Massensterben

Neue Fliegenart macht aus Bienen Zombies

7. Jänner 2012, 19:28

Bisher unbekannter Parasit legt Eier in Bienen ab - Diese brechen daraufhin zu wildem Rundflug auf und sterben

San Francisco - Eine parasitäre Fliegenart könnte zum Massensterben von Bienenvölkern in Nordamerika beitragen. Die Parasiten nisten sich in den Honigbienen ein, die daraufhin zu einem wilden Rundflug aufbrechen und sterben schließlich, berichten Wissenschafter um Andrew Core und John Hafernik von der San Francisco State University (USA) in "PLoS One".

Bisher wurde die Fliege (Apocephalus borealis) in Kalifornien und South Dakota nachgewiesen. Wenn sie ein neuer Parasit sei, "könnte sie Bienenkolonien in ganz Nordamerika bedrohen", schreiben die Forscher. Ganz unwahrscheinlich sei das nicht. "Honigbienen gehören zu den am besten untersuchten Insekten auf der Welt", wird Hafernik in einer Mitteilung seiner Universität zitiert. "Also sollte man annehmen, dass wir diesen Parasit schon kennen, wenn er schon lange existiert."

Zufallsentdeckung

Hafernik hatte die Fliege zufällig entdeckt. Als er 2008 nach Futter für ein Laborinsekt suchte, sammelte er ein paar Bienen unter der Außenbeleuchtung des Biologie-Instituts ein. "Aber als zerstreuter Professor vergaß ich die Bienen in ihrem Glasfläschchen auf meinem Schreibtisch", wird Hafernik zitiert, "und wunderte mich später über die vielen Fliegenpuppen, die die Bienen umgaben". Die Tiere waren aus Eiern geschlüpft, die Apocephalus borealis in den Bienen abgelegt hatte. Die Bienen selbst waren zu diesem Zeitpunkt schon tot.

Mit den Eiern im Körper waren die Bienen ausgeschwirrt und hatten sich mit anderen kranken Bienen in der Nähe von Lichtquellen versammelt. Befallene Tiere liefen ständig im Kreis herum, ohne jeden Orientierungssinn, beschreibt Andrew Core. "Sie strecken ununterbrochen ihre Beine aus und fallen dann hin. Sie sehen aus wie Zombies."

Welche Rolle der Parasit beim Kollaps der Bienenvölker in den USA spielt, müsse noch untersucht werden. Analysen befallener Bienenstöcke ergaben, dass sowohl Bienen als auch Fliegen oft von Krankheiten heimgesucht wurden: von einem Virus, das die Flügel deformiert und einer Pilzerkrankung. Viele Wissenschafter sehen in diesen Erregern die Ursache für das Massensterben.

Einfluss auf Tag-Nacht-Rhythmus?

"Jetzt müssen wir herausfinden, wie genau der Parasit das Verhalten der Bienen beeinflusst. Vielleicht mischt er die "Uhr-Gene" der Bienen auf, mit denen die Bienen ihren normalen Tag-Nacht-Rhythmus beibehalten", erläutert Hafernik. Auch sei nicht klar, ob die kranken Bienen das Nest freiwillig verlassen oder hinausgeworfen werden. Die Bienen sollen nun mit winzigen Sendern und Videokameras überwacht werden.

"Wie wir die Bienen am besten schützen können, wissen wir noch nicht. Dafür fehlt uns noch eine wesentliche Information: wo die Fliegen die Bienen befallen", so Hafernik. "Wahrscheinlich passiert es draußen, wenn die Bienen ausfliegen zur Futtersuche. Denn bei den Bienenstöcken haben wir die Fliegen bisher nicht beobachtet. Aber da stochern wir noch in einer Art schwarzem Loch herum." (APA, red)

Kommentar posten
24 Postings
trollkind
00
10.1.2012, 10:32
@ redaktion

... die daraufhin zu einem wilden Rundflug aufbrechen und sterben schließlich, ...

na, da sollte man wohl die beiden letzten worte umstellen.

lg
euer trollkind

Inconnu
10

Ich weiß, ist kindisch ... aber mein erster Gedanke war: Cool

playdude
00

zuckerwasser macht die bienen deppert

Dramaqueen
00
Wann kommen diese Fliegen in den US-Congress?

werwolfi
00

Die sind doch offensichtlich längst drin - in den Congressmen... ;o)

Kahuna
00
Mitglieder des Kongresses arbeiten nicht wie Bienen

Und Faultiere werden von diesen Fliegen ja nicht befallen.

