlich nur die Politik sorgen.

Oscar W
23
wie gesagt

ich persönlich finde es sogar gut, dass wir ein gewissen sozialen standard haben, aber ich kann auch verstehen wenn die LH auf solche mitteln zurück greifen muss. man muss beide seiten betrachten können

übrigens ist das kündigungsgesetz in deutschland schon so stark, dass es eher GEGEN den einfachen mann geht. es ist schon so schwer jemand zu feuern (bzw die prozedur kann sich ewig hinaus zögern, selbst wenn es eigentlich ein ganz klarer fall sein sollte zb. diebstahl oder zu oft zu spät gekommen) und deshalb werden leiharbeiter immer attraktiver und die sind dann noch dazu so billig. gewerkschaften und co sind gut, aber nicht wenn sie dann alle ein bein stellen. haben schon sogar die simpsons erkannt

Andreas Prucha
00

Die Probleme lassen sich eben schwer rein national lösen. Prinzipiell müssts internationale soziale Grundstandards geben (also einen Mindestlohn gemessen an einem Warenkorb und lokaler Kaufkraft)

Oscar W
00
da haben sie vollkommen recht

jeder der anders involviert ist im problem, hat natürlich eine komplett andere haltung die genau so logisch sein, wie sein gegenspieler. aber es ist schwer sowohl für den arbeitgeber wie nehmer, wenn es in china und andere ländern möglich ist, die gleiche arbeit für einen spottpreis bezahlen zu lassen

the_suck
01

lass mich raten, du bist einer der sagt "na für weniger als 4k im Monat geh i net arbeiten" aber wehe die Milch kostet 3 cent mehr, da führst dich auf und beschwerst dich über die zu hohen Löhne, natürlich die der anderen

Oscar W
30

eigentlich nicht. ganz ehrlich, ich würde es nicht bemerken, nicht mal wenn die milch ein euro teuerer werden würde

indi mozart
 
02
sollte das nicht richtigerweise...

Leiharbeits-Tochter/Sohn heissen?

so a bledsinn ...

Nadann Weitweg
00
Kurzstrecke

Ich frage mich warum man auf der Kurzstrecke ueberhaupt was servieren muss? Ein Getraenkeautomat am Gate muesste reichen...

Montgomery McFerryn
03

Nachdem sie die FlugbegleiterInnen sowieso mitnehmen müssen für den Notfall können sie in der Zwischenzeit auch etwas Sinnvolles machen und Getränke servieren.

-O ||||||| O-
01
11.1.2012, 08:25

bei flügen unter einer oder eineinhalb stunden ist es aber nicht notwendig, was zu servieren. das halten pendler in der schnellbahn auch aus

Tom Katz
01
Gibts bei uns schon lange

Beim NIKI sind die meisten Piloten ueber eine Personalleasing Firma angestellt. Und ueber 1.700,- Euronen wurden sich dort die jungen Copiloten freuen ! "Ich hab ja nichts zu verschenken"

Mac McMack
00
11.1.2012, 08:31
danke

ich wollte es gerade selber schreiben.

Conchita Kaslaberl
04

vielleicht kommen die herren in der führungsetage einmal auf die idee von leih-managern. was man da erst sparen könnte....

kevin brown
03

die nennt man dann insolvenzverwalter ;-)

Simplicius Simplicissimus
01
Dreck billig in die Luft ...

... zu schleudern ist eben die Basis des Systems, nach dem alles zu funktionieren hat. Und jeder Depp fliegt ...

der schwitzbär der schwitzt sehr
32
Es kann nur besser werden

Service, ein offenes Auge für gedrückte Rufknöpfe, Freundlichkeit. Nicht hinten in der Kuchl Illustrierte lesen, die eigentlich für die Fluggäste aufgelegt ist.

Bitte für die AUA-Teuferl in Wien auch. 1700 plus Zulagen für Kellnerieren ist es doch wert, sich ein bisserl zu bewegen.

Nennt mich Loretta
01
Ihre "Zulagen" sind Diäten, die man dafür bekommt, sich fern der Heimat mit Nahrung zu versorgen.

Das Geld kriegt man also nur wenn man fliegt, nicht wenn man krank ist. Diese Zulagen werden nicht auf die Pension angerechnet, nicht auf ein mögliches Arbeitslosengeld.

Abgesehen davon, wo leben Sie dass dort 1700 Euro brutto ein gutes Gehalt sind?

gaisbock
01
Bumm

du scheinst ma´scho a Ungustl zu sein.
Dir würd´ich freundlich eine Druck´n.

Der Busfahrer
111
also ich würde mich nicht als "linken" bezeichnen,

aber 1700 brutto sind (in aut) € 1.253,61 monatlich.
nun gestehe ich die zulagen nicht zu kennen, aber für eine fachkraft mit fremdsprachenkenntnissen, erhöhtem risiko und ohne trinkgeld halte ich jetzt nicht für überbezahlt.
immer nur "billiger" kann auch nicht der heilsbringende weg sein.
dass das service oft zu wünschen übrig läßt, steht auf einem anderen blatt. aber dass sich durch billigere arbeitskräfte das service heben ließe, ist eine gewagte theorie...

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 34
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.