Ungewissheit

Investoren rechnen mehr mit Staatspleite Ungarns

András Szigetvari, 4. Jänner 2012, 17:36

Der Forint erreichte seinen historischen Tiefststand gegenüber dem Euro, Versicherungen gegen eine Pleite Ungarns waren so teuer wie nie zuvor

Wien/Budapest - Mit einem Mal geht es Schlag auf Schlag: Da es immer unsicherer wird, ob sich Ungarn mit der EU und mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) auf einen neuen Hilfskredit einigen kann, entziehen Investoren dem Land zusehends das Vertrauen. Bisher war die Entwicklung schleichend, am Mittwoch erreichte der Verkaufsdruck auf die ungarische Landeswährung einen neuen Höhepunkt.

Ein Euro kostete zwischenzeitlich mehr als 320 Forint. Der bisherige Tiefpunkt von 317 Forint je Euro wurde damit deutlich überschritten. Die Credit Default Swaps (CDS), mit denen sich Investoren gegen eine Staatspleite versichern können, erreichten für Ungarn ebenfalls ein Allzeithoch. Die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen tendierten zudem in Richtung elf Prozent.

Eine längerfristige Refinanzierung der Schulden auf diesem Niveau würde Ungarn überfordern. Dennoch droht dem Land nicht unmittelbar die Pleite: Die Regierung dürfte noch bis April/Mai über genügend Geld verfügen, um auslaufende Staatsanleihen zu bedienen. Nicht zuletzt wegen der umstrittenen Verstaatlichung der Pensionskassen, verfügt der Staat über diese hohen Reserven.

Schluss im Juni

Trotzdem ist spätestens im Juni Schluss. Die EU und der IWF brachen eine Woche vor Weihnachten die Verhandlungen über einen neuen Hilfskredit ab, der dem Land ein Sicherheitspolster geben sollte. Wie Verhandlungsteilnehmer dem Standard erzählten, divergierten bei den Gesprächen die Meinungen zwischen Budapest und dem IWF vor allem darüber, welchen Kredit Ungarn erhalten soll: Die Regierung wollte einen Kredit auf Abruf. So ein Darlehen, das etwa Polen hat, ist nicht mit Auflagen verbunden. Doch IWF ist nur bereit, Ungarn ein klassisches Stand-by-Arrangement zu geben, das mit Reformverpflichtungen verbunden ist.

Die EU stößt sich zudem an vielen Reformen der Regierung wie etwa der Änderung des Notenbankgesetzes. Die EU-Kommission und der IWF lehnen offizielle Verhandlungen mit Budapest daher derzeit ab. Der zuständige Minister für die Gespräche, Tamás Fellegi, wird kommende Woche beim IWF in Washington erwartet.

Der Druck auf die ungarische Regierung nachzugeben ist seit Mittwoch dramatisch größer. Vor allem der Forint-Verfall ist für das Land schmerzlich. Ungarns Staatsschulden belaufen sich auf rund 21 Billionen Forint (nach heutigem Kurs: 66 Milliarden Euro). Rund die Hälfte der Schulden sind in Devisen. "Die Faustregel lautet, dass die ungarischen Staatsschulden um 0,4 Prozent ansteigen, wenn der Forint einen Prozent an Wert verliert", meint der Budapester Analyst Gergely Suppan von der Takarékbank im Standard-Gespräch. Allein am Mittwoch verlor der Forint mehr als ein Prozent gegenüber dem Euro.

Unterdessen hat die deutsche Regierung laut Nachrichtenagentur Reuters Ungarn zur Einhaltung demokratischer Rechte gemahnt. Ob die EU-Kommission wegen der neuen Verfassung und wegen des Notenbankgesetzes ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Budapest einleitet, könnte sie bereits am Freitag entscheiden. (András Szigetvari, DER STANDARD, Printausgabe, 5.1.2012)

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Posting 1 bis 25 von 37
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Tildy
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10.1.2012, 19:09
Alle gegen Orban. Okay, meinetwegen.

Etwas off Topic:
Er hat das Rauchen allgemein in ganz Ungarn verboten. In keinem einzigen Lokal in Ungarn (unabhängig von deren Grösse) darf mehr geraucht werden. Abgetrennte Räume für Raucher gibt es nicht. Nicht mal in den Casinos darf man mehr Rauchen. Auch vor den Lokalen (bis zu 5 Meter) herrscht Rauchverbot. In Haltestellen gilt auch absolutes Rauchverbot und für ein Vergehen, kann man ab sofort für bis zu 70 Tage eingesperrt werden.
Das nenne ich einen absoluten Eingriff in die persönliche Rechte.

