Schweizer Devisenaffäre

Der SNB-Chef, seine Gattin und das Geld

4. Jänner 2012, 14:56

Der Chef der Schweizer Nationalbank, Philipp Hildebrand, steht unter Druck: Eine Devisentransaktion seiner Frau sorgt erneut für Unruhe

Zürich - Eine Devisentransaktion der Frau des Präsidenten der Schweizerischen Nationalbank (SNB) sorgt in der Schweiz für Aufregung. Neue Details schürten am Mittwoch die Diskussion über die Affäre, in der sich Notenbank-Chef Philipp Hildebrand einer Untersuchung zufolge zwar nicht in unzulässiger Weise bereichert hat. Politiker und Medien forderten aber weitere Aufklärung über die Hintergründe von Dollar-Käufen, die Kashya Hildebrand zu einem heiklen Zeitpunkt tätigte.

In der Nacht wurde bekannt, wer die Affäre ins Rollen gebracht hat. Ein Informatik-Mitarbeiter der Bank Sarasin, die Gelder der Familie Hildebrand verwaltet, gab dem Institut zufolge zu, die Daten weitergereicht zu haben. Die Unterlagen gelangten schließlich zu einem politischen Widersacher Hildebrands, Christoph Blocher von der nationalkonservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP).

Hildebrands Frau Kashya hatte im August Dollar gekauft. Drei Wochen später legte die SNB für den Euro ein Kursuntergrenze von 1,20 Franken fest. Dies führte zu einer sprunghaften Höherbewertung der US-Währung zum Franken. Medienberichten zufolge investierte Kashya Hildebrand ursprünglich rund 500.000 Franken (410.408 Euro). "Mein Interesse am Dollarkauf war dadurch motiviert, dass er auf einem Rekordtief und fast lächerlich billig war", erklärte Hildebrand kürzlich im Schweizer Fernsehen. Sie habe 15 Jahre lang in der Finanzbranche gearbeitet. Zudem würden 70 bis 80 Prozent der Transaktionen der von ihr in Zürich geleiteten Kunstgalerie in Dollar abgewickelt. Sie habe den Kauf der zuständigen Stelle bei der Schweizerischen Nationalbank gemeldet und es habe keine Einwände gegeben.

Untersuchung sprach ihn frei

Eine Untersuchung durch PricewaterhouseCoopers, die Buchprüfer der SNB, und die Schweizer Finanzaufsicht sprach Hildebrand im Dezember von einem Fehlverhalten frei. Er und seine Familie hätten keine unzulässigen Transaktionen vorgenommen und privilegierte Informationen nicht missbräuchlich verwendet, lautete das Ergebnis. Geprüft wurde, ob die Transaktionen dem Reglement für private Geschäfte von Direktionsmitgliedern entsprachen.

Der Informant sah dies offenbar anders. Medienberichten zufolge handelte der Sarasin-Mitarbeiter aus persönlichen und moralischen Motiven. Sarasin zufolge habe der inzwischen entlassene Mitarbeiter die Unterlagen mit den Banktransaktionen einem der Schweizerischen Volkspartei nahe stehenden Anwalt gegenüber offengelegt. Dieser habe sich dann im November mit Blocher getroffen. Den Berichten zufolge soll sich Blocher damit an die Schweizer Regierungschefin Micheline Calmy-Rey gewandt haben. Ein Regierungssprecher bestätigte lediglich, dass die Bundespräsidentin im Dezember von Dritten Informationen über Devisentransaktionen Hildebrands erhalten und eine Prüfung eingeleitet habe. Blocher wollte sich einem Sprecher zufolge nicht äußern.

Der SVP-Politiker ist einer der prominentesten Kritiker Hildebrands. Ein erster Stein des Anstoßes waren Devisenmarktinterventionen im Jahr 2009, mit denen die SNB gegen die Aufwertung des Franken gegenüber dem Euro vorging und dabei einen Milliardenverlust in Kauf nahm. Blocher legte Hildebrand damals den Rücktritt nahe und forderte, die Nationalbank müsse sich auf ihre geldpolitischen Kernaufgaben konzentrieren.

Hildebrand als Kontoinhaber

Hildebrand soll laut einem Medienbericht ein Bankkonto, über das Euro- und Dollarkäufe liefen, selbst besessen und die Transaktionen selbst ausgelöst haben - und nicht seine Frau. Über die brisanten neuen Details berichtete die "Weltwoche" am Mittwoch in einer Vorabmeldung. Sie druckte einen Auszug von einem Konto der Bank Sarasin ab, das auf Philipp Hildebrand lautet.

Gezeigt werden darauf die heiklen Devisengeschäfte vom 15. August, wegen denen die damalige Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey im Dezember eine Kontrolle veranlasst wurde. Der Artikel liegt der Nachrichtenagentur sda in einem Vorabdruck vor. Außerdem berichtet die "Weltwoche" weiter, dass Hildebrand zwischen März und Oktober 2011 mehrmals Euro und Dollar gekauft und wieder verkauft habe. Darunter sei auch ein Devisengeschäft von über einer Million US-Dollar. Über die Hintergründe dieser Transaktionen ist jedoch nichts bekannt. Laut der "Weltwoche" soll Hildebrand die Kauf- und Verkaufsaufträge selbst erteilt haben.

