Rund um "Schwarze Raucher" vor der Antarktis fanden britische Forscher hochspezialisierte Lebewesen, darunter einige unbekannte Tierarten
Der Anblick wirkt gespenstisch: Abertausende bleiche Yeti-Krabben einer
neuen Subspezies haben den hügeligen Meeresboden vollständig bedeckt. Die Kamera
des ferngesteuerten U-Boots hat in rund 2500 Metern Tiefe vor der Antarktis aber
noch ganz andere seltsame Kreaturen auf Fotos gebannt: einen bisher unbekannten
Seestern mit sieben Armen, der über ein Feld von Seepocken wandert. Oder einen
weißen Oktopus, der vermutlich ebenfalls eine neue Art darstellt.
Diese bizarre Fauna findet sich rings um einige heiße untermeerische Quellen
im antarktischen Meer, konkret im Gebiet der East Scotia Ridge östlich der
Südspitze Südamerikas. Dort quillt heißes Wasser mit einer Temperatur von rund
380 Grad Celsius aus sogenannten "Schwarzen Rauchern" hervor. Das sind mehrere
Meter hohe Schlote, die vom Meeresboden emporwachsen, weil im Wasser Mineralien
und andere Substanzen gelöst sind. (Dass das Wasser heißer als geschmolzenes
Blei ist, macht der hohe Druck in den Meerestiefen möglich.)
Rund um solche hydrothermalen Quellen greifen spezialisierte Lebewesen auf
chemische Energie zurück, um ihre Kohlenhydrate und andere lebensnotwendige
Substanzen aufzubauen. Solche Oasen höchstspezialisierten Lebens gibt es auch
anderswo. Doch die Fauna der neu entdeckten Quellen ist noch einmal besonders,
berichten Forscher um Alex Rogers (Uni Oxford) im Fachmedium PLoS
Biology. In einer Aussendung spricht der Biologe von einer "heißen, dunklen
und vergessene Welt" voller unbekannter Arten.
"Was wir nicht gefunden haben, ist genauso überraschend wie das, was wir
entdeckten", so Rogers. Denn viele Tiere, die sich an hydrothermalen Quellen in
anderen Ozeanen finden, kommen in dem neu beschriebenen Ökosystem in der
Antarktis nicht vor. Dazu zählen Würmer, Muscheln, einige Krabben und Garnelen.
Daraus schließen die Wissenschafter, dass die Lebensgemeinschaften rings um die
heißen Quellen weit vielfältiger sind als bisher angenommen. (tasch, APA/DER STANDARD, Printausgabe, 04.01.2012)