Cpt Caveman
00
Wir sagen das Wort mit Z nicht!

LichtSchatten
00
...wenn Sie

bei "... Reißerisch-polemische Wortwahl ..." stehenbleiben, entgeht Ihnen, neben dieser durchaus auch möglich, meiner Meinung nach sogar trefflich gewählt, erquickende Metaphorik (insb. Voodoo, Umgang des Meisters mit seinen Sklaven).

LichtSchatten
00
Unter solchen Arbeitsbedingungen

http://www.stern.de/wissen/na... 54523.html
würde auch ich zum Zombie.

Nick Tameer
013

Wäre das nicht ein schöner Anlass für eine Splatter-Folge von Biene Maja?

another_stranger_me
00
Bee-Hive of Horror I

Rise of the Bee-eating Brain-slugs of Terror

Nick Tameer
00
10.1.2012, 20:15

"Bee-hive of Horror" ist schon nicht verkehrt, aber "Bee-Hive of Evil" würde mir in seiner gebrochenen Symmetrie noch besser gefallen.

Jonathan Möwe
00

Meine volle Zustimmung! Reißerisch-polemische Wortwahl dürfte in der zuständigen Abteilung mittlerweile zum Standard gehören...

Kein_Postingname
01
Bitte nicht!

Ich finde das diverse name dropping aus anderen wissenschaftlichen Gebieten sehr unpassend: Inwieweit ist beim Suchen nach den Fliegen hier ein "Schwarzes Loch" als Anspielung angebracht. Was verschwindet denn hier, was wird hier durch Gravitation angesaugt?? Normalerweise reicht hier die Metapher "im Dunkeln tappen" oÄ. oder?
Dann auch der Artikel-Header: "… wie Zombies …". Da gabs doch einen Artikel über Pilze und Ameisen "Wenn Ameisen zu Zombies werden" von 2009, in dem dieses Erscheinungsbild passt. In dem hier beschriebenen Vorgang scheint mir das nicht derart frappant zu sein. Wenn die Bienen dann erratisch werden, die Beine ausstrecken und bald drauf sterben ist das zwar tragisch fürs Bienenvolk, hat aber mit dem Gesteuertwerden, …

komajo
11
Wenn Bienen

massenhaft sterben, dann muss man auch massenhaft die Ursachen finden. Und wenn es mehrere Ursachen sind, dann wird man auch diese finden können.
Das mit dieser Fliege scheint ein Ablenkunfsmanöver zu sein.

Cyber Motzer
31
und Monsanto

hat nun gar nichts mehr damit zu tun ? So wie der saure Regen verschwunden ist ?

EpeeNoire
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Kam es mir nur so vor

oder gab es bei uns auch eher weniger Bienen vergangenes Jahr?

Nick Tameer
00

In der Tat. In meiner Jugend, so scheint es mir, schwärmten mehr Bienen um mich herum.

Protheus
 
00
11.1.2012, 09:57

Das liegt daran, dass wir alle auch mit dem Zombievirus infiziert sind.

...der Ausbruch dauert eben im Schnitt etwas länger.

plusminus 50 milliarden?
10

Das stimmt, hat aber mehr mit der Varroa-Milbe und dem Kaschmir-Virus zu tun.

noldman
01
Naja da erzählt so manch alter Imker aber

was anderes.

Da werden Dinge erzählt über Beizmittel die in den Nachbarstaaten verboten sind, aber hierzulande angeblich unverzichtbar sind ...

jo sti
00
vor allem der Kaschmir-Virus....

... den es in Österreich gar nicht wirklich gibt......

fauler Student
00

Sagt wer?

StewieGriffin
00

Ich vermute die Kaschmirlobby dahinter!

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