Keine Äußerungen

Auf Anfrage war bei der Nationalbank kein Kommentar zu den neuen Vorwürfen zu erhalten. Auch der Direktor der staatlichen Finanzkontrolle, Kurt Grüter, einer der Kontrolleure, wollte sich nicht äußern. Sein Mandat sei mit der Ablieferung des Berichts zu den Transaktionen abgelaufen, sagte er.

Bundesratssprecher Andre Simonazzi sagte auf Anfrage der sda, sämtliche Transaktionen der Hildebrands seien überprüft und abgesegnet worden. Der Bundesrat habe Hildebrand das Vertrauen ausgesprochen.

Die Oberstaatsanwaltschaft Zürich will zur ganzen Angelegenheit - sowohl zu einem Verfahren gegen mögliche Whistleblower als auch zu einer angeblichen Anzeige gegen Hildebrand - keine Stellung nehmen. Es werde während des ganzen Mittwochs keine Informationen geben, sagte eine Sprecherin auf Anfrage. (APA/Reuters)

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24 Postings
mrheli
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Ich glaube wenn sie es wirklich illegal hätten tun wollen, dann wäre es nie an die Öffentlichkeit gekommen. Der Gewinn bei diesem USD/CHF Devisentausch dürfte bei in etwa 50.000$ gelegen haben. Für so eine Summe gibt es andere Methoden wie man das machen kann, auch anonym. Und die Fr. Hildebrand weiß nach 15 Jahren Bankerfahrung bestimmt wie so etwas machbar gewesen wäre ;-)

Abgesehen davon ist die Frage ob die Hildebrands denn überhaupt privat Devisen tauschen dürfen mit der Absicht einen Gewinn zu erzielen. Und wenn ja, wie weit das gehen kann. Ob zb. CHF Devisen Paare davon ausgeschlossen sind usw.

Werner F, der Inserator
00
11.1.2012, 17:31

und wie soll der Hildebrand seine CHF in denen er sein vermögen hat, tauschen wenn alle Währungspaar mit CHF verboten sind ?

der schwitzbär der schwitzt sehr
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gekauft und wieder verkauft, nix "für die Galerie"

getradet hat sie, mit Gewinn verkauft, und der Herr der einen Währung liegt in ihrem Ehebett

mit dem Geld der Schweizer hat ihr Mann den Dollar in Relation zum Franken gestützt, und sie hat daraufhin den gestützten und damit wertvolleren Dollar mit fettem Gewinn wieder in CHF zurückgewechselt

ein Teil des von ihrem Gatten aufgewendeten Nationalbankgeldes ist somit in ihre Privatschatulle geflossen

Die PWC-Untersuchung soll wohl ein Fachingsscherz sein ?

eurusd1
01
Noch ein Absolvent

Scheint auch ein erfolgreicher Absolvent, des durch die Schüssler-Foundation, ins Leben gerufenen ACC (Austrian Corruption College) zu sein.

Pirx2
02
Hildebrand ...

... ist der erklärte Gegner der Schwizer Finanzindustrie. Er ist auf Solidität bedacht: z.B: hohe Eigenkapitalquoten auf der ganzen Bilansumme.

Ihm gegenüber stehen Akteure, die von undurchsichtigen Rentenkassenmanövern, verdeckten Börsengeschäften, niedriger Eigenkapitalquote, niedrigen Steuern für Grossverdiener etc. profitieren wollen.

Die Namen dieser Leute ist das Who-isWho der superreichen Unterstützer der rechtsnationalen Volkspartei - der Schweizer Tea-Party.

Eine perfide Schlammschlacht der Abzocker/Rentenklauern und den von ihnen gekauften Medienhäusern.

der burli
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na hören sie mal! wenn der SNB-chef unrechtmässig getradet hat UND sich vom hausprüfer unschuld bescheinigen lasst ist mir egal WER das aufdeckt!!

?und
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jetzt beruhigen sie sich, klar mußte der überwacher das system himself testen

versteht doch jeder, nur wer selbst in der scheiße steckte, weiß auch wie sie riecht!

chrilly donninger1
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Solche Insider-Informationen hätte ich auch gern

Da hendelt es sich leichter

Erwin Wolfram
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auszug aus meiner rede

ich muss gestehen, dass die massnahmen der ch nationalbank jedem vorher bekannt waren, denn die banken koennen nicht auf 70% der kunden verzichten... allerdings ist mit jedem geschaeft risiko und haftung verbunden und dies beruht auf gegenseitigkeit... ich lehne es ab einseitig zu haften...

Pirx2
02
Als der Dollar ...

... 0,79 Sfr und der Euro zu 1,04 Sfr. gehandelt wurde, war dieser absurd niedrige Kurs auf jeder Finanzseite derr Welt publiziert.

