Geld bunkern

Vertrauenskrise treibt Banken in EZB-"Angstkasse"

4. Jänner 2012, 18:10

Frankfurt - Die Banken trauen einander weiter nicht über den Weg: Die Kreditinstitute haben mehr Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) gebunkert als jemals zuvor. Auf 453,2 Milliarden Euro schwoll das Volumen im virtuellen Nachttresor der Notenbank an. "Die Angstkasse bleibt voll und wird vermutlich noch voller", fasste ein Händler am Mittwoch zusammen.

Seitdem die EZB kurz vor Weihnachten den Geldhäusern für drei Jahre die gigantische Summe von beinahe einer halben Billion Euro zu einem Zinssatz von einem Prozent zur Verfügung gestellt hat, schwimmen die Banken im Geld. Anstatt es untereinander zu verleihen, legen sie es lieber bei der EZB auf die hohe Kante - auch wenn sie dafür gerade einmal 0,25 Prozent Zinsen bekommen. Zugleich müssen sich einige Banken bei der EZB teuer Geld besorgen.

"Wir haben im Bankensystem eine Zwei-Klassen-Gesellschaft: die einen wissen nicht wohin mit ihrem Geld und die anderen hängen am Tropf der EZB", erklärte ein Händler. Letztere haben sich in den vergangenen Wochen immer wieder bei der Zentralbank über Nacht Geld leihen müssen - ein teueres Vergnügen, denn die EZB nimmt für diese Notleihe 1,75 Prozent Zinsen. Zum Vergleich: bei den wöchentlichen Refinanzierungsgeschäften verlangt die Notenbank den Leitzins von 1,0 Prozent.

Notleihe

Über die Notleihe - auf Notenbank-Deutsch: Spitzenrefinanzierungsfazilität - haben sich Banken seit Ende 2011 gut über zehn Milliarden Euro geliehen. Per Dienstagabend betrug das Volumen laut EZB rund 15 Milliarden Euro. Schon in den Wochen zuvor war es mit häufig über fünf Milliarden Euro ungewöhnlich hoch gewesen. Denn normalerweise nehmen die Banken dieses Instrument kaum in Anspruch. "Gerade über den langen Zeitraum betrachtet, erscheint das hohe Volumen unplausibel", erklärte ein Händler.

Einige Experten vermuten, dass die Umstrukturierung einer Großbank die Feinsteuerung der Refinanzierung über die tägliche Ausleihe nötig macht. Andere bezweifeln das aber. Möglicherweise habe eine Bank nicht die notwendigen längerfristigen Sicherheiten für die Geld-Order über das wöchentliche Refinanzierungsgeschäft und müsse daher Tag für Tag den Bedarf steuern, hieß es bei mehreren Banken. Welche Bank oder Banken letztlich hinter der Entwicklung stecken, dürfte die EZB wie ein Staatsgeheimnis hüten. Denn nur sie weiß, was die Ursache für die Probleme sind.

Abzuwarten bleibt laut Händlern nun, ob die Banken im Jahresverlauf die ihnen von der EZB zugeteilte zusätzliche Liquidität weitergeben werden. Einige vermuten, dass das Volumen in der "Angstkasse" - auf Notenbank-Deutsch: Einlagefazilität - zunächst mal noch weiter steigen wird. Denn bei ihrer letzten Ratssitzung hatte die EZB die Senkung der Mindestreservequote auf ein von derzeit zwei Prozent beschlossen. Die Mindestreserve ist der Teil der Kundeneinlagen, den Banken bei der Notenbank hinterlegen müssen. Diese Maßnahme tritt am 18. Januar in Kraft und dürfte nach Schätzungen von Analysten den Banken zusätzlich rund 100 Milliarden Euro bringen.

Damit und den längerlaufenden Refinanzierungs-Geschäften über bis zu drei Jahre wollte die EZB den Banken Luft verschaffen. Viele Analysten hatten gehofft, dass die höhere Planungssicherheit den Geldhäusern Spielraum für den Kauf beispielsweise von Staatsanleihen gibt. (APA/Reuters)

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Peter_23
00
Einige Experten vermuten, dass ...

