Übergangsrat sieht Probleme durch ausgebliebene Entwaffnung der "Revolutionäre"
Tripolis/Istanbul - Sechs Kämpfer sind am Dienstag
in Tripolis bei einem Gefecht zwischen Angehörigen verschiedener
libyscher "Revolutionstruppen" ums Leben gekommen. Das berichtete der
Nachrichtensender Al-Arabiya. Zudem wurden 14 Menschen durch die
Schießerei in der libyschen Hauptstadt verletzt.
Der Vorsitzende des Sicherheitskomitees im Innenministerium,
Oberst Mustafa Nuh, erklärte, eine Gruppe von "Revolutionären", die
dem Militärrat der Übergangsregierung unterstünden, sei mit einer
"Brigade von Revolutionären" aus einer anderen Stadt
aneinandergeraten, die ihren Stützpunkt im ehemaligen Gebäude des
Militärgeheimdienstes habe.
Rivalisierende Milizen aus Misrata hätten am Morgen
Ex-Rebellenkämpfer angegriffen, sagte Milizenführer Massu al-Khadar.
Die Kämpfer setzten Luftabwehrraketen und Maschinengewehre ein. In
der Umgebung des Geheimdienstsitzes waren zahlreiche Bewaffnete zu
sehen. In Tripolis sind verschiedene Milizen-Brigaden aktiv. Sie
nutzen teilweise frühere Regierungsgebäude als Hauptquartiere.
Mussa al-Kuni, ein Mitglied des libyschen Übergangsrates, sagte
Al-Arabiya, der Zwischenfall habe keinen politischen Hintergrund. Der
Konflikt zwischen den sehr jungen Kämpfern aus der Stadt Misrata und
aus Tripolis habe sich an einem nichtigen Vorfall entzündet.
Das eigentliche Problem sei die Tatsache, dass die Waffen, die von
den Rebellen im vergangenen Jahr für den Kampf gegen die Truppen des
damaligen Machthabers Muammar al-Gaddafi beschafft worden waren, bis
heute nicht eingesammelt werden könnten. Für eine Entwaffnung aller
"Revolutionäre" sei es noch zu früh, weil es noch keine richtige
Armee gebe und die Polizei überfordert sei, betonte Kuni. (APA)