Favoriten waren der Deutsche Jörg Asmussen und der Franzose Benoit Coeure
Weil sie einen Konflikt zwischen Deutschland und Frankreich fürchtete, hat sich die Europäische Zentralbank auf einen neutralen Kandidaten geeinigt: Der Belgier Peter Praet wird Chefvolkswirt der EZB. Favoriten waren der Deutsche Jörg Asmussen und der Franzose Benoit Coeure. Coeure soll nun die Abteilung Märkte übernehmen, die die umstrittenen Staatsanleihenkäufe der EZB koordiniert. Asmussen solle das Ressort Internationales erhalten, also Notenbankchef Mario Draghi unter anderem bei der Eurogruppe und bei den G20 vertreten.
Praet ist seit Juni bei der EZB und war vorher bei der Zentralbank seines Heimatlandes. Coeure, bisher Chefvolkswirt im Pariser Finanzministerium, und Ex-Finanzstaatssekretär Asmussen sind seit dem Jahreswechsel Mitglieder des obersten Führungsgremiums der Notenbank. Sie ersetzen den bisherigen Chefvolkswirt Jürgen Stark, der im September seinen Rückzug angekündigt hatte, und den Italiener Lorenzo Bini Smaghi, der an die US-Eliteuniversität Harvard wechselt.
Der eigentlich in Deutschland geborene Belgier Peter Praet ist in Notenbankkreisen in Europa und weltweit eine der bekanntesten Persönlichkeiten und genießt zudem hohes Ansehen. Der 62 Jahre alte promovierte Ökonom war bei der Vergabe von Top-Ämtern in der europäischen Geldpolitik bisher aber leer ausgegangen.
Zuvor war Praet bereits zweimal im Rennen um den Posten des EZB-Vizepräsidenten unterlegen - gegen den aktuellen Amtsinhaber Vitor Constancio genauso wie gegen dessen Vorgänger Lucas Papademos. Praet gilt als ausgewiesener Fachmann auf den Gebieten Finanzaufsicht und Finanzstabilität. Bevor er zur Notenbank stieß, arbeitete er beim belgischen Finanzministerium, in der Finanzwirtschaft, beim Internationalen Währungsfonds (IWF) und als Professor.
Er gilt geldpolitisch eher als "Taube", also als jemand der eher das Wachstum stimulieren will als die Inflation bekämpfen. (APA/Reuters)