Das sind keine Experten, sondern "Experten". Also im Prinzip Dummköpfe. Denn wären es Experten, würden sie solche einfache Sachen wissen und nicht was vermuten.

PS: Jede kleine Finanztransaktion ab 15.000,- Euro aufwärts wird wegen Geldwäscheverdacht streng überwacht und kontrolliert. Und da werden nun einige Milliarden hin und her geschoben und "gelagert" und keiner dieser "Experten" weiss was genaues.

Was soll dieses Affentheater?

hollaro jojojo
00
Schwachsinn pur

Geldpolitik ist nur mehr Schwachsinn.
Zusammenfassung: Die EZB verborgt Geld an defacto marode Banken zum Zins von 1% bzw. wenn die Banken eh schon hin sind als Notgeld zu 1,75%.

Selbst Staaten mit realtiv guter Bonität zahlen am Anleihenmarkt - dank der Ratings - 3% und deutlich mehr.
Mit andern Worten: Während die EZB die Banken subventioniert werden die SteuerzahlerInnen maßlos abgezockt.

Eigentlich ein super Geschäft. Trotzdem funktioniert es nicht:
Da viele Institute schon so kaputt sind, können sie die notwendige Eigenkapitalhinterlegung zum Anleihenkauf nicht mehr aufbringen.
Die EZB sattelt ein totes Pferd statt direkt die Staatsanleihen zu kaufen.

adal1
00
Ein Tip für

Bitcoin und Monetative Vertreter, wäre folgender Sanity Check: Wenn unser derzeitiges Problem durch zu viel Kredit und zu hohe Zentralisierungsgrade (=geringe Fehlertoleranz) verursach wird, wie sinnvoll ist es, als Alternative ein noch zentralisierteres System zu schaffen?

Warum macht man nicht zuerst die Zentralisierung rückgängig und baut die Strukturen auf überschaubare Einheiten zurück? Also Nationalstaaten, die ihre eigenen Währungen betreiben, unterschiedliche Systeme, die in Konkurrenz stehen. Konkurrenz, nicht Krieg, friedlicher Wettbewerb.

Phaidros der Dritte
00
Monetative vs "friedlicher Wettbewerb"

Ich sehe keinen grundsätzlichen Zusammenhang zwischen der Idee einer Monetativen und einer zunehmenden Zentralisierung, dies ließe sich auch mit lokalen Währungen realisieren.

Betreffend Ihrer Forderung eines "friedlichen Wettbewerbs" möchte ich allerdings die Umsetzungsfähigkeit in Frage stellen. Gerade der verschärfte Wettbewerb bring das System ins Wanken.

Balkanjero
00

So wie es die Ungarn derzeit versuchen.....?

higgs - wozu?
02

naja, er hat teilweise recht - zentralisierung birgt immer die gefahr der unübersichtlichkeit und somit des missbrauchs - wenn man jedoch die geldrechte wirklich wieder unter kontrolle des SOUVERÄNEN volkes stellt wär das mal ein anfang, natürlich muß das geld unverzinst in umlauf kommen und sollte über eigenen mechanismen am fließen gehalten werden damit es wieder seiner ursprünglichen funktion dienen kann - wie groß eine währungsunion ist spielt dabei eigentlich gar keine rolle, solange sie wirtschaftlich homogen ist, und die geldmenge fix an die wirtschaftsleistung gekoppelt ist

Dagmar Rehak Wien
 
00

Ich hab dir jetzt zwar ein grünes Stricherl gegeben, aber ganz stimme ich dir nicht zu.
Ich finde nämlich, dass keine unbedingte Notwendigkeit besteht, Geld am Fließen zu halten. Ich finde sogar die zahlreichen Ideen, wie man das anstellen könnte, ziemlich lächerlich.
Was fließen sollte, sind die Dinge und Arbeiten, die wir mit dem Geld bezahlen würden. JENE sind es, was wir brauchen und bewegen müssen, nicht ein Ersatzgegenstand.