On Topic:
Doch Ungarn wird nicht pleite gehen. Es würde niemandem einen Nutzen bringen.

DirtyHarry
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Wenn eine Regierung völlig unbegründet in privatrechtliche Verträge eingreift, dann darf sich der Staat dann nicht wundern wenn die Kreditwürdigkeit verloren geht.

gianni speranza1
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frage an die kundigen: wie schaut denn das bedrohungsszenario fuer oesterreich aus im falle eines defaults ungarns?

- bankenpacket 2.teil?
- verschiebung der "schuldenbremse"?
- addio AAA??
- banken schreiben mrd € ab, derrennens aber noch??

gratis Winterreifen für alle
00

ein Staatsausfall in Europa hat bestimmt katastrophale Auswirkungen
wer ist der nächste Staat, der fällt ?

Run auf Banken, Goldhausse....

Jo-Jo
01
die letzte Variante

gianni speranza1
00

dann wuerden die zinsen auf oesterr. staatsanleihen ja nicht steigen, es koennte also auf einer mischung aus allen 4 punkten hinauslaufen..

dass darueber in oesterreich nix geschrieben wird, koennte ja auch an der fragwuerdigen eigentuemerstruktur sowie deren verschraenkung mit der politik liegen. verschwoerungstheorie, ich weiss, aber ein moeglicher hintergrund das misverhaeltnis in der berichterstattung..

Def_izit
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geb ihnen recht

"unsere" banken derrennens aber die ungarischen bürger nicht

"das volk wählt seinen eigenen untergang"

gratis Winterreifen für alle
00

die "Wahl" zwischen Pest und Cholera

site:°~+*-||!#.\>
10

Für Ungarn sieht es nicht gut aus – und in Folge für Ö.

Die rechtsextremen Spinner in Ungarn werden auch Ö mit in den Abgrund reißen.

Investoren spielen schon Ungarns Pleite durch, auch Österreich kämpft mit den Folgen.

http://www.welt.de/finanzen/... durch.html

Soviel zur Goldgräberstimmung und der Erfolgsgeschichte Osterweiterung.

...and miles to go before I scream
21

No, da werden wir mal einkaufen fahren müssen, bevor Orban die Grenzen dicht macht und seinen idealen kleinen Fascho-Staat hinter einen 'Eisernen Vorhang' errichtet (hey, was für ein coole Wortschöpfung ;))

metacomet
01
ich kann mich noch sehr gut an einen bitterbösen cartoon erinnern

(leider hab ich ihn im web nicht mehr gefunden)

vor 1989:
da sitzt eine fette und ausgefressene öster. familie nach dem mittagessen in sopron. ringsum lauter grau-in-grau gezeichnete dürre ungarn mit großen augen und leeren suppenteller am tisch. der fette öster. familienvater erhält gerade vom (dürren) ungar. kellner die rechnung, die fetten österreicher lachen und schlagen sich auf die schenkel als ihnen der dürre kellner die rechnung überreicht. die grau-in-grau gehaltenen dürren ungarn, mit ihren aszites-bäuchen bestaunen mit großen augen die unappetitliche szene...

mike zenman1
00
kann mich auch erinnern

ein sensationelles bild. das war ein deix oder ein haderer (glaub ich).

Holly Golightly1
02
da brauch ich keinen Cartoon,

ich kann mich an meine depperten Landsleute in dieser Zeit in Sopron erinnern und an ihr peinliches Benehmen vor Ort... leider.

...and miles to go before I scream
00

Der ist vom Haderer.

Marcus Maccabaeus
118
Alles nur Propaganda:

Ungarn verfügt, wie unlängst im Standard berichtet über 36 Mrd Euro Devisenreserven, etwa 1/3 vom BIP. Österreich hat nur 16Mdr Devisenreserven, bei einem doppelt so hohen BIP!

Des weiteren hat Ungarn eine eigene Währung und so ein Staat kann im Gegensatz zu GR,I, SP,P usw.. gar nicht pleite im Sinne von Zahlungsunfähigkeit gehen!

Man will Orban einfach nur mit einer Medienhetze unter Druck setzen!

AlliGator
10
Seien Sie doch so freundlich und erklären Sie mir bitte, warum genau es jetzt besser oder schlechter ist, eine eigene Währung zu haben?

