Wer hat die Kokosnuss geklaut?

4. Jänner 2012, 16:54
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Auf den San Blas Inseln hat jede Kokosnuss einen Besitzer, Ausländer dürfen Land weder kaufen noch mieten und es gibt Regeln, wer wen heiraten darf

Auf den San Blas Inseln wächst das Geld auf den Bäumen. Bis vor rund zehn Jahren war die Kokosnuss die einzige Währung der dort lebenden Kuna Indianer. Mittlerweile ist zwar der US-Dollar als offizielles Zahlungsmittel eingeführt worden, aber noch immer hat jede Kokosnuss einen eigenen Besitzer. Wer sich ohne Erlaubnis des Eigentümers einfach so eine Kokosnuss nimmt, kann in ernsthafte Schwierigkeiten geraten.

Im autonomen Gebiet Kuna Yala, wie die Kuna die San Blas Inseln nennen, herrschen eigene Regeln. Das rund 365 Inseln umfassende Archipel wird von den 45.000 Indianer seit den 1930er Jahren in Selbstverwaltung regiert. Kokosnüsse, von denen die Kuna jährlich rund 30 Millionen Stück ernten, bilden noch immer die Lebensgrundlage. Dazu kommt der Verkauf von Fischen, Langusten, gestickten Molas und der Tourismus.

foto: verena diethelm
Bilder von den San Blas Inseln gibt's in dieser Ansichtssache.

Die Regierung der Kuna, der Congreso General, legt viel Wert darauf, die traditionelle Lebensweise zu bewahren und hat strenge Regeln aufgestellt, damit der Einfluss der Außenwelt reduziert wird. Ausländer dürfen auf den Inseln weder Land kaufen noch mieten. Auch die Heirat zwischen Kuna und Nicht-Kuna wurde verboten. Trotzdem hat sich auf den Inseln ein sanfter Tourismus entwickelt. Auf einigen der 50 bewohnten Inseln sind kleine Hotels entstanden.

Am besten lassen sich die Inseln jedoch vom Wasser aus erkunden. Rund 300 Segelboote und Katamarane halten sich in der Hauptsaison, die von Anfang Dezember bis Mitte April geht, in Kuna Yala auf. Viele von ihnen bleiben für mehrere Jahre, einige für immer. Die Seglercommunity ist eine eingeschworene Gesellschaft. Man unterstützt sich gegenseitig bei Reparaturen, Einkäufen in Panama City und trifft sich immer wieder beim Grillen auf BBQ Island oder bei der morgendlichen Yogastunde auf einer der vielen, unbewohnten Inseln.

Auch die beiden Niederösterreicher Georg und Sandra, die auf ihrer Cool Running II die Welt umsegeln wollen, sind auf San Blas hängen geblieben. Seit drei Jahren schon erkunden sie die paradiesische Inselwelt. Um ihre Weltumseglung finanzieren zu können, nehmen die beiden Segler immer wieder Chartergäste auf oder segeln Rucksackreisende nach Kolumbien. Kein leichtes Geschäft – die Überfahrt ist oft sehr ruppig und der Materialverschleiß hoch. Eine Saison wollen der 44-jährige Kunsttischler und die 32-jährige Bürokauffrau noch anhängen. Dann soll es endlich durch den Panamakanal in den Pazifik gehen.

  • Bilder von den San Blas Inseln gibt's in dieser Ansichtssache.
    foto: verena diethelm

    Bilder von den San Blas Inseln gibt's in dieser Ansichtssache.

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