Was zuverlässig zu Wirtschaftsflauten führt, wenn Geld entzogen wird, ist unser fixer Glaube, dass Waren und Leistungen nur mittels Geld bewegt werden können. Das ist aber nicht richtig. Wenn ich in den Wald gehe und Himbeeren pflücke, kann ich sie einfach weitergeben. Ich erleide dadurch keinen Verlust.

Phaidros der Dritte
01
Geld als Selbstzweck

Ich geb Euch ja beiden recht, das Problem ist, wenn Geld beginnt ein "Eigenleben" zu führen. Geld ist keine Handelsware und es ist daher sinnlos überhaupt so etwas wie einen "Geldmarkt" zu haben. Bevor jetzt die Hardcore-Ökonomen über mich herfallen in punkto Aussenwirtschaft & Wechselkurse, das ist mir schon klar. Ich will damit nur zum Ausdruck bringen, dass Geld zur ein Zahlungsmittel sein soll zur Erleichterung der Prozedere in der realen Wirtschaft.

Das Geld selber wertschöpfend zu machen ist purer Nonsens, daher muss der Zins weg. Dann ist auch der Anreiz Geld zu horten um es dann spekulativ einzusetzen vorbei.

Erwin Brandstetter
06
Senkung der Mindestreservequote

Die Sauerei kolossalen Ausmaßes steht nur in einem Nebensatz.

Durch die Senkung der Mindestreservequote wird das Privileg der sekundären Geldschöpfung, das Privatbanken vollkommen ungerechtfertigt eine "Lizenz zum Geld drucken" verleiht, noch einmal ausweitet statt verstaatlicht.

Am System wird herumgedoktert statt es von Grund auf zu reformieren. Die Ungerechtigkeiten werden größer, die Staaten lassen sich scheinbar ohne Gegenwehr von den Banken erpressen.

Phaidros der Dritte
00

Volle Zustimmung, der Nebensatz ist mir beinahe entgangen. Eigentlich müsste der Mindestreservesatz deutlich nach oben hin korrigiert werden.

Aber im Grunde ist das Ganze ja ohnehin nur Makulatur, das gesamte Geldsystem bedarf einer (Total)Reform. Wie ich aber schon öfters gepostet habe, wird das weder freiwillig noch auf demokratischen (da von lobby-geprägten, bzw. sogar unter der Bezahlung der ökonom. Eliten stehenden Politik) Wege erfolgen. Somit geht der Krug so weiter entweder bis zum ökonomischen Crash oder bis zur Revolution (oder beidem)

edurkheim
02
" die Staaten lassen sich scheinbar ohne Gegenwehr von den Banken erpressen"

Wer sind denn die Staaten? Es gibt Politiker und es gibt das Volk und das Volk lässt sich erpressen weil es Politikern vertraut die es nicht mehr vertreten.

Unser Parteinsystem ist demokratisch dysfunktional!

Und deshalb brauchen wir DIREKTE DEMOKRATIE NACH SCHWEIZER VORBILD

Weil die einzigen die sich nicht durch Politiker über die Jahrhunderte ausbeuten haben lassen waren die Schweizer wegen der DIRKETEN DEMOKRATIE (und erst kürzlich hat sich das wieder in in Island gezeigt, als nur das Volk die Zahlungen an die Londoner Banken durch direkte Abstimmung entgeen der eignen Regierung zu verhindern wusste)

Balkanjero
00

Bullsh!t !!!

Lesen Sie doch bitte mal nach welche Dinge in der Schweiz durch direkte Demokratie durchgesetz wurden und welche nicht!!
Dann überlegen Sie mal die Situation auf Österreich umgelegt!!
Ein Land das kaum ein Politisches Interesse hat und auch nicht ausgebildet wird in Ethik und Politik ist doch wie eine Herde Schafe!

Phaidros der Dritte
02
Das übliche Killerargument

das Volk ist zu dumm für direkte Demokratie.

