Ex-Chef Palmisano: Zuschlag für Lenovo, um IBM Wohlwollen des Staats zu sichern
Noch kämpft China darum, sich auf dem Weltmarkt als eigenständiger Player und nicht nur als verlängerte Werkbank großer Konzerne zu etablieren. Erst in wenigen Bereichen ist dies gelungen, bei Telekom-Ausrüstungen mit Huawei und ZTE und bei PCs mit Lenovo. Dafür legte IBM das Fundament, als es seine PC-Sparte 2004 an den damals noch wenig bekannten chinesischen Computerhersteller verkaufte.
Geschäftsbereich
Jetzt stellt sich heraus, dass strategische Gründe für den Verkauf an Lenovo ausschlaggebend waren, trotz lukrativer Angebote des US-Herstellers Dell sowie von Privatinvestoren. IBM wollte sich damit das Wohlwollen der chinesischen Regierung für seinen Einstieg in andere lukrative Geschäftsbereiche in der boomenden Volksrepublik sichern, erklärte der damalige IBM-CEO Sam Palmisano in einem Gespräch mit der New York Times.
Umstritten
Seinerzeit war der Verkauf aus zwei Gründen umstritten: Einerseits machte IBM mit der Sparte Gewinne, und der Ausstieg führte dazu, dass es seinen IT-Spitzenplatz an Hewlett-Packard verlor - das selbst im Vorjahr kurzfristig auf IBMs Spuren wandelte und den Verkauf des PC-Geschäft ankündigte. Wenige Wochen später wurde der HP-Chef abberufen, seine Nachfolgerin Meg Whitman vollzog eine Kehrtwende.
Andererseits galt die Übernahme durch einen chinesischen Konzern als Frage der nationalen Sicherheit, da IBM einer der PC-Hauptlieferanten der US-Regierung und ihrer Streitkräfte war. Ähnliche Diskussionen wiederholen sich derzeit im Mobilfunk, wo Huawei und ZTE zwar weltweit an der Spitze liegen, aber in den USA nicht zum Zug kommen.
Erfolgreicher Deal
Für IBM wie für Lenovo war der Deal erfolgreich. Dem chinesischen IT-Hersteller diente er als Sprungbrett in vorher unerreichbare Märkte, 2011 erreichte der Konzern mit einem weltweiten Marktanteil von fast 14 Prozent den zweiten Platz hinter HP.
IBM wandelte sich unter Sam Palmisano, der nach zehn Jahren als CEO zu Jahresbeginn an Virginia M. Rometty übergab, vom Hardwarehersteller zum unbestrittenen Marktführer bei IT-Lösungen, der Unternehmen wie öffentliche Bereiche dabei unterstützt, gewinnbringender und effizienter zu werden. Die Strategie ging auf, IBM hat heute den vierfachen Marktwert als HP. (spu, DER STANDARD Printausgabe, 4. Jänner 2012)