Salzburgs neue "Autobahn durch die Luft"

3. Jänner 2012, 19:26
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Seit Anfang 2012 soll eine umstrittene Südanflugroute Entlastung bringen - Anrainer befürchten mehr Flugverkehr und zusätzlichen Lärm

Salzburg - In der Skisaison drängen sich die Flugzeuge auf dem Rollfeld des Salzburger Flughafens. Allein am Montag landeten 66 Maschinen, teilweise im 20-Minuten-Takt. Rund 27 davon kamen aus Russland. Wie jedes Jahr wollen die rund 6000 russischen Touristen ihr Weihnachtsfest - nach dem Julianischen Kalender am 6. Jänner - in Salzburgs Skiorten feiern.

Anders war am Montag die Flugroute: Kein einziger Flug zwischen sechs und 17 Uhr wurde über die Nordroute über Freilassing abgewickelt, über die sonst 90 Prozent der Linien- und Chartermaschinen fliegen. Laut Flughafen, ein "absoluter Ausnahmetag", denn der starke Fön habe den Piloten keine andere Möglichkeit gegeben. Eine beunruhigende Beobachtung für die Vorsitzende des Anrainerschutzverbandes Salzburg Airport Astrid Rössler, denn "es zeigt das Potenzial der Südrouten". Es könnten extrem viele Flüge über die Stadt Salzburg abgewickelt werden und damit auch die allgemeinen Kapazitäten gesteigert werden.

Fluglärm über Freilassing als Grund

Seit Sommer 2011 kritisiert der Anrainerschutzverband die Lärmbelästigung, die durch eine zusätzliche Südanflugroute über die Stadt Salzburg anfallen würde. Verordnet wurde die neue Route von der Flugsicherheitsbehörde Austro Control im Auftrag des Verkehrsministeriums, nachdem sich der deutsche Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) über den Fluglärm auf bayrischem Gebiet bei Freilassing beschwerte.

Nun startet die dreijährige Testphase der Route, die über Abtenau und Golling entlang der Tauernautobahn bis Puch-Urstein und über die Stadtteile Taxach, Rif, Grödig und Leopoldskroner-Moos gehen soll.

Zurzeit würden auf der neuen Route nach Süden rund vier Flüge pro Woche verkehren, erläutert Flughafensprecher Alexander Klaus. Während der Beobachtungsphase werden es im Schnitt drei bis fünf Flüge pro Tag werden. Die neue Route bringe eine Lärmentlastung für Freilassing und Salzburg, und es entstehe "kein neuer Lärmkrater", betont Klaus.

Lärmschutzfenster

Der Anrainerschutzverband sieht das ganz anders: Die neue Route bringe eine massive Verschlechterung für die Stadt Salzburg. Es werde sich zwar nicht auf den Dauerschallpegel auswirken, "mit dem die Lärmbelastung immer kleingeredet wird", wenn aber die Tagesspitzenwerte mehr als 70 Dezibel erreichen, sei das gesundheitsschädlich, sagt die Landessprecherin der Grünen. Zudem würden die betroffenen Anrainer zu wenig Informationen erhalten und mit immer anderen Argumenten abgespeist werden. "Es wird beinhart eine Autobahn durch die Luft gebaut, über den Köpfen der Salzburger", kritisiert Rössler die Vorgehensweise.

Seit ersten Jänner können Anrainer einen Antrag auf Förderung von Lärmschutzfenstern stellen. Bis zu 60 Prozent der Kosten übernehme die Salzburger Flughafen GmbH für Anrainer, die in die Lärmzone hineinfallen, erläutert Klaus. Der Flughafen stellt dafür 150.000 bis 200.000 Euro pro Jahr zur Verfügung. Für Rössler nur ein "sehr hart errungener, kleiner Fortschritt". (Stefanie Ruep, DER STANDARD, Printausgabe, 4.1.2012)

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    Sofortmaßnahme gegen Fluglärm: Ohren zuhalten.

  • Die Grafik dokumentiert, wie stark die Südanflugroute über Salzburg frequentiert wird.
    grafik: der standard

    Die Grafik dokumentiert, wie stark die Südanflugroute über Salzburg frequentiert wird.

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