Wird aber durch permanente Wiederholung nicht wahrer.

chistyle .at
04

Stimmt und unsere Parteien streiten sich wer von uns am meisten dafür zahlen muss anstatt endlich gemeinsam mit der Bevölkerung Druck auf diese gesellschaftszerstörenden Institutionen zu machen!!!
Nein da zerfleischen wir uns lieber selber.
Echt traurig!!!

warp.faktor
04
Nächster Beweis: Der "freie" Markt versagt!

Selbst wenn die SteuerzahlerInnen den Banken 1/2 Mrd. (für 1%) "schenken" (= Inflation), sind die nicht bereit ihre Leistung (Versorgung der Wirtschaft) zu bringen.

Zu dreckig, verantwortungslos und undurchsichtig sind deren Geschäftspraktiken und offensichtlich auch die der anderen. Ausgelöst durch den "freien" Kapitalverkehr, einer Ideologie, welche Kontrolle verhindert bzw. den privaten Banken selbst überträgt.

Seit mindestens 3 Jahren haben wir eine Finanzkrise und noch immer weigert sich die Politik unter dem Druck der Finanzlobby etwas zu tun.
http://www.youtube.com/watch?v=WSm06mwXjFc

Das beweist: Der "freie" Markt schließt Demokratie aus!
Die logische Konsequenz: Banken verstaatlichen!

Phaidros der Dritte
00
Die logische Konsequenz: Banken verstaatlichen!

Nicht unbedingt notwendig. Es würde fürs erste schon ausreichen, strikt nach Geschäfts- und Investmentbanken zu trennen. EZB Geld zu niedrigen (besser zinsfrei) Zinsen ausschließlich für erstere, dazu entsprechende Mindestreservesätze (nicht wie jetzt von lächerlichen 2% noch auf 1% senken) & Verbot der Giralgeldschöpfung.

Für zweitere konsequente Anwendung des "Freien-Marktprinzip", finanzierung durch die Eigentümer oder eben weg vom Markt durch Insolvenz. Keine Unterstützung durch Steuergelder.

Das war übrigens eine der Lehren aus der 30er Krise, wurde aber auf Druck der ökonomischen Eliten später wieder revidiert.

warp.faktor
00
Warum sollte ein Staat ...

... das Recht Geld zu erschaffen an private Banken abgeben um sich anschließend - gegen Zinsen, also zum Schaden der BürgerInnen - dieses Geld zu leihen?

Der Stadtwolf
00

Die Banken leihen sich um 1 Prozent Zinsen Geld bei der EZB. Dann geben sie es schnurstracks für 0,25 Prozent Zinsen der EZB zurück.

Die Schildbürger waren ein Schas dagegen.

warp.faktor
00
Warum?

Diese Banken werden ja zusätzlich mit Steuergeld regelmäßig "gerettet"!

CEEIT
11
Hängt vielleicht doch damit zusammen:

http://www.synercon.at/de/untern... illesferse

CEEIT
00
Warum hören die Banker nur nicht auf den Nowotny,

den Schäuble, die Merkel..........?

Es ist doch alles wieder in Ordnung!

Michael Palomino
10
Gib dein Geld dem andern nicht

Siehe da: Die Wahrheit spricht.

Gib dein Geld dem andern nicht.

Gott! Ist der Euro ein Theater,

mit Mafia, Pokern und Betrügern,

hat nichts zu tun mit guten Bürgern,

und nun hör gut auf den Berater:

Für endlich die DM wieder ein,

und zu den andern sag einfach NEIN.

py rx
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hoffentlich bricht euer schei**-system bald zusammen!

Bäwägung klingt akademischer als Bewegung
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Wie 1929?

edurkheim
11
Da wird es anständig krachen, weil die Staaten haben kein Geld mehr um einzelne Institute aufzufangen

Anstatt das Geld sinnlos nach Griechenland zu überweisen (ja es war sinnlos und zwar für alle) hätten wir lieber Reserven aufbauen sollen umd das zu retten was noch zu retten war.

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