Und? Haben Sie zugegriffen?

Leider wurde dieser Postingname schon vergeben
13
Die Weltwoche ist ein von der SVP kontrolliertes Blatt!

Blocher möchte nur von seiner unmöglichen Performance bei den Wahlen und den in der Folge entstandenen Rücktrittsforderungen ablenken. Die Weltwoche ist eine am rechtesten Rand angesiedelte Zeitung und der Sturz Hildebrands ein erklärtes Ziel von SVP und Weltwoche. Wie im Artikel gesagt wurde sind die Anschuldigungen haltlos. Im Gegensatz zu den Buchprüfern der SNB ist PriceWaterhouseCoopers nicht von der SNB bezahlt. Nicht, dass ich Hildebrand oder die SNB besonders mag, aber die Mittel, die die SVP hier ergreift sind das Allerletzte. Blocher ist ein gekränkter Narzisst, der hoffentlich gerade sein politisches Vermächtnis ruiniert.

?und
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was hätte her blocher mit der ihm zugespielten information ihrer meinung nach machen sollen?

inhaltlich stellt sich schon die frage ob es richtig erscheint, wenn die gattin des obersten währungshüters devisenspekulation betreibt. ihre aussage, sie hätte halt mal 500.000,-- sfr auf dem konto gehabt und der dollar sei lächerlich niedrig gewesen - auch so kann man gier runterspielen.
ps: mal sehn was da noch kommt - in der sache an sich,egal ob mit oder ohne blocher.

Leider wurde dieser Postingname schon vergeben
00
"zugespielt" ist wohl der falsche Ausdruck,

für das was sich da abgespielt hat....

?und
00
es lichten sich die nebel....

1. Das Konto bei der Bank Sarasin, über das die Devisentransaktionen gelaufen sind, gehört Philipp Hildebrand, und nicht, wie kolportiert, seiner Frau Kashya.

2. Die Aufträge zum Kauf und Verkauf von Devisen hat Herr Hildebrand jeweils persönlich erteilt.

sie glauben wohl nicht, dass hr. blocher zugriff auf die daten hatte? der kundenberater des herrn hildebrand hat die vorgeblich weitergegeben - na was hätte man in österreich erlebt, der herr nowotny als devisenspekulant und die fpö erfährt davon.

foobarbaz
 
22
Aussendung der ÖVP

Gerade hier zeigt sich wieder, dass man mit Steuern auf Kapital bzw. Vermögen nur den Mittelstand schröpfen will. Leistung muß sich auch weiterhin lohnen! Jetzt stellen Sie sich den armen Sohn vor, der später vielleicht von solch hart erarbeiteten Vermögen der Eltern auch noch Erbschaftssteuer bezahlen soll - der muß die Villa der Eltern verkaufen und sitzt dann auf der Straße! Darum sind wir von der ÖVP für eine Budgetsanierung durch Einsparungen - gerade im Gesundheits-, Bildungs- und ASVG-Pensionsbereich sind Milliarden an Einsparungspontential vorhanden - hier muß man ansetzen. Wir sind gegen neue Steuern wie von der SPÖ verlangt wird!

Erwin Wolfram
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auslassungen

damit es der arme sohn nicht erlebt das erbe...

stefan1981
10

man kann grundsätzlich über alles reden, aber sicher nicht über eine erbschaftssteuer.

ordinaryvan
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der blocher leidet an einem schweren fall von selektivem bankgeheimnis, würd ich mal sagen...

Bergdolm
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Leistungsträger wohin das Auge reicht

.
Aber dem Volk ist's wurscht ...

Karl Krammer
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womit sie ja auch im Euro recht hatte

Der Dollar war im Sommer verglichen zu fast allen Währungen billig zu haben (den Yen wie immer ausgenommen). Auch im Euro war es damals günstig, Dollar zu kaufen. Der Franken ist dagegen weiterhin absurd überbewertet - mit 1,38 zum Dollar halt noch ein wenig mehr als mit 1,05 zum Dollar aber für all' das braucht es keine Insiderkontakte. Die irrationale Flucht in eine Währung, die 0,0% Zinsen abwirft, wird nicht mehr lange anhalten.

Werner F, der Inserator
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die schweiz würd's freuen, aber ich denke dass die anleger noch eine zeitlang im Franken bleiben werden bis der Sturm über den USA und Europa sich ein wenig gelegt hat.

der burli
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"Eine Untersuchung durch PricewaterhouseCoopers, die Buchprüfer der SNB, und die Schweizer Finanzaufsicht sprach Hildebrand im Dezember von einem Fehlverhalten frei." - die BUCHPRÜFER der SNB, BEZAHLT von der SNB! - ein sauerei....

Erwin Wolfram
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...

stimmt, von einem fehlverhalten kann man bei der schweiz nicht sprechen, ich find das strafbar und ich mag das nicht...

der burli
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und gerade berichtet die weltwoche, dass der SNB-chef SELBST getradet hat am konto der frau!

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