"Jetzt darf ich daheim ganz oben stehen"

Andreas Kofler triumphiert erstmals im Heimspringen der beiden Stubaier - Gregor Schlierenzauer hat mit Rang zwei auf dem Bergisel die Chance auf den Grand Slam vertan - Die Vierschanzentournee ist wieder offener

Noch immer 17 Punkte oder 9,4 Meter trennen Schlierenzauer vor dem Abschluss der 60. Vierschanzentournee am Dreikönigstag von seinem Verfolger und engeren Landsmann. Der zerdrückte am Mittwoch ein paar Freudentränen. "Jetzt darf ich daheim ganz oben stehen", sagte Kofler, der davor in Innsbruck noch nie das Podest erklommen hatte. Die diesbezügliche Premiere gelang dem 27-jährigen Weltcupführenden in einer schwierigen, weil windgebeutelten Konkurrenz.

Schlierenzauer lag zunächst als Zweiter recht klar hinter dem polnischen Quali-Dominator Kamil Stoch, der Kofler nur als Lucky Loser ins Finale fliegen ließ. Kofler hatte von Platz vier aus aufzuholen und vollbrachte das nach einer längeren, wetterbedingten Pause mit aller Routine. 131,5 Meter reichten dem Zweiten von Oberstdorf und Garmisch, weil erst Schlierenzauer (123 m) und - noch stärker - Stoch (108 m) abbauten. Schlierenzauer betonte nach der Niederlage tapfer, welch gewaltige Sache doch ein Stubaier Doppelerfolg sei, kritisierte aber die regelkonforme, jedoch für ihn zu geringe Punktekompensation für schwierige Verhältnisse.

Sven Hannawald, der 2002 als bisher Einziger alle vier Tourneespringen en suite gewonnen hatte, ist ein Stein vom Herzen gefallen. Ebenso den Verantwortlichen jener Assekuranz, die im "Schadensfall" die Sonderprämie für den Grand Slam (820.000 Euro) zu zahlen gehabt hätte. Und Schlierenzauer versicherte glaubhaft, dass ihm der Gesamtsieg ohnehin viel wichtiger als das Geld sei. Der bleibt wahrscheinlich, wenn auch sein Vorsprung auf der Großschanze zu Bischofshofen, zumal bei den vorhergesagten Verhältnissen (Schneefall, Wind), schnell dahin sein könnte.

Kofler, der sich wie sein 21-jähriger Konkurrent der Spezialbetreuung Markus Maurbergers erfreut, traut sich den zweiten Tourneesieg nach 2010 zu, "weil ich das alles sehr genieße". Eine Prüfung war das Springen dagegen für den Japaner Daiki Ito (27.), ein Opfer der Verhältnisse. Neuer Dritter ist Titelverteidiger Thomas Morgenstern nach Platz sechs. (Sigi Lützow aus Innsbruck, DER STANDARD Printausgabe 04.01.2012)

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