Privatsponsor droht mit dem Absprung, weil sein Vertrag in die Kritik geraten ist
Rom - Die dringend nötige Restaurierung des Kolosseums in Rom steht auf der Kippe: Der italienische Schuh-Unternehmer Diego Della Valle, der 25 Millionen Euro für die Arbeiten zugesagt hatte, droht mit dem Ausstieg aus dem Projekt. Hintergrund sind Ermittlungen wegen etwaiger Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe des Sponsorenvertrages, wie das italienische Kulturministerium mitteilte.
Vor knapp einem Jahr hatte Della Valle, Chef des Schuh- und Luxusgüterkonzerns Tod's, als alleiniger Geldgeber den Vertrag mit der hoch verschuldeten Stadt unterschrieben. Im Gegenzug für die Investition darf der Unternehmer an der ehrwürdigen Stätte für seine Produkte werben. Eine Gewerkschaft macht nun aber geltend, die Vergabe sei nicht transparent gewesen, und löste damit eine Untersuchung aus, an der sich auch Italiens höchstes Verwaltungsgericht beteiligt. Die Ermittlungen stehen noch am Anfang, und bisher sind nach Medienberichten keine Unregelmäßigkeiten entdeckt worden. Der italienische Minister für Kulturgüter, Lorenzo Ornaghi, hat indessen den Unternehmer gebeten, einen eventuellen Rückzug noch mal zu überdenken.
Einschränkungen
Kommt es doch zu den Restaurierungsarbeiten, will Rom auf jeden Fall die Besucherzahl für das Kolosseum beschränken - es sollen sich dann maximal 6.000 Personen zur gleichen Zeit darin aufhalten. Zum Vergleich: Im Sommer werden mit den längeren Öffnungszeiten bis zu 24.000 Besucher täglich gemeldet.
"Wir wollen einerseits den Touristen erlauben, den Besuch im Kolosseum besser zu genießen. Andererseits wollen wir die Zahl der Besucher beschränken, damit keine Gefahren entstehen", sagte die Sprecherin des Denkmalschutzes Anna Maria Moretti. Die Beschränkung soll ab Ostern eingeführt werden.
Das knapp 2.000 Jahre alte Kolosseum zählt mit den vatikanischen Museen und den Uffizien in Florenz zu den meistbesuchten Denkmälern Italiens, die Zahl seiner Besucher ist in den vergangenen zehn Jahren
von einer Million auf sechs Millionen pro Jahr angestiegen. 33 Millionen Euro bescherten den Staatskassen die Eintrittsgelder für das Kolosseum und das nahe liegende archäologische Gelände des Palatins.
Notwendig wäre es
Die Fassade des knapp 2.000 Jahre alten Amphitheaters ist verwittert und von Abgasen geschwärzt - der marode Zustand des Kolosseums geriet im Mai 2010 in die
Schlagzeilen, als große Stücke Mörtel und Kalk von den Mauern brachen. Es soll auf insgesamt acht Baustellen gearbeitet werden - auch während der Restaurierung soll das historische Monument für Besucher geöffnet bleiben. (APA/red)