Wenn die Ungarn ihre Euro oder Dollar Kredite nicht in Euro oder Dollar bedienen können, gehen sie pleite.

Wenn mal keine Devisenreserven mehr da sind, können sie nichts mehr importieren.

Kredit gibt es dann auch keinen mehr, weil ja eben pleite. Egal in welcher Währung.

Forint gegen Euro will auch niemand tauschen, weil man eh nix drum kaufen kann. Export-Industrie haben die Ungarn doch kaum. Oder Orban macht ein neues lustiges Gesetz, und man ist wieder enteignet.

Aber falls Sie mir was neues beibringen können gehe ich gerne meinen Filialleiter nächste Woche mit meiner eigenen Währung besuchen, um meinen Kredit abzuzahlen. Wird sicher lustig.

Prinzipal
00
nein nein

devisenreserve hat die nationalbank, die das für das interbankengeschäft braucht.

stand auch in dem artikel

Da_Burgenlandla
 
01
wozu so viel dervisenreserven?

wärs nicht besser staatsschulden mit devisenreserven abzubauen?
sowol in ö als auch in hu

mond / möndin
25
lieber poster, nicht äpfel mit birnen verwechseln.

die ungarische Nationalbank hat die o.g. Aktiva, NICHT der Staat. Orbán möchte ebendiese Gelder durch politische Umbesetzungen anzapfen. Dies kommt der Enteignung der Nationalbank (die ein unabhängiges Finanzinstitut sein sollte)gleich. Dieses Vorgehen ist wirtschafts- und demokratiepolitisch äusserst bedenklich, da es Züge der Vorgehensweise von Diktaturen hat. Allein diese Absicht (und die neue gesetzliche Möglichkeit) hat alle Inikatoren (Währung, Börse etc) auf Talfahrt geschickt. Die Situation ist übersetzt: Die Faymann/Spindelegger Diktatur greift auf die Aktiva der Oenb (79 Mrd) zurück, um die Staaatsfjnanzen zu sanieren. Nowotny währenddessen beim AMS. Noch immer sympathisch, die Vorgehensweise?

081547112
00

und was glauben sie wurde mit dem golderlös der reserven der österr. nationalbank gemacht
reserven:
2011......280to
2000......380to
1990......630to

sandokan55
02
"Dies kommt der Enteignung der Nationalbank (die ein unabhängiges Finanzinstitut sein sollte)gleich. Dieses Vorgehen ist wirtschafts- und demokratiepolitisch äusserst bedenklich, .."

Ihr Fetischismus... ,
wäre es nicht gerade diese von Ungarn unabhängige „National Bank“ +EZB&IMF, die in den 8Jahren soz-lib Herrschaft brav dazu assistiert hatte, Ungarn in die Zahlungsunfähigkeit und die BürgerInnen und Gemeinden in die massive Verschuldung in FWK-Krediten zu führen.

Die Schulden die jetzt fällig werden, sind in dieser Zeit der „Unabhängigkeit“ entstanden!

Mindestens jene 14MrdEUR an IMF könnte die unabhängige EZB&Co selber zurückzahlen
oder die Unabhängigkeit bedeutet ein
sorgloses Leben für die "Neo-Übermenschen" ohne negative Konsequenzen, equal was die leisten?

mond / möndin
10
Ja. Eh. Phuuu....wenns einen Kredit haben, überfallens doch eine Bank und zahlen damit den Kredit zurück....

mond / möndin
10
Lieber

soins
02
Wenn die ungarische Regierung

die Devisenreserven angreifft, wird dies eine enorme Kapitalflucht aus dem Land auslösen. Die Folgen werden drastisch: Entwertung des Forint und und der direkte Weg zum Staatsbankrott.

Man sollte nicht die Schuld gleich auf die Medien schieben...

Marcus Maccabaeus
52
Nachdem obigen Artikel betragen die ungarischen Staatsschulden etwa 66 Mrd Euro, davon die Hälfte an ausländische Anleger!

Das heisst also, dass die Divisenreserven höher sind als die Auslandsschulden des Staates!

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen!
Deswegen kann auch Orban seinen Weg ruhig weiter gehen.
In der Zwischenzeit wird es den Euro zerfetzen, weil Billionen von Euros durch blosses Eintipfeln in einen Computer geschöpft werden müssen, um den Zerfall der Eurozone zu